Krabbelstube Kids in der Wilhelmstraße 3 muss umbauen

Nichts geht ohne einen Fluchtweg

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„Wir müssen das jetzt durchziehen“, sagt Hannah Aldinger vom Vorstand des Trägervereins. Das Obergeschoss-Fenster (über dem Eingang) soll zu einer Tür umfunktioniert werden, die dann auf ein Flachdach und weiter zu einer Außentreppe führt.

Dreieich - Die Krabbelstube Kids kann in einem ihrer zwei Häuser die gesamte obere Etage nicht nutzen. Grund ist ein fehlender Fluchtweg, den aktualisierte Brandschutzauflagen seit 2013 vorschreiben. Von Manuel Schubert 

Der Elternverein hat sich deshalb entschieden, einen aufwendigen Umbau zu stemmen, muss nun allerdings feststellen, dass einkalkulierte Fördergelder nicht fließen. Eigentlich ist alles perfekt. Ein wunderschönes Domizil haben sie hier gefunden in der Wilhelmstraße 3, die Erzieherinnen und Kinder der Krabbelstube Kids. Eine ruhige Gegend, ein geräumiges Haus, ein großer Garten. Eigentlich. Denn der blaue Altbau hat ein riesengroßes Manko: Der erste Stock besitzt keinen Fluchtweg. Und so ist die gesamte obere Etage seit drei Jahren verwaist. Kein Kind darf hier auch nur einen Fuß hinein setzen. Oder, wie es in schönstem Bürokratendeutsch heißt: Für das Obergeschoss gibt es keine Betriebserlaubnis. „Das ist kein Zustand“, schimpft Hannah Aldinger. Sie sitzt im Vorstand des Vereins zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Eltern und Kindern, der neben der Krabbelstube im Sprendlinger Zentrum eine weitere in der Dreieichenhainer Taunusstraße betreibt. Seit 1995 ist die Einrichtung für unter Dreijährige schon in der Wilhelmstraße angesiedelt. Nie war die Nutzung des oberen Stockwerks ein Problem gewesen. Bis im Jahr 2013 neue Brandschutzauflagen alles über den Haufen warfen. Plötzlich musste man mit drei Räumen weniger auskommen.

Die Leidtragenden sind die Kinder, denn geschlafen und gespielt wird seither in ein und demselben Zimmer. Die Zeit nach dem Mittagessen wird dadurch zur Belastungsprobe für alle. Denn manche der zehn kleinen Besucher brauchen einen Mittagsschlaf, andere wiederum nicht. Für Letztere heißt es dann: ausweichen in den Essensraum, und zwar bitteschön ohne die anderen zu wecken. Still sein und langsam machen, wenn man eigentlich viel lieber laut sein und herumtoben würde – für einen Zweieinhalbjährigen so ziemlich die blödeste Konstellation, die es gibt. „Für die Kinder ist das ziemlich unpraktisch und unangenehm“, betont Aldinger.

Hier haben schon lange keine Knirpse mehr ausgelassen gespielt

Wer die enge, knarzige Treppe ins Obergeschoss erklimmt, der stellt schnell fest: Hier haben schon lange keine Knirpse mehr ausgelassen gespielt. Am Treppengeländer kleben einige Spinnweben, oben angekommen versperren Kisten mit Spielzeug den Weg. Bauklötze, Puppen und Autos stapeln sich hier, ungenutzt. Auf einem Tisch stehen Stühle, an der Wand lehnen Matratzen. Zwei der drei Räume dienen aktuell als Rumpelkammer, einer immerhin als Büro für die Mitarbeiter.

Es muss sich also dringend etwas ändern – bald ist es endlich so weit: Mitte Juli schließt die Einrichtung für zehn Tage ihre Pforten und die Bauarbeiter rücken an. Sie werden ein Fenster im ersten Stock zur Tür umfunktionieren, das spitze Dach des Anbaus zu einem Flachdach umbauen, dort einen Laufweg inklusive Geländer installieren und schließlich eine große Stahltreppe anbringen, die in den Garten hinunter führt. Die ist so groß, dass die Gartenlaube eventuell weichen muss. Eine schlichte Leiter reicht bei Kindern unter drei Jahren eben nicht aus. Danach, so der Plan, kann im oberen Stockwerk geschlafen und im Erdgeschoss den ganzen Tag über gespielt werden.

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Rund 82.000 Euro kostet der Umbau den Verein. Eine stolze Summe. „Wir müssen das jetzt aber durchziehen“, sagt Aldinger. „Die Eltern warten schon darauf, dass das endlich stattfindet.“ Durch Spenden, Unterstützung von Vermieter und Stadt sowie einen Kredit kann das große Vorhaben finanziert werden. Fest eingeplant war allerdings auch ein Zuschuss vom Land Hessen in Höhe von 25.000 Euro. Der fiel nun weg – laut Aldinger ein Versäumnis der Stadt: Im Rathaus habe man das gesamte Jahr 2015 über versichert, der Verein könne Gelder aus einem Förderprogramm des Landes beantragen. Vor zwei Monaten habe sich jedoch herausgestellt, dass das nur für Gebäude gilt, die der Stadt auch gehören. Das Haus in der Wilhelmstraße 3 ist allerdings ein Mietobjekt – so sind die 25.000 Euro dahin.

Daher hofft der Verein nun auf Spenden. Es bleibt ihm auch nicht viel anderes übrig. „Sonst müssen wir eben einen höheren Kredit aufnehmen“, sagt Aldinger. Sie appelliert an alle Dreieicher, an Bürger wie Firmen. „Es ist ja für einen guten Zweck“, sagt Aldinger. „Je mehr Spenden“, erklärt sie, „desto kleiner der Kredit.“ Jeder Euro würde helfen. Krabbelstube Kids, IBAN: DE29 5059 2200 0006 1740 27, BIC: GENODE51DRE

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