Schaffung von sozialem Wohnraum

Der Tochter die Mammutaufgabe übertragen

Dreieich - Dreieich sei eine der wenigen Städte dieser Größenordnung, die über keine eigene Wohnungsbaugesellschaft verfüge, heißt es aus dem Rathaus. Das soll sich nach dem Willen des Magistrats ändern. Von Cora Werwitzke 

Angesichts des wachsenden Bedarfs an öffentlich gefördertem Wohnraum will die Stadt in Eigentum investieren und die künftigen Immobilien auch selbst betreiben. Die Sprache ist von 144 Sozialwohnungen, die in Dreieich akut gebraucht werden und bis zu 416, die perspektivisch bis 2030 fehlen. Mit zwei Wohnbauprojekten in der Hainer Chaussee (85 Sozialwohnungen auf dem ehemaligen Opel-Gelände, 40 weitere an der Stelle des alten BIK-Hauses) trägt die Stadt dieser Entwicklung bereits Rechnung. Parallel treibt der Magistrat die Gründung einer eigenen Wohnungsbaugesellschaft voran, wie es sie etwa in Neu-Isenburg längst gibt.

Hintergrund ist, dass es in Dreieich nur noch 400 Wohnungen mit Sozialbindung gibt. Der Bestand hat sich in den vergangenen Jahren halbiert. Der Ruf nach sozialem Wohnungsbau kommt deshalb aus allen politischen Lagern. Der Wohnraumbedarf für Flüchtlinge hat als Katalysator sein Übriges getan. „Die Vorhaben kommen aber allen zugute, die auf öffentlich geförderten Wohnraum angewiesen sind“, betont Bürgermeister Dieter Zimmer (SPD). Aus der Wohnraumvermittlung im Rathaus weiß er, dass aktuell 400 Menschen auf eine Wohnung warten, ein Drittel davon unter Zeitdruck.

Gestern Abend wurden den Stadtverordneten die Eckdaten zur Gründung der eigenen Wohnungsbaugesellschaft in einer außerordentlichen Sitzung aller drei parlamentarischen Ausschüsse vorgestellt. Die Stadtverordneten haben am Dienstag, 20. September, im Stadtparlament (Rathaus, 19.30 Uhr) das letzte Wort. Die Zustimmung vorausgesetzt, soll für den Jahreswechsel ein Gründungsbeschluss vorbereitet werden. „Das ist sportlich“, kommentiert Zimmer den Zeitplan. Ziel sei es aber, dass schon die zwei Bauprojekte an der Hainer Chaussee von der geplanten Gesellschaft begleitet werden.

Die Herausforderung auf dem lokalen Wohnungmarkt ist nach den Worten von Zimmer „ein Pfund, das einer arbeisintensiven Organisation bedarf“. Denn neben sozialem Wohnraum fehlen auch frei finanzierte Wohnungen – nach verschiedenen Studien in Dreieich bis 2030 mindestsens 2100 Stück. Die Mammutaufgabe, die damit verbunden ist, könne unmöglich in den bestehenden Verwaltungsstrukturen bewerkstelligt werden, so Zimmer. Das zeigt sich zum Beispiel beim Citymanagement, dessen Mitarbeiter die Flüchtlingsunterbringung provisorisch übernommen haben. Die eigentlichen Aufgaben bleiben liegen.

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Die Gründung einer Gesellschaft in Form einer Anstalt öffentlichen Rechts hat laut Zimmer den Charme, dass sie eine 100-prozentige Tochter der Stadt ist, aber sich aus rechtlichen Gründen im Gegensatz zur Stadtverwaltung unternehmerischer ausrichten kann (Zimmer: „Wobei bei jedem neuen Projekt die Stadtverordneten entscheiden“). All diese Erkenntnisse rühren aus einer Studie der Unternehmensberatung Dr. Vogel, die der Magistrat beauftragt hatte, nachdem die Stadtverordneten die Idee einer Tochtergesellschaft geprüft haben wollten.

Kurzfristig ist es nach den Worten von Hauke Fischbeck, Partner in dieser Unternehmensberatung, sinnvoll, dass sich die neue Gesellschaft auf die zwei anstehenden Wohnbauprojekte an der Hainer Chaussee konzentriert. „Mittelfristig kann dort aber die gesamte Immobilienkompetenz der Stadt gebündelt werden.“ Dazu gehöre neben dem Neubau, Erwerb und der Anmietung öffentlich geförderten Wohnraums auf der einen und der Vermietung und Bewirtschaftung eben dieses Bestands auf der anderen Seite auch die Bereitstellung und Entwicklung von Bauland. Mit Letzterem waren bei den Gebieten Heckenborn und Nördlich der Albert-Schweitzer-Straße noch externe Firmen beauftragt worden.

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