Erstes Dreieicher Festival

Lebensgefühl der Rock ‘n’ Roller

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Bei The Silverballs griff Veranstalter Michael Bock (rechts) selbst zum Mikrofon. An drei Tagen standen Bands aus drei Ländern auf der Bühne des Bürgerhauses.

Dreieich - Elvis lächelte einem schon von der Motorhaube des 1959er Ford Galaxie Skyliner entgegen, der wie die anderen Oldtimer das Begrüßungskomitee vor dem Bürgerhaus bildete. Drinnen ging die Zeitreise weiter, denn von Freitag bis Sonntag gingen hier die 1. Dreieicher Rock ’n‘ Roll Days über die Bühne und das hieß: Lederjacken, Pettycoats und ganz viel Live-Musik zum Abtanzen. Von Sina Gebhardt

Boppin B., Adriano Batolba & Orchestra aus Deutschland, The Bobcats aus Großbritannien und The Prison Band aus Ungarn – das internationale Line-Up des Festivals kann sich sehen lassen und hat nicht nur für die Besucher einiges in petto. Veranstalter Michael Bock, selbst Lead-Sänger der Band The Silverballs, die am Freitag den Konzertreigen eröffnet, hat bei der Auftaktveranstaltung seinen Favoriten gefunden: „Mike Sanchez war definitiv ein Highlight. Er hatte richtig Lust zu spielen und es hat einfach Spaß gemacht.“

Sein Resümee des ersten Abends der Dreieicher Rock’n’Roll Days fällt entsprechend positiv aus, auch wenn Bock einräumt, dass es hätte voller sein können: „Aber dafür, dass wir diese Veranstaltung zum ersten Mal machen, war es super. Gerade von der Bühne war es ein schönes Bild, weil sich um die Tänzer ein Kreis gebildet hatte und sie dann richtig Platz hatten.“ Seine Sorge, bei der anschließenden After-Party alleine auf der Tanzfläche zu stehen, erwies sich dann auch als grundlos, denn mit rund 50 Feierfreudigen wurde im Partykeller bis zum angesetzten Ende um 4 Uhr morgens weitergerockt.

Tagsüber allerdings lassen die Besuchermassen auf sich warten, nur vereinzelt schlendern potenzielle Kunden durch den Marktbereich, wo knapp 15 Aussteller mit der passenden Mode, Accessoires und Styling-Produkten aufwarten, die das Rock ’n’ Roll-Lebensgefühl aufgreifen. Das geringe Besucherinteresse an den Ständen trübt die Stimmung bei den Ausstellern aber nicht. „Wir fühlen uns wohl hier“, sagt Katharina Amon von Kat-Hairstyling, die den Herren Haarschnitte und Styling im Stile der 50er verpasst. „Tagsüber ist wenig los, aber abends wird es voller und die, die da waren, waren auch dankbar.“ Über stärkere Resonanz kann sich das Dancecamp freuen. Ob Anfänger, Fortgeschrittene oder Profis – bei den renommierten Trainer-Paaren aus Frankreich, Österreich, Deutschland und Italien besteht für die Besucher die Möglichkeit, den Boogie Woogie (neu) für sich entdecken.

Bilder: 1. Dreieicher Rock’n‘Roll Days

Das gilt auch für Gisela und Jörg Burgemeister, die sich vor 16 Jahren „über den Weg tanzten“. Die beiden Turniertänzer aus Langenselbold unterrichten zwar selbst, aber lassen sich den Workshop trotzdem nicht entgehen, „weil man immer noch dazu lernt, es Spaß macht und man einfach neuen Input kriegt.“ Das Paar tourt sonst bis nach München oder Wien und freut sich deshalb besonders, nun ein Rock ’n’ Roll-Festival praktisch vor der eigenen Haustür zu haben. „Es toll, dass sie das auf die Beine gestellt haben und wir hoffen, dass sie es nächstes Jahr wieder machen“, sagen beide.

Das hofft natürlich auch Bock, der vor drei Jahren die Idee hatte, ein Festival speziell für Rock ’n ’Roll- und Rockabilly-Fans auf die Beine zu stellen und ein Jahr lang mit der Organisation beschäftigt war. Nach den 1. Dreieicher Rock ’n ’Roll Days muss der Silverballs-Sänger aber erst mal Bilanz ziehen. Dass der geplante Bandcontest am Samstag wegen zu wenigen Bewerbungen abgesagt werden musste, ist dabei sicherlich ein Wermutstropfen. „Es wäre auch verwunderlich, wenn beim ersten Mal schon alles reibungslos verläuft“, sieht es der 40-Jährige realistisch.

Sein Ziel, eine schöne Party für jedes Alter zu machen, hat Bock jedenfalls erreicht – von 20 bis 70 Jahren war auf der Tanzfläche alles vertreten. „Es war eine sehr schöne Stimmung während des ganzen Festivals, aber natürlich nehme ich alle Anregungen mit. Der Anfang ist gemacht“, zeigt sich der Veranstalter zufrieden.

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