Kunstinstallation am Offenthaler Bahnhof

Nächster Halt auf der Zielgeraden

Offenthal - Seit gut vier Wochen sind Michael Hensel und Christian Goethner auf der Grünfläche am Offenthaler Bahnhof mit der Umsetzung ihres Projekts „Nächster Halt“ beschäftigt. Nun biegen die beiden studierten Holzgestalter aus Leipzig auf die Zielgeraden ein. Von Frank Mahn 

Am Samstag wird das erste Kunstwerk im öffentlichen Raum des Stadtteils eingeweiht. „Was glaubt ihr, wie alt sind diese Balken?“, fragt Christian Goethner in die Runde. Die Klasse 3 c der Wingertschule steht vor dem zentralen Element der Installation, einem Stapel aus 90 Eichenbalken. Die Kinder grübeln. „900 Jahre“, „200 Jahre“, „1000 Jahre“ – richtig ist die Antwort von Max, der 200 getippt hat. Das Holz stammt von einem Fachwerkhaus aus Salzgitter und spannt thematisch den Bogen zur Deutschen Fachwerkstraße mit Offenthal als Station. „Wohnt jemand von euch in einem Fachwerkhaus?“, will Goethner wissen. „Nein“ erschallt es vielstimmig. Kurz darauf nehmen die Mädchen und Jungen auf Bänken Platz und greifen zu den Stiften. Ihr Lieblingshaus sollen sie malen, beim Kunstunterricht unter freiem Himmel sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

Ein paar Meter weiter bereiten OGV-Vorsitzender Matthias Würz und weitere Helfer des Vereins die Löcher für die Pflanzung von insgesamt vier Apfelbäumen vor. Jonagold, Croncels, Luikenapfel und Landsberger Renette heißen die Sorten, die an den Charakter einer Streuobstwiese erinnern sollen und zudem darauf verweisen, dass Offenthal an der Apfelwein- und Obstwiesenroute liegt. Beim Pflanzen sind die Kinder natürlich mit Feuereifer dabei, sie übernehmen auch die Patenschaft.

Auf dem Gelände wird künftig noch weiteres Obst wachsen. Zum Bahnhof hin ist ein Gitter errichtet worden, das der OGV mit Kiwis bestückt. Der Clou: „Es gibt nicht nur grüne, sondern auch rote und lilafarbene Kiwis, damit’s schön bunt wird“, sagt Matthias Würz. Schöner Effekt: Das Spalierobst setzt optische Akzente vor den Trafohäuschen. Die Glascontainer bleiben an Ort und Stelle, allerdings hat die Stadt eine Holzverkleidung errichten lassen, hinter der sie verschwinden. Vom neugestalteten Platz aus sind sie dann nicht mehr zu sehen.

Michael Hensel und Christian Goethner sind sehr gespannt darauf, wie die Offenthaler ihre Installation, zu der auch drei große Sitzelemente gehören, bewerten werden. Etliche Gespräche haben sie in den vergangenen Wochen schon geführt. „Die Bürger sind sehr interessiert. Das ist ja auch ein zentraler Ort hier am Bahnhof“, sagt Hensel. „Es gibt durchaus auch skeptische Meinungen“, ergänzt Goethner. „Das wird ein schöner, offener Platz“, ist er sicher.

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„Kommen, Gehen, Verweilen“ – so lautete die Vorgabe für das Projekt „Kunst vor Ort“, ausgeschrieben von Sparkasse Langen-Seligenstadt und Kreis Offenbach. Mit ihrem Konzept hatten die Leipziger die Jury überzeugt und sich unter 20 Bewerbern durchgesetzt. „Hauptziel ist es, den Platz attraktiver zu gestalten und die Aufenthaltsqualität am Bahnhof zu steigern. Die Plastik soll aber auch eine inhaltliche Verbindung zu regionalen Traditionen herstellen“, sagt Benjamin Halberstadt. Der Chef des städtischen Eigenbetriebs ist im Auftrag des Magistrats federführend für die Organisation verantwortlich und gehörte der Jury an. Das Konzept der beiden Holzkünstler gefällt ihm, „weil damit der ganze Platz bespielt wird“.

Nächster Halt Einweihung heißt es am Samstag, 23. April, um 14 Uhr. Dann können sich alle Interessierten ein Bild von der Gesamtinstallation machen. Musikalisch wird die Übergabe des Kunstwerks vom Chor der Wingertschule und dem Boogie-Woogie-Pianisten Christof Oeser begleitet. Zuvor besteht ein zweites Mal in dieser Woche Gelegenheit, an einer Führung mit Timo Seibert teilzunehmen. Stichwort: Offenthaler Fachwerk. Treffpunkt am heutigen Donnerstag ist um 18 Uhr am Bahnhof.

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