„Romie goes Orchestra“

Abend der ganz großen Gefühle

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Mal laut, mal leise, mal melancholisch, mal fröhlich: Ein außergewöhnliches Konzerterlebnis bereiteten Paula Stenger (links) und Jule Heidmann gemeinsam mit einem großen Orchester den Besuchern im Bürgerhaus.

Dreieich - Endlich ist es so weit: Das erste Konzert auf einer „fremden“ Bühne und gleich ein Heimspiel. Zumindest für den einen Teil des Singer- und Songwriter-Duos Romie. Von Sina Gebhardt

Nach der erfolgreichen Premiere im Juni vergangenen Jahres an der Hochschule für Musik in Frankfurt versammelten die Studentinnen Paula Stegner und die Dreieicherin Jule Heidmann am Freitag erneut ihre Kommilitonen zum inzwischen dritten Konzert von „Romie goes Orchestra“. Im gut besuchten Bürgerhaus zeigte sich das musikinteressierte Publikum schon nach den ersten Klängen begeistert. Rund 60 Musikstudenten entern die Bühne und greifen zu Violine, Klarinette, Trompete, Harfe und Gitarre, um gleich ein musikalisches Feuerwerk zu entfachen. Schon bei der Ouvertüre („In my Perception“) wird klar, dass die Songs von Romie selbst als Instrumental-Version bezaubern und hier Musiker zusammenkommen, die – obwohl eigentlich noch in der Ausbildung – ihr Handwerk verstehen und beherrschen. „Es erklingt heute kein Ton, der nicht von den Menschen, die hier auf der Bühne stehen, geschrieben wurde“, weist der musikalische Leiter und Professor für Ensemblearbeit Fabian Sennholz auf die Leistung der Studenten hin, die die Lieder der Band zu Orchesterstücken arrangiert haben.

Aber erst mit den Stimmen von Romie ist die Symbiose komplett und entfaltet sich die ganze Wirkung dieses Konzerts: Wenn es bei „Wolves“, arrangiert und dirigiert von Johanna Born, etwas gruseliger zugeht, dann hat die Gänsehaut, die sich beim Zuschauer über den ganzen Körper zieht, damit herzlich wenig zu tun. Vielmehr rührt sie von dem zum Geheul erhobenen, kraftvollen Gesang der beiden, der durch das Einstimmen des Chors noch verstärkt wird.

Emotionsgeladen geht es direkt weiter mit einer sanften Melodie, die an eine Spieluhr erinnert – zunächst. „Favorite Attic“ handelt von geheimen Wünschen, Träumen und Sehnsüchten und ist von Heidmann selbst inszeniert worden. Nach dem verträumten Anfang nimmt das Stück eine musikalische Wendung und das Orchester überrollt den Zuhörer mit einer Klanggewalt, die einen bittersüßen Nachgeschmack hinterlässt. Überwältigt ist der Konzertbesucher für die kurze Verschnaufpause dankbar, die das Duo mit seiner Solo-Performance „All Is Gold And Green“ bietet, bei der es Romie in seiner Ursprungsform – zwei warm-weiche Stimmen und eine Gitarre – präsentiert.

Bilder: Silbermond in der Frankfurter Festhalle

Mal laut, mal leise, mal melancholisch, mal fröhlich sind die Kompositionen, dabei aber immer harmonisch und melodisch. Im Laufe des Abends geben sich die verschiedenen Dirigenten, meist dem Arrangeur des jeweiligen Stücks entsprechend, auf der Bühne den Stab in die Hand. Das bemerkenswerte studentische Arrangierprojekt ist gelungen und beschert dem Besucher ein außergewöhnliches Konzert, an das er sich noch lange erinnern wird. Nur noch einmal wird es „Romie goes Orchestra“ zu sehen und zu hören geben. Der letzte Auftritt wird im Frankfurter Palmengarten stattfinden – und sogar als festliches Open Air. Am Freitag, 10. Juni, um 19.30 Uhr gibt es das Exklusivkonzert im Freien, planmäßig bei jedem Wetter.

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