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Fünf Fußballvereinen platzt der Kragen

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Von: Frank Mahn

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© Symbolbild: dpa

Dreieich - Sie haben den Ball lange flach gehalten und eher auf eine defensive Taktik gesetzt. Doch jetzt gehen fünf Fußballvereine in die Offensive. Von Frank Mahn

Leidensdruck und Verunsicherung sind so groß, dass die Funktionäre ihre Unzufriedenheit nicht länger nur im stillen Kämmerlein artikulieren wollen. Das Quintett hat eine „IG Sportplatz“ gegründet und einen Offenen Brief verfasst. Darin fordern die Unterzeichner die Abschaffung der von der Stadt erhobenen Sportplatzgebühren in der jetzigen Form, weil sie für die Vereine nicht zu schultern seien; das auch vor dem Hintergrund, dass für die kommenden Jahre die einst in Aussicht gestellte Förderung durch die Dreieich Sportstätten Betriebs- und Marketing GmbH (DSBM) nicht zu erwarten sei.

Jugendförderverein Dreieichenhain-Götzenhain (JFV), SV und TV Dreieichenhain, SC Buchschlag und SG Götzenhain haben sich in der Interessen-Gemeinschaft zusammengetan, um für gute und faire Bedingungen im Vereinssport und vor allem im Jugendfußball zu kämpfen, wie Heiko Lenhard, Jörg Grabski, Alfred Salewski, Jochem Liebermann und Peter Helmich schreiben. „Es ist unser Ziel, mit einer Sprache zu sprechen und gemeinsam Stärke zu zeigen. Wir waren bereits zu lange inaktiv, haben unsere Interessen im Fußball nicht ausreichend vertreten und auf Zusagen vertraut, die nicht eingelöst werden.“

„Von den Zuschüssen wollten die Vereine die Gebühren bezahlen“

Das zielt in Richtung Magistrat, mehr aber wohl noch in Richtung DSBM, die sich als Dachmarke der örtlichen Sportvereine versteht. Die von Unternehmer Hans Nolte ins Leben gerufene privatwirtschaftlich organisierte Initiative hatte den Vereinen eine jährliche Ausschüttung von 180.000 Euro aus einem Sponsoren-Pool in Aussicht gestellt, wenn diese bestimmte Bedingungen erfüllen. Als da wären: Doppelmitgliedschaften beim vor zwei Jahren unter Noltes Federführung gegründeten SC Hessen Dreieich, ehrenamtliche Mitarbeit beim Verbandsligisten, Verzicht auf bezahlten Fußball, Überlassung von talentierten Nachwuchsspielern ab der C-Jugend. Diese Voraussetzungen habe man erfüllt und sei deshalb davon ausgegangen, von dem Sponsoring-Topf zu profitieren. „Von den Zuschüssen wollten die Vereine die Gebühren bezahlen“, heißt es in dem Offenen Brief. Stattdessen habe Nolte Mitte März bei einem Gespräch mitgeteilt, „dass im Jahr 2015 keine finanzielle Förderung zur Bezahlung der Sportplatzgebühren durch die DSBM bzw. den Förderverein Dreieicher Sportvereine erfolgen wird“. Und weiter: „Die vermeintliche Assoziation der Sportvereine mit dem SCHD und der DSBM beruht bisher auf mündlichen Aussagen und ist nicht verlässlich dokumentiert.“ Vereinbarungen müssen deshalb nach Meinung der IG schriftlich fixiert werden.

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Vor diesem Hintergrund sehen sich die fünf Vereine nicht in der Lage, die Nutzungsgebühren zu stemmen, Die belaufen sich für alle Plätze in Dreieich mit Ausnahme des neuen Sportparks an der Lettkaut auf 140.000 Euro, die für 2014 – dem Jahr eins der Gebührenerhebung – nach Angaben von SCHD-Präsident Reinhold Gerhardt von der DSBM beglichen wurden. Durch die Übernahme der Gebäudereinigung durch die Vereine und Einsparungen beim Energieverbrauch geht es 2015 „nur“ noch um 93.000 Euro. Wobei die Kosten für die Reinigung sich nicht in Luft auflösen, sondern von den Klubs zu zahlen sind.

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„Die Zeit drängt, denn die Rahmenbedingungen in Dreieich haben sich drastisch verschlechtert“, mahnt die IG an. Die Nutzungsgebühr stelle den Jugendfußball im JFV vor ernste Probleme. „Der 2014 gegründete Jugendförderverein mit seinen insgesamt 272 Kindern und Jugendlichen, die mit 16 Mannschaften am Sportgeschehen teilnehmen, kann die auf ihn zukommenden jährlichen Kosten in Höhe von zirka 14.000 Euro zuzüglich mehrerer tausend Euro Reinigungskosten für die Umkleiden/Duschen nicht tragen“, warnt das Quintett. Im schlimmsten Fall müsse der JFV den Trainings- und Spielbetrieb einstellen. Den Stammvereinen TVD, SVD und der Spielgemeinschaft Götzenhain-Buchschlag entstünden weitere Kosten für Aktiven-Fußball und Leichtathletik in Höhe von 35.000 Euro, die nicht aufzubringen seien.

Die Initiatoren des Offenen Briefs verweisen darauf, dass viele Nachbarstädte den Vereinen die Sportstätten kostenlos überlassen. Und wenn Gebühren erhoben würden, dann auf deutlich niedrigerem Niveau. Die Kostenbelastung der Dreieicher Fußballvereine sei einzigartig im Umkreis. Die IG will Gespräche mit allen Beteiligten führen, um eine „tragbare“ Lösung zu finden.

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