Planungswerkstatt beschäftigt sich mit Gestaltung der alten Mitte

Ortsdurchfahrt mit Hindernissen

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Lang, lang ist’s her: Die Aufnahmen der alten Milchküche und der früheren Gemeinschafts-Gefrieranlage stammen aus dem Jahr 1967 und wurden von Brunhilde Steitz gemacht. Was aus dem Gebäude wird, ist ungewiss.

Dreieich - Im Oktober wird sich das Gesicht der drei Offenthaler Ortseingänge nachhaltig verändern. Diesen Baubeginn nannte der Leiter des Fachbereichs Planung und Bau, Martin Krauskopf, in der Planungswerkstatt am Dienstagabend. Von Frank Mahn 

Schwerpunktmäßig ging es bei dem Treffen um die Zukunft der alten Ortsmitte. Zur Sprache kam auch das Thema alte Milchküche – Ausgang ungewiss. Leicht verschwenkte Fahrbahnen, Inseln, Baumtore – die Ortseingänge Mainzer-, Dieburger- und Bahnhofstraße werden demnächst optisch als solche kenntlich gemacht und Autofahrern signalisieren: Fuß vom Gas! 220.000 Euro haben die Stadtverordneten für den Umbau bewilligt. Was die Übernahme von Messeler Straße, Bahnhof- und Weiherstraße angeht, so ist sich die Stadt mit Hessen Mobil noch immer nicht einig geworden. Der Magistrat hat eine Untersuchung in Auftrag gegeben, die den Zustand der drei früheren Landesstraßen dokumentiert und die Schäden exakt auflistet. Die größten Mängel haben die Gutachter in der Weiherstraße ausgemacht. Nun geht’s ans Feilschen mit Hessen Mobil. Die Straßenverkehrsbehörde hatte für die Sanierung 42 000 Euro in Aussicht gestellt – eine Summe, die der Magistrat auf keinen Fall akzeptieren will.

Als „okay“ bezeichnet Erster Stadtrat Martin Burlon den Zustand der ehemaligen B 486, die im Auftrag von Hessen Mobil saniert wurde. Ein Teil von Mainzer und Dieburger Straße – zwischen Borngartenstraße und Am Alten Rathaus – soll möglichst im nächsten Jahr aufgewertet werden. Dazu liegen Entwürfe des Darmstädter Planungsbüros R+T vor. Die Fachleute haben dabei auch Vorschläge von Offenthalern aus früheren Planungswerkstätten aufgegriffen. Die alte Ortsmitte sei ein sensibler Bereich, schickt Stephanie Feuerbach von R+T vorweg. Das Grundkonzept sieht einen niveaugleichen Ausbau vor, soll heißen: zwischen Bordstein und Fahrbahn gibt es keinen Höhenunterschied mehr. Wohl aber einen farblichen. Dass dort optische Akzente gesetzt werden sollen, ist im Prinzip beschlossene Sache. Die Frage ist nur: Pflaster oder Asphalt? Darauf findet sich an diesem Abend keine endgültige Antwort, wobei eine Anregung von Klaus-Uwe Jatho durchaus positiv aufgenommen wird. Er schlägt vor, die Fahrbahn farbig zu asphaltieren und den Gehweg zu pflastern. Bis zur nächsten Planungswerkstatt soll das Büro dazu – auch in Hinblick auf die Kosten – detaillierte Informationen liefern. Demgegenüber sollen die Planer als Alternative eine reine Pflastervariante stellen.

Bis zur Einweihung der Umgehungsstraße quälten sich tagtäglich 25 000 Auto durch den alten Ort – heute sind es etwa 4 900. Nicht allen gefällt Tempo 30. Um sie zum Langsamfahren anzuhalten, sollen „Hindernisse“ geschaffen werden – in Form von Bäumen (acht) und Pkw-Stellplätzen (vier). Zwei Flächen sind für Fahrradparker vorgesehen, könnten aber – falls nicht gewollt – in Parkplätze umgewandelt werden. Einige Anwohner stören sich an den Standorten der Bäume, andere an denen der Stellplätze. Burlon versichert, es sei noch nichts ins Stein gemeißelt. Das Büro werde den Entwurf noch einmal überarbeiten, ehe es im Herbst/Winter unter Einbeziehung der Offenthaler ans „Feintuning“ gehe. Aktuell haben die Anwohner das Problem der Raser auf eigene Art gelöst. Sie parken auf der Straße, nicht im Hof.

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Ob die Kirchgasse in die Umgestaltung eingebunden wird, ist noch nicht raus. Die Frage nach der Zukunft der alten Milchküche stellt sich aber so oder so. Bürgermeister Dieter Zimmer favorisiert einen Abriss, kann sich dort einen Platz vorstellen, der zum Beispiel bei Weihnachtsmarkt oder Gemaafest genutzt werden kann. Es sei denn, es findet sich ein Verein, der sich der Milchküche annimmt. Außer dem OGV zeige keiner mehr Interesse, sagt Zimmer. Die Kosten einer Sanierung („Der Zustand des Gebäudes ist sehr schlecht“) hält der Rathauschef für nicht vertretbar. Eines macht Zimmer unmissverständlich klar: Einen Verkauf an einen Privatmann, der das Areal für gewerbliche Zwecke nutzen will, wird es mit ihm nicht geben.

Eine komplette Übernahme hat OGV-Vorsitzender Matthias Würz wohl auch nicht im Sinn. „Man könnte das Dach reparieren und eine kleine Küche bei Festen einrichten.“ Einen Teil würde der Verein gerne als Lager nutzen. Bei einem Abriss steht für Würz fest: „Das gibt eine Dreckecke, sonst nichts.“ Er zaubert noch eine andere Idee aus dem Hut: ein Ortsbackhaus. Freilich weiß der Vorsitzende auch, dass der Standort durch die enge Bebauung dafür nicht wirklich ideal ist. Lieber wär’s dem OGV außerhalb. Zimmer kündigt an, über die Milchküche noch mal in der nächsten Sitzung der AGO sprechen zu wollen. Viele Hoffnungen macht er dem OGV aber nicht.

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