Anwohner der Herrnröther Straße hadern mit Markierungen

Ein Parkplatz und die Sinnfrage

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Wilhelm Grudzinski hält die neue Parkgelegenheit vor seiner Haustür für eine Fehlplanung. Dort, wo im Vordergrund der zweite Parkplatz eingezeichnet war, ist noch die übertünchte Markierung zu sehen.

Sprendlingen - Parkplatz-Ärger vor Kitas und Schulen bewegt in Dreieich die Gemüter. Auch in der Herrnröther Straße gibt’s aus Sicht von Anwohner Wilhelm Grudzinski Anlass zum Kopfschütteln. Von Cora Werwitzke 

Die Stadt hatte im Frühjahr vor seiner Tür zwei Parkplätze markiert – einer ist schon wieder überstrichen, der andere wird größtenteils von einem einzigen Dauerparker besetzt. Als die Herrnröther Straße noch in beide Richtungen befahren wurde, war Parken im unteren Abschnitt nicht drin. Das hat sich geändert, seitdem sie dort zur Einbahnstraße erklärt worden ist. Stellplätze sind in der Herrnröther Straße aus Sicht der Stadt nun sogar sinnvoll – um darauf aufmerksam zu machen, dass es sich eben um eine Einbahnstraße handelt und um Parkmöglichkeiten zu schaffen.

Wilhelm Grudzinski sieht das ganz anders, die Parkplatz-Idee ist in seinen Augen gründlich fehlgeschlagen. Der inzwischen schon wieder verschwundene Stellplatz kam der Firma Schmidt in die Quere, die über die gegenüberliegende Stichstraße regelmäßig Lkw-Anlieferungen bekommt. „Es stimmt, dass der Parkplatz wegen der Zufahrt zu der Firma wieder entfernt werden musste, dies war vorher allerdings nicht bekannt“, heißt es dazu aus dem Rathaus. Grudzinski schildert, dass Mitarbeiter der Straßenverkehrsbehörde die Markierung nach rund einer Woche wieder beseitigt und das Halteverbotsschild versetzt hatten. Als eigentlichen „Schildbürgerstreich“ bezeichnet der Bauunternehmer im Ruhestand jedoch den noch vorhandenen Parkplatz. Denn: „Wenn dort ein Auto parkt, eventuell ein größerer Wagen, der über die Markierung hinaus im Fahrbahnbereich steht, dann hat mein Nachbar von gegenüber große Schwierigkeiten, rückwärts in seine Einfahrt zu kommen.“ Der Taxiunternehmer parkt nach Grudzinskis Worten deshalb jetzt mit seinem (kleinen) Zweitwagen mit wenigen Ausnahmen dauerhaft auf der Straße. „Mich und die Bewohner in meinem Haus stört das an und für sich nicht“, unterstreicht Grudzinski. „Wir fragen uns jedoch: Für was soll das alles nun gut gewesen sein? Statt den ruhenden Verkehr von der Straße wegzubekommen, hat man das Gegenteil erreicht: Ein Auto, das normalerweise im Hof parkt, steht auf der Straße.“

Rentner und Taxiunternehmer sprachen deshalb gemeinsam bei der Straßenverkehrsbehörde vor. Dort sieht man allerdings keinen Grund zum Einschreiten. „Unsere Intention ist es, im Sinne der Anwohner das Parken in diesem Abschnitt der Herrnröther Straße zu ermöglichen“, sagt Ressortleiterin Karin Eisenhauer auf Anfrage. Die Schilderungen von Wilhelm Grudzinski kennt sie natürlich. „Anscheinend führt der Parkplatz an diesem Punkt dazu, dass jemand dauerhaft parkt. Das ist auf einem öffentlichen Stellplatz grundsätzlich nicht verboten.“ An den Maßen der Markierungen sei mit Blick auf die Ausfahrt des Taxiunternehmers nichts zu beanstanden.

Ein Kompromiss könnte nach Grudzinskis Auffassung eine Kurzparkregelung sein. „Das würde Eltern zugute kommen, die ihre Kinder in den benachbarten Kindergarten bringen, und wenn mein Nachbar abends heim kommt, würde dort keiner mehr stehen.“ Im Rathaus hält man von diesem Vorschlag nicht viel. Eine Kurzzeitregelung für nur einen Parkplatz mache keinen Sinn, heißt es. Generell ist es in den Augen der Verkehrsbehörde sehr ungewöhnlich, dass der Stellplatz abgelehnt wird: „Es war natürlich ein positiv gemeintes Zeichen für die Anwohner, künftig auch einmal auf der Straße vor dem Haus parken zu können“, steht in einem Antwortschreiben, das Grudzinski von der Stadt erhalten hat. Er kann darüber nur den Kopf schütteln: „Dafür haben wir doch Hof und Garagen.“

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