Musikfestival unter freiem Himmel

Heimspiel Open Air: Fette Beats lassen die Massen tanzen

+
Seifenblasen steigen auf und Jugendliche tanzen mit ihnen um die Wette, während die DJs schnittige Elektro-Beats in die schwül-warme Sommerluft schicken.

Dreieich - Der Parkplatz an der Koberstädter Straße ist überraschend ruhig an diesem Samstag, wenn man bedenkt, dass nur einen Katzensprung entfernt auf dem Ferienspielgelände an der Breiten Haagwegschneise bereits ein Musikfestival in vollem Gange ist. Von Sina Gebhardt 

Vor sechs Jahren noch eine gemütliche „Chill and Grill“-Veranstaltung, ist das Heimspiel Open Air schnell aus den Kinderschuhen herausgewachsen und hat sich zu einem Spektakel für Freunde der elektronischen Musik etabliert. Seifenblasen fliegen durch die schwül-warme Sommerluft, die von den Bässen des mit Vinylplatten verzierten DJ-Pults erbebt, an dem gerade der Dreieichenhainer Dominik Konrad sein Set spielt. Eine kleine Gruppe tanzt schon jetzt am späten Nachmittag, doch erst ab 18 Uhr wird sich das Gelände richtig füllen, weiß Alexander Graff von YouGen. Mit rund 2000 Besuchern rechnet der zweite Vorsitzende des Jugend- und Kulturvereins – ein neuer Rekord für das komplett ehrenamtlich organisierte Festival, das dieses Jahr erstmals Teil des „Kultursommers Südhessen“ ist. Als Pendant zu kommerziellen Festivals lockt die Freiluftveranstaltung mit freiem Eintritt, humanen Getränkepreisen und einer familiären Atmosphäre, die auch dem Gelände geschuldet ist. „So ist es gemütlich und wir wollen eigentlich gar nicht größer werden“, gesteht Graff. „Das würde auch für uns mehr Stress bedeuten.“

Seit Donnerstag läuft der Aufbau, mit nur zehn aktiven Mitgliedern ist YouGen auf seine fleißigen Helfer angewiesen, die glücklicherweise so zahlreich wie nie zuvor erschienen sind. Sogar die DJs verzichten auf ihre Gage, was dem guten Zweck der Veranstaltung geschuldet ist: Dieses Mal wird der Frankfurter „Verein zur Hilfe krebskranker Kinder“ unterstützt, weshalb die Besucher die Möglichkeit haben, ihr Becherpfand zu spenden. „Wenn dir keiner eine Bühne gibt, dann bau dir selbst eine“ – frei nach diesem Motto ist das heutige Heimspiel Open Air entstanden, um Elektro-Fans die Gelegenheit zu geben, ihrer Musik zu frönen, aber auch um Nachwuchskünstler zu fördern, wie es sich der Verein, dessen Abkürzung für Young Generation steht, auf die Fahne geschrieben hat. „Gerade für junge DJs ist es schwer, Fuß zu fassen“, so Graff.

Bilder: Fette Beats beim Heimspiel Open Air

Besonders von regionalen Künstlern haben sie viele Anfragen erhalten, bei ihnen spielen zu dürfen. Deshalb gab es dieses Jahr vor dem Event einen vierwöchigen Newcomer-DJ-Contest, der via Facebook ausgetragen wurde. Das Duo Wizzards, ebenfalls aus Dreieichenhain, hat den Wettbewerb und damit die Chance gewonnen, das Festival um 14 Uhr zu eröffnen. Die Headliner sind dann freilich schon eine andere Hausnummer: Sowohl das DJ-Duo Chasing Kurt, alias Lukas Poloczek und Wojtek Kutschke, aus Gießen wie auch Bunte Bummler aus Mannheim sind international unterwegs. Das Beste kommt ja bekanntlich zum Schluss und so werden sie den Festivalbesuchern die letzten vier Stunden vor Mitternacht einheizen und auch die letzten auf die sandige Tanzfläche ziehen. Noch aber fläzen die sich entspannt auf der Wiese und genießen – wenn schon nicht das Wetter, die Sonne versteckt sich erfolgreich hinter der Wolkendecke – zumindest die Musik.

Die soll dank einer Optimierung der Tontechnik übrigens weniger Lärmbelästigung für die Anwohner bringen, erklärt Graff, aber „ob wir dieses Ziel erreicht haben, wissen wir erst hinterher“. Für ihn und den Rest des Teams wird es nach dem Festival schon wieder losgehen mit der Planung fürs nächste Jahr. Denn: Nach dem Heimspiel ist vor dem Heimspiel.

Kommentare