Petition für Bleiberecht

Alptraum Abschiebung

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Mit dem verweigerten Asyl wollen sich unter anderem Gisela Schäfer (links), Pfarrerin Barbara Schindler und Renate Adler (rechts) nicht abfinden. Auf dem Bild nehmen sie Sonila und Gezim Qarri mit ihren Kindern Jolanda, Deivis und Filip in die Mitte.

Dreieichenhain - Ein Familienschicksal bewegt die Gemüter in Dreieichenhain: Sonila und Gezim Qarri haben ihres jüngsten Kindes wegen ihre Heimat in Albanien verlassen. Der vierjährige Deivis leidet an Autismus. Von Cora Werwitzke 

Nachdem ihr Asylantrag abgelehnt wurde, erheben nun eine ganze Reihe von Dreieichern empört ihre Stimmen. Ein wenig nervös sitzen die Eltern mit ihren zwei älteren Kindern Filip (12) und Jolanda (10) in der Runde aus Unterstützern und Pressevertretern. Ihretwegen haben Helfer des Flüchtlingsnetzwerks eine Petition auf den Weg gebracht, um im Landtag auf das Schicksal der Qarris aufmerksam zu machen. Unterzeichner sind unter anderem die Burgkirchengemeinde, das Diakonische Werk, Bürgermeister Dieter Zimmer und die ehemalige Bundestagsabgeordnete Uta Zapf.

Deivis flitzt im Gemeindesaal umher, spielt kurz mit seinen Autos und ist im nächsten Moment schon wieder aus der Tür. Stillsitzen fällt ihm schwer. „In Albanien“, erzählt die ehrenamtliche Helferin Renate Adler, „würde Deivis mit Medikamenten ruhig gestellt.“ Die einzige Fachklinik liege dort drei, vier Stunden entfernt. Aus Angst um die Zukunft des Kleinen bat die Familie Ende 2014 um Asyl aus humanitären Gründen. Seit gut einem Jahr ist sie in Dreieichenhain heimisch geworden – und das ist mehr als eine Phrase: „Sie sind bestens in der Kirche und den Sportvereinen integriert“, betont Pfarrerin Barbara Schindler. Doch seit im März der Brief mit der Ablehnung des Asylantrags kam, ist nichts mehr wie vorher. „Sie leben in ständiger Angst, dass es an der Tür klopft“, sagt Renate Adler.

Auch die Eltern wollen zu Wort kommen. Vater Gezim stellt sich kurz vor. Er sei Bauarbeiter und der Grund, warum er mit seiner Familie hergekommen sei, sei Deivis. Beim Gedanken an seinen Sohn bricht ihm die Stimme, auch seine Frau greift nach Taschentüchern. Den emotionalen Moment überbrücken die Helfer, indem sie Zettel mit jenem Text verteilen, den die Eltern gerne selbst vorgelesen hätten: Dass ihr Sohn nämlich dank der hiesigen Förderung erste Worte spricht und schon kleine Fortschritte macht. Seit drei Wochen hat er in der Kita Winkelsmühle einen Platz, er bekommt eine Inklusionshelferin, zwei Mal wöchentlich Ergotherapie und später soll Logopädie folgen.

Mehr als 6000 Flüchtlinge in Heimat zurückgekehrt

„Keiner, der mit Familie Qarri zu tun hat, kann die drohende Abschiebung nachvollziehen“, sagt Helferin Gisela Schäfer. Sie seien mitnichten Wirtschaftsflüchtlinge. Der Vater habe ein Arbeitsangebot gehabt, die Mutter die Gelegenheit zu einem Minijob. Einzig die behördliche Erlaubnis fehlte. Die beiden älteren Kinder sind sehr gute Schüler und die ganze Familie hat den Weg über das Lerncafé in die Hainer Sportvereine gefunden – „sie sind aktiv und sehr verlässlich“, loben Vertreter von TVD und SVD. Deivis turnt, Jolanda spielt Basketball, Filip Tischtennis, die Mutter macht Gymnastik, der Vater spielt Boule. Ein kleines Plädoyer hält dann auch Christoph Knittel vom SVD, der Jolanda nicht nur vom Basketballplatz kennt, sondern auch, weil sie mit seiner Tochter befreundet ist. „Ich weiß aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, ein behindertes Kind zu haben. Wir haben das Glück, in Deutschland geboren zu sein, das Schicksal der Familie bedrückt uns und den ganzen Verein.“ Zur Deckung von Anwaltskosten überreicht Knittel der Familie 500 Euro einer vereinsinternen Spendenaktion. Weitere 100 Euro stiften Robin Winkel und seine Mitstreiter von Stadtfernsehen, Jugendparlament und Konfi-Team, die bei den „Fahrgass Classics“ zu diesem Zweck Waffeln verkauft hatten.

Etwas Hoffnung macht ein neues Gutachten des sozialpädiatrischen Zentrums der Klinik Frankfurt-Höchst, das die Fortführung von Deivis Förderung dringend empfiehlt. „Wir kämpfen dafür, dass Humanität und christliche Nächstenliebe über Paragrafen siegen“, bekräftigt Gisela Schäfer. Sollte die Petition scheitern, wolle man sich als letztes Mittel auf die Härtefallregelung berufen.

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