Ein völlig neues Fahrgefühl

In Vhs-Kurs den Rollator-„Führerschein“ erworben

Dreieich - Sie sind ein Segen für ältere Menschen, die nicht mehr gut zu Fuß sind. Rollatoren erhalten ihnen die Mobilität oder stellen sie wieder her. Damit tragen die Wägelchen ein Stück weit zur Unabhängigkeit bei. Wie man die Ende der 80er Jahre in Schweden entwickelte Gehhilfe am besten handhabt, vermittelte ein Kurs der Volkshochschule. Von Sina Gebhardt 

Andrea Jünger (links) ist als Sportlehrerin in Altersheimen unterwegs und kann den Bewohnern künftig zeigen, wie der Rollator zu handhaben ist. Rechts Moderatorin Ursula Stock.  

Braucht man einen Führerschein für einen Rollator? Natürlich nicht. Man geht in ein Geschäft, kauft sich die Gehhilfe und geht damit auf die Straße. Dass es keine Einweisung zur Handhabung gibt, heißt aber noch lange nicht, dass das nicht nötig wäre. Die Vhs Dreieich hat deshalb erstmals einen Kurs angeboten, bei dem die Teilnehmer am Samstag den richtigen Umgang mit dem Rollator lernen konnten. Die Teilnahme war kostenlos, weil der Deutsche Verkehrssicherheitsrat das Seminar im Rahmen des Programms „Sicher mobil“ förderte. 18 Teilnehmer – nicht nur ältere Semester – kamen ins Haus des lebenslangen Lernens und erwarben den symbolischen Führerschein. „Immer mehr Menschen werden alt, aber eigentlich weiß keiner, wie man richtig mit einem Rollator umgeht“, erläutert Susanne Hormel von der Vhs die Notwendigkeit eines solchen Angebots. Gerade mit zunehmendem Alter lässt das Reaktionsvermögen nach und umso wichtiger ist es, sich sicher im Straßenverkehr zu bewegen. Denn ob die Stufen vor der Arztpraxis, die Schwelle beim Fahrstuhl oder schlichtweg der Bordstein – für Menschen mit Gehbehinderung können sich diese Dinge schnell zur gefährlichen Hürde entwickeln.

Wie diese Hindernisse zu nehmen sind, erarbeiten die Moderatoren Ursula Stock und Christian Andersch mit der Gruppe gemeinsam: „Wir halten keine Vorträge, sondern sind Moderatoren. Die Teilnehmer sollen sich aktiv beteiligen und auch ihre eigenen Erfahrungswerte mit einbringen“, sagt Stock.

Im Theorieteil des Kurses geben die Ehrenamtlichen nützliche Tipps zur Alltagsbewältigung. Und die fangen schon bei der Wahl des richtigen Modells an: „Es gibt so viel, worauf man achten muss – Größe, Gewicht, Räder. Und die wenigsten wissen, dass man einmal im Jahr mit dem Rollator zur Inspektion sollte“, sagt Heike Urban von der städtischen Senioren-Betreuung. Von der Veranstaltung ist sie begeistert und will sie auch den Seniorenclubs empfehlen.

Zu lernen gibt es hier einiges, auch über die Modellvielfalt hinaus: „Wir haben hier einen riesigen Nachholbedarf“, urteilt Andersch. „Ganz typisch ist zum Beispiel die falsche Höheneinstellung der Griffe. Man sieht viele, die nach vorne gebeugt die Gehhilfe vor sich her schieben. Das ist eine Unsicherheitshaltung, die auch zu Verspannungen und Haltungsschäden führt.“ Richtig eingestellt sind die Griffe übrigens, wenn sie sich im geraden Stand bei locker hängenden Armen auf Höhe der Handgelenke befinden.

Aber natürlich wird auch praktisch geübt, so manövrieren die Teilnehmer durch einen kleinen Parcours und meistern die Bordsteinkante nicht zuletzt dank der Kipphilfe am Rollator, auf die die Moderatoren ebenfalls aufmerksam gemacht haben. Auch Andrea Jünger trainiert fleißig mit, und das, obwohl sie keine Gehhilfe braucht. „Ich bin als Sportlehrerin in Altersheimen unterwegs und will das Gelernte als Multiplikatorin weitertragen.“

Damit ist sie nicht alleine, denn mit Katarzyna Kita, der Leiterin des Sozialen Dienstes im Johanniter-Haus Dietrichsroth, kamen vier Bewohner des Pflegeheims zum Kurs, die ihre Erfahrung weitergeben möchten. „Es war sehr gut und interessant und ich habe einiges gelernt“, resümiert die 95-jährige Dorothea Adam. „Es ist jetzt ein ganz anderes Fahrgefühl mit mehr Sicherheit.“

Ihre Botschaft im Namen der Sicherheit konnten Stock und Andersch damit offenkundig vermitteln. Die Volkshochschule möchte solche Veranstaltungen zweimal jährlich anbieten und plane bereits für September einen weiteren Kurs, informiert Susanne Hormel.

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