Bilder von Jürgen Peters im „Elternhaus“

Der Ruhm verblasste schnell

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Die Filmemacherin Katarina Peters hält ein Bild ihres Vaters Jürgen in Händen. Seine Op-Art aus den 70er und 80er Jahren hält in diesen Tagen Einzug in das Elternhaus von Anjali Göbel. Auf dem Bild unten ist rechts auch ein frühes Aquarell zu sehen.

Sprendlingen - Vom Aufstieg und Niedergang eines Künstlers erzählt die neue Ausstellung im Elternhaus von Anjali Göbel. Von Holger Klemm 

Mit den Op-Art-Arbeiten von Jürgen Peters kehrt erstmals Original-Kunst aus der Zeit in das Einfamilienhaus zurück, in dem in verschiedenen Projekten die Beschäftigung mit der Lebenswelt der 60er und 70er Jahre im Mittelpunkt steht. „Ich habe ihn sehr geliebt, er war ein witziger und ruhiger Mensch, der gut zuhören konnte“, erinnert sich Katarina Peters an ihren Vater Jürgen, der ein bewegtes Künstlerleben geführt hat. Auf dem Wohnzimmertisch zeigt sie auf ein Bild, das ihn mit Pfeife und dem typischen Schnäuzer seiner Zeit als Seemann zeigt – passend zu seinem Segelhobby. Seit dem vergangenen Jahr beschäftigt sich die Filmemacherin intensiv mit seinem Nachlass, nicht ohne das zum Ausgangspunkt für ein künstlerisches Projekt zu machen. Am Ende soll das Werk nicht nur aufgearbeitet sein, sondern auch ein Dokumentarfilm stehen. „Ich will meinen Vater im digitalen Zeitalter neu erschaffen. Denn da existiert er bislang nicht.“

Dabei war Peters (1936 bis 1997) in den 70er und 80er Jahren in Kunstkreisen in den USA eine große Nummer und feierte dort mit seiner Op-Art und den limitierten Druckeditionen Erfolge. Die abstrakten Muster und geometrischen Farbfiguren, die beim Betrachter irritierende optische Effekte erzeugen, passten ideal zum Lebensgefühl vor allem in Kalifornien, wo der gebürtige Hamburger seit 1975 mit seiner Frau lebte. „Er hat für kurze Zeit seine Nische gefunden“, erzählt seine Tochter. Doch dann kamen andere Kunstrichtungen in Mode und Peters wurde vom Kunstmarkt fallen gelassen. „Er kam darüber nicht hinweg.“ Die Folge war Alkoholismus. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland 1991 gelangen ihm in in Berlin noch einmal schwungvolle Aquarelle, die die bisherigen geometrischen Formen hinter sich ließen. Doch im Alter von 60 Jahren starb er und hinterließ seiner Tochter einen riesigen Nachlass, zu dem nicht nur Druckeditionen und Poster, sondern auch akribisch geführte Tagebücher gehören.

„Was fängt man mit so etwas an, wie geht man damit um und wo liegt der Wert?“ Das sind Fragen, die die Filmemacherin umtreiben. Das sind ähnliche Fragen, die auch die Dreieicher Künstlerin Anjali Göbel beschäftigen. In dem geerbten Haus ihrer verstorbenen Mutter im Kurt-Schumacher-Ring 96 war die Zeit der 60er und 70er Jahre in Möbeln und zahlreichen Gegenständen erhalten geblieben. Daraus entwickelte Göbel seit 2014 eine sich ständig wandelnde begehbare Installation. Die gemeinsame Beschäftigung mit den jeweiligen Nachlässen war der Ausgangspunkt, etwas gemeinsam zu machen, nachdem sich die beiden Frauen zufällig bei einem Filmabend in Frankfurt getroffen haben. Die Arbeiten von Peters werden nun zum ersten Mal nach langer Zeit wieder zugänglich gemacht. „Er kehrt quasi in seine Zeit zurück, aus der er kam“, meint Anjali Göbel. „Doch dieses Haus wäre ihm zu eng gewesen, er wollte ja unbedingt weg aus Deutschland“, glaubt Katarina Peters. Die Schau hätte ihm aber gefallen, ist sie sich sicher.

Während der Ausstellung werden auch Ausschnitte aus dem bislang vorhandenen Filmmaterial zu sehen sein. Katarina Peters folgt den Spuren ihres Vaters, befragt Zeitzeugen auch in den USA, erforscht Alltag, Kunst, Kultur und Politik der 70er und 80er Jahre und thematisiert so den Umgang mit einem Künstlernachlass. Die Regisseurin hat das Projekt bei der Filmförderung eingereicht und hofft, dass die Finanzierung bis Jahresende steht und der Film „Hard Edge is out“ (Die harte Kante ist out) bis Ende 2017 fertiggestellt ist. Dieser soll der zweite Teil einer Trilogie über tiefe persönliche Geschichten sein. Der erste „Am Seidenen Faden“ beschäftigte sich auf bewegende Weise mit dem Schlaganfall ihres Mannes Boris Baberkoff und einer jungen Liebe im Ausnahmezustand.

Die Ausstellung „Jürgen Peters - Super Signs“ wird am morgigen Samstag um 15 Uhr im Elternhaus im Kurt-Schumacher-Ring 96 eröffnet und ist bis zum 19. Juni samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr zu sehen. Einen Performance-Talk mit Katarina Peters gibt es am Sonntag, 5. Juni, um 15 Uhr. Der Film „Am Seidenen Faden“ ist am Samstag, 18. Juni, um 18 Uhr zu sehen. Danach gibt es ein Gespräch mit der Filmemacherin. Zum Abschluss heißt es am Sonntag, 19. Juni, von 14 bis 18 Uhr „Super Signs go digital“ – Studenten der Folkwang-Universität haben Werke von Peters zum Anlass für verblüffende Arbeiten genommen, die Visuelles mit Klängen verbinden.

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