Anschauungsunterricht am Wegesrand

Botanische Schätze entdecken

Hobby-Botaniker Robert Flogaus-Faust erklärt den Teilnehmern des Spaziergangs durch die Baierhansenwiesen, welche Pflanzen entlang des Weges zu entdecken sind – und welche medizinische Wirkung sie haben.  (c)Foto: Gebhardt

Dreieich - Froschlöffel, Hahnenfuß und Storchschnabel – ihre Namen klingen kurios und wie die Körperteile von Tieren. Doch handelt es sich dabei tatsächlich um hiesige Pflanzen, die sich am besten bei einer Sommerblüten-Wanderung am Wegesrand in den Baierhansenwiesen entdecken lassen. Von Sina Gebhardt 

Es ist eine kleine botanische Schatzsuche im wertvollen Ökosystem des Naherholungsgebiets, zu der der Ortsverband des Bund für Umwelt und Naturschutz, kurz BUND, am Samstagnachmittag eingeladen hat. Rund 15 Teilnehmer scharren sich am Parkplatz Am Seegewann um Robert Flogaus-Faust, wo die Sommerblüten-Wanderung mit dem Titel „Rund um die Baierhansenwiesen – Pflanzen beim Spaziergang erleben“ beginnt.

Noch hängen dunkle Wolken bedrohlich am Himmel und scheinen die ausgegebene Unwetter-Warnung zu bestätigen. Mit zusätzlichen Schirmen gewappnet ist das kein Hinderungsgrund für Flogaus-Faust, der sich und seine Gruppe sogleich in Bewegung setzt: 3,5 Kilometer lang ist der Rundgang über Kirchweg, Hengstbachanlage und Buchwaldstraße/Ecke Liebknechtstraße.

Schon nach den ersten Metern Richtung Waldkindergarten, noch vor dem Erreichen des ersten von insgesamt sechs Schaupunkten, hält der gelernte Chemiker inne und entdeckt einen einzelnen Gewöhnlichen Beifuß, dessen Blütezeit nun beginnt. Der erste Schaupunkt wartet in üppiger Dichte mit der Ruderalpflanze auf, zwischen der Acker-Kratzdistel und Gewöhnliche Vogelwicke hervorlugen.

Ihre Schirme können die Blütenwanderer nun getrost wegpacken, inzwischen ist die Sonne herausgekommen und lässt die zierlichen Blüten des Stinkenden Storchschnabels in zartem Rosa aufleuchten. An der nächsten Etappe macht Flogaus-Faust, der 2014 seine erste Führung durch die Baierhansenwiesen geleitet hat, auf die blühende Aufrechte Berle aufmerksam. Die Gruppe hält auch an einem kleinen Gewässer inne, das Nährboden für Sumpf-Schwertlilie, Wasser-Minze und Froschlöffel ist.

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Während Flogaus-Faust hier auf Exoten, dort auf einheimische Flora hinweist, fachsimpeln die versierten Teilnehmer untereinander über die Pflanzen. Man kennt sich aus, weiß um die Verwendung und Wirkweise von Blättern und Blüten, sei es der entspannende Arznei-Baldrian oder der kräftigende Nelkenwurz. Wenn die Wanderer ratlos sind, hilft der Hobby-Botaniker mit Fakten aus, wie bei der Kanadischen Goldrute, die „nach Columbus‘ Zeit hergekommen ist und sich als Neubürger heftig ausgebreitet hat.“

Gute zwei Stunden streift Flogaus-Faust mit den Teilnehmern durch das Naherholungsgebiet, doch haben sie längst nicht alles entdeckt, was die Baierhansenwiesen zu bieten haben. „Was wir hier an den Wegen sehen, ist nur ein Auszug. Die Vielfalt ist noch viel größer“, weiß Heidi Soboll vom BUND. Grund genug, eine Neuauflage der begleitenden Broschüre „Rund um die Baierhansenwiesen“ in Betracht zu ziehen, die die neue Wegführung berücksichtigt.

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