Übungsszenario: Zug-Kollision mit vielen Verletzten

Nächtliches Unglück nach Drehbuch

+
„Viele Verletzte nach Zug-Kollision mit Baum“: Bei der Nachtübung wird das Unfallszenario so realistisch wie möglich nachgestellt. Nur wenige sind in die genauen Pläne eingeweiht. Der Großteil der Einsatzkräfte von Feuerwehr und DRK kennt nur den Zeitpunkt der Übung, jedoch weder Ort noch Ablauf.

Dreieich - In der Nacht von Freitag auf Samstag ist der Feldbereich zwischen Dreieichenhain und Götzenhain kurz vor dem Bahnübergang am Offenthaler Weg hell erleuchtet von Blaulichtern. Von Sina Gebhardt 

Das Szenario: ein Zugunfall nach Kollision mit einem auf die Gleise gestürzten Baum, mehrere Schwerverletzte und Feuer im Zug. Glücklicherweise nur eine Übung der Feuerwehr Dreieich, mit der aber unter realistischen Bedingungen die Zusammenarbeit von Feuerwehr, DRK und der Deutschen Bahn für den Ernstfall geprobt wird. Um 1.25 Uhr schlägt die Rettungsleitstelle in Dietzenbach Alarm, Stichwort „H Zug 2 Y“. Gemeldet wurde der Unfall durch die Notfallleitstelle der Deutschen Bahn. Nur fünf Minuten später sind die ersten Einsatzkräfte vor Ort, wegen der höchsten Alarmstufe mit umfangreichem Gerät und Personal. Von Anfang an sind die Gegebenheiten herausfordernd: Das Gelände ist schwer zugänglich und beengt, dazu kommt die völlige Dunkelheit. Zwei Notfallmanager der Bahn veranlassen die Streckensperrung und begutachten die Lage. Erst nach ihrer Freigabe kann mit der Menschenrettung und Brandbekämpfung begonnen werden – denn gingen vom Fahrzeug Gefahren aus oder gäbe es Oberleitungen, so könnte das für die Einsatzkräfte lebensgefährlich sein.

Der Zeitpunkt der Nachtübung, von den Wehrführern Carsten Lichtinghagen (Götzenhain) und Heinrich Graf (Dreieichenhain) seit mehreren Wochen ausgearbeitet, war zwar angekündigt, aber die genaueren Umstände und der Ablauf waren den Einsatzkräften nicht bekannt. So sieht sich die Feuerwehr unvorbereitet mit auslaufenden Betriebsmitteln und dem dadurch entstandenen Brand – simuliert durch Lichteffekte und Nebelmaschine – konfrontiert. „Der Atemschutztrupp hat sich Zugang zum Zug verschafft, um mit der Menschenrettung zu beginnen“, berichtet Daniel Steinbrecher, Pressesprecher der Feuerwehr Dreieich. „Ein weiterer Trupp hat unter Atemschutz die Wasserversorgung aufgebaut und den Brand gelöscht.“

Inzwischen ist die Einsatzstelle großflächig ausgeleuchtet worden, als zuständige Dezernenten sind Bürgermeister Dieter Zimmer und der Erste Stadtrat Martin Burlon vor Ort eingetroffen und noch immer rücken weitere Kräfte an. Am Ende zählt das Großaufgebot der beteiligten Feuerwehren aus Dreieichenhain, Götzenhain, Sprendlingen, Offenthal, Buchschlag und Rödermark Ober-Roden 14 Fahrzeuge und 63 Einsatzkräfte.

Fotos: Großübung der Feuerwehr an der Dreieichbahn

Während diese gemeinsam mit den DB-Notfallmanagern den Brandschutz am Zug sicherstellen, läuft das DRK des Kreises Offenbach auf Hochtouren. Eine kleine Gruppe aus nur leicht oder Unverletzten wartet bereits auf den Betreuungsbus aus Ober-Roden, aber unterdessen werden noch immer Personen aus dem verunglückten Zug geborgen und über die holprigen Gleise zur Verletztensammelstelle gebracht. 15 Minuten dauert es unter den vom Gelände erschwerten Bedingungen, das Zelt aufzubauen, in dem der Rettungsdienst, sich nun um die schwer Verletzten kümmert. 36 Einsatzkräfte dieser Art – unter anderem aus Rodgau, Neu-Isenburg und Langen – zählt das Aufgebot.

„Der Zugführer hat eine Notbremsung eingeleitet und durch den Aufprall haben viele Reisende nun Platzwunden und waren bewusstlos. Dazu gibt es Verletzte mit Beckenfraktur, Unterschenkelbruch, sogar einem Herzinfarkt“, beschreibt Randolf Schlapp, Leiter der Notfalldarstellung des DRK-Kreisverbands Offenbach, womit die Rettungskräfte es zu tun haben. Rund 30 ehrenamtliche Mimen geben die glaubwürdigen Unfallopfer, die einen realistischen Übungsablauf gewährleisten.

Der umgestürzte Baum ist längst von den Gleisen geschafft, nach und nach kehren jetzt noch die letzten Einsatzkräfte aus der Dunkelheit des Feldes zurück, wo sie nach Verletzten gesucht hatten und nun drei desorientierte, unter Schock stehende Fahrgäste zum Roten Kreuz bringen. „Ziel der Übung war der Einsatz aller Einheiten, um zu sehen, wie die Zusammenarbeit und gerade auch die Kommunikation zwischen den beteiligten Bereichen funktioniert“, erläutert Steinbrecher. Inzwischen stehen die Zeiger auf halb vier Uhr morgens, nach zwei aufreibenden Stunden neigt sich die Gemeinschaftsübung dem Ende zu. Das Ergebnis könne sich sehen lassen, die Zusammenarbeit zwischen Leitstelle, Feuerwehr, DRK und Deutscher Bahn habe gut funktioniert, so das Fazit. Und so sind die Einsatzkräfte um eine wertvolle Erfahrung reicher, von der sie im Ernstfall profitieren können.

Kommentare