Bewerbungshilfe mit offenem Ohr

Ökumenische Initiative unterstützt Arbeitlose bei Rückkehr ins Berufsleben

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Kostenlos und professionell wird im öAi-Café weitergeholfen (von links): Beraterin Ines Witt, Besucher Siegfried Lichtenauer, Initiator Wulf-Dieter Preiß und ehrenamtlicher Helfer Richard Herzog.

Dreieich - Wer seinen Job verloren hat, dem hilft seit fast 20 Jahren die ökumenische Arbeitsloseninitiative. In ihrem öAi-Café beraten Haupt- und Ehrenamtliche Ratsuchende: Sie unterstützen beim Bewerbungsschreiben oder sprechen Mut zu. Von Julia Radgen

Zweimal pro Woche empfängt das öAi-Café Gäste im freundlich eingerichteten Raum der katholischen Gemeinde St. Laurentius. Sie warten, dass einer der drei hauptamtlichen Berater Zeit für sie hat. Andere unterhalten sich mit einem der sechs Ehrenamtlichen, die im Wechsel aushelfen. Die Gäste sind arbeitslos, manche erst kürzlich, manche schon länger. Bei vielen kommen fortgeschrittenes Alter, keine qualifizierte Ausbildung und Probleme mit der Sprache hinzu.

Um ihnen zu helfen, hat der ehrenamtliche Geschäftsführer Wulf-Dieter Preiß vor fast 20 Jahren die ökumenische Arbeitsloseninitiative gegründet. Der frühere Personaldirektor kannte die Probleme von Menschen, die nach Jahren eine neue Stelle finden müssen: „Ich weiß, was Arbeitslosigkeit in kurzer Zeit aus Menschen macht“. Christliche Nächstenliebe sei da ganz praktisch gefragt. Preiß setzte sich mit den Kirchengemeinden in Verbindung und gründete 1997 den spendenfinanzierten Treff, dessen Beratung für Besucher kostenlos ist.

Heute kommen etwa 60 bis 70 Besucher monatlich, schätzt Preiß. Anfangs ging es eher darum, dass „Menschen in schwieriger Lage ihr Herz ausschütten können“. Heute helfen die Berater den Gästen im öAi-Café überwiegend beim Verfassen ihrer Bewerbungsunterlagen. Alle Kräfte sind für die Beratung geschult. Können sie nicht weiterhelfen, vermitteln sie an andere Einrichtungen. An den hauseigenen Computern kann man auch eigenständig nach freien Stellen suchen.

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Eine ehrenamtliche Helferin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, ist kürzlich durch Zufall zum Team gestoßen. Sie wollte sich um Flüchtlinge kümmern, fand aber die Arbeit mit Arbeitslosen lohnend. „Jeder Besucher hat seine persönlichen Probleme oder Fragen,“ erzählt sie. All ihnen wollen die Berater durch die schwierige Lebensphase helfen.

„Manche kommen nur ein paar Mal und sind dann wieder weg“, erzählt Preiß. Andere benötigten immer wieder Hilfe. Pro Jahr finden rund 30 Besucher eine Arbeitsstelle. Im Laufe der Jahre habe der Anteil nicht-deutscher Gäste zugenommen. „Wir erwarten, dass mehr Flüchtlinge zu uns kommen“, sagt Preiß. Vom benachbarten Lerncafé besuchten schon einige die Arbeitsberatung. Einem Eritreer hilft das Team zurzeit zu einer Ausbildung zum Erzieher. Ein Spanier mit geringen Deutschkenntnissen arbeitet nun als Briefsortierer „Gelegentlich ist unsere Arbeit natürlich auch frustrierend,“ gibt Preiß zu. „Da erhält ein Analphabet die behördliche Auflage, einen schriftlichen Lebenslauf einzureichen. Da fühlen wir uns schon etwas ausgenutzt“, erzählt der Geschäftsführer.

Das öAi-Café befindet sich in den Räumen von St. Laurentius, Eisenbahnstraße 59, in Sprendlingen. Es ist jeweils montags, 10 bis 13.30 Uhr, und donnerstags, 12.30 bis 16 Uhr geöffnet; Termine unter 62684. Die IBAN des Spendenkontos: DE57 5065 2124 0040 1117 00.

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