Nach Vorfällen in Sprendlingen und Offenbach

Streit im Rockermilieu: Polizei schließt Eskalation nicht aus

Dreieich/Offenbach - Drei Polizeieinsätze in der Region sind in den vergangenen Wochen auf Konflikte im Rockermilieu zurückzuführen. Die Polizei spricht von einem „schwelenden Konflikt“ und schließt eine Eskalation nicht aus.

Ende Oktober eine Schlägerei vor dem „Club 62“ am südlichen Ortseingang von Sprendlingen, vergangene Woche eine Ansammlung von gewaltbereiten Männern mitten im Stadtzentrum von Sprendlingen, am Sonntag ein großer Polizeieinsatz in der Kaiserstraße in Offenbach: Alle drei Vorfälle haben eine Gemeinsamkeit – sie stehen in Zusammenhang mit dem Rockermilieu. „Es gibt einen schwelenden Konflikt zwischen verschiedenen Gruppierungen“, bestätigt der Offenbacher Polizeisprecher Henry Faltin auf Nachfrage. Von einem bevorstehenden „Rocker-Krieg“ im Rhein-Main-Gebiet, wie es heute die „Bild-Zeitung“ unter Berufung auf ein angebliches Geheimpapier der Polizei berichtet, will Faltin aber nicht sprechen. „Wir sind aufmerksam und verlieren die Situation nicht aus den Augen“, so der Polizeisprecher.

In dem vermeintlichen Geheimpapier soll die Rede davon sein, dass es vergangene Woche in Dreieich zu einem Aufeinandertreffen zwischen etwa 100 Personen der verfeindeten Rockergruppen der „Hell's Angels Gießen“, der „Osmanen Germania“ sowie des „Lions Fight Club“ gekommen ist. Des Weiteren sei zeitnah mit einer weiteren Eskalation des Konflikts in unserer Region zu rechnen. „Wir geben uns keinen falschen Hoffnungen hin, dass es beendet ist“, sagt Faltin, will die genannten Rockergruppen aber nicht bestätigen: „Wir nennen keine Namen“, sagt er. Neben polizeitaktischen Beweggründen dürfte auch ein anderes Problem Ursache für dieses Schweigen sein. So fällt es der Polizei wohl ab und an selbst schwer, die Rocker auseinanderzuhalten. Unterschieden sich die Männer früher noch deutlich durch diverse Kutten, wie die Rocker ihre mit den jeweiligen Emblemen versehenen Jacken bezeichnen, fällt dieses Erkennungsmerkmal mittlerweile immer öfter weg. Zudem sind die genannten Gruppierungen relativ jung, der Erfahrungswert ist also gering.

Archivbilder

Schießerei im Rockermilieu

Fakt ist: In der vergangenen Woche versammelten sich in der Offenbacher Straße in Sprendlingen etliche Rocker vor dem Vereinsheim der türkischstämmigen „Osmanen Frankfurt“, die sich offiziell als Boxclub bezeichnen. Nachdem vereinzelte Streifen am Einsatzort angekommen waren, entschied sich die Polizei anfangs wegen ihrer deutlichen zahlenmäßigen Unterlegenheit eine Sachbeschädigung des Gebäudes in Kauf zu nehmen. Erst als weitere Beamte sowie ein Polizeihubschrauber am Einsatzort ankamen, trennten die Beamten die beiden gewaltbereiten Seiten. Verletzte gab es wegen der hohen Polizeipräsenz keine, lediglich Scheiben des Gebäudes wurden zertrümmert. Wenige Tage später kontrollierte die Polizei dann etliche Rocker in einem Café in der Nähe des Offenbacher Hauptbahnhofes - einen Mann nahmen die Beamten mit auf das Revier.

Für die Polizei wird es auch zukünftig darum gehen, die sich anbahnenden Auseinandersetzungen früh zu erkennen und die Parteien rechtzeitig voneinander zu trennen. „Wir dürfen nicht ausschließen, dass es zu einer Eskalation kommt. Deshalb müssen wir weiter aufmerksam bleiben und verstärkt mit vielen Kräften im Einsatz sein“, sagt Faltin.

dani

Rubriklistenbild: © Archiv- und Symbolbild: dpa

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