Bücherei-Team zieht Bilanz für 2015

Sprung auf gut 200 000 Ausleihen

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Grundschulen können ab Sommer In den Genuss von themenorientierten „Medienkisten“ kommen. Für 2015 dankt das Büchereiteam – von links Julia Deißler, Linda Hein und (Mitte) Mathias Hein – vor allem vielen Sponsoren, unter anderem Dr. Wolfgang Mühlschwein (rechts, Verein Dreieicher Weihnachtskalender). Mit auf dem Bild: Erster Stadtrat Martin Burlon und Fachbereichsleiter Thomas Müller.

Dreieich - ehrmals hat die Stadtbücherei die Marke von 200.000 Ausleihen im Jahr fast erreicht, für 2015 weist die Statistik nun endlich den Sprung über die magische Zahl aus. Von Cora Werwitzke 

„Das macht uns natürlich sehr stolz“, sagt Julia Deißler, die die Jahresbilanz der Bücherei gestern anstelle der erkrankten Leiterin Doris Bohländer-Schäfer zog. „Dass Bücher out sein sollen, davon bekommen wir hier nichts mit“, schickt Deißler den folgenden Zahlen gut gelaunt voraus. Fast 60 000 Mal gingen allein Kinder- und Jugendbücher über den Ausleihtisch. Beliebteste Reihe waren dabei einmal mehr „Greg’s Tagebücher“, „aber auch Klassiker wie die drei Fragezeichen sind noch immer sehr beliebt“, ergänzt die stellvertretende Leiterin.

Von sich reden machte die Bücherei 2015 vor allem durch drei Preise, die der Lohn für das sind, was Linda Hein als Leiterin der Büchereifiliale Weibelfeldschule seit Jahren auf die Beine stellt: Sowohl die Jugendliteraturjury JuLiD (2. Platz) als auch die im sozialen Bereich engagierten Literanauten (1. Platz) zeichnete der Kreis Offenbach mit dem Preis „Ist doch Ehrensache“ aus. Das Gesamtkonzept der auf Jugendmedien spezialisierten Filiale selbst wurde bereits zum zweiten Mal mit dem Hessischen Leseförderpreis bedacht. „Das Schöne an diesen Preisen ist, dass sie mit Geld verbunden sind, das wir direkt wieder investieren können“, berichtet Linda Hein. Natürlich reden die Jugendlichen dabei mit. Nach den Worten von Hein haben sie sich dazu entschieden, mit den Geldern im laufenden Jahr Autoren nach Dreieich zu holen – etwa Christian Humberg („Geek, Pray, Love“) und Ann-Kathrin Karschnick (Phönix-Trilogie).

Doch zurück zur Statistik: 60 107 (2014: 63 756) Medien besitzt die Stadtbücherei mit allen Zweigstellen, dazu zählen neben Büchern auch Spiele, Hörbücher, DVDs, CDs, CD-ROMs, Zeitschriften, Zeitungen, Konsolenspiele, Lernsoftware und digitale Medien. Der leichte Rückgang erklärt sich durch eine Lichtung des Sachbuch-Bestand, der um knapp 4000 Bücher auf 12 242 Exemplare geschrumpft ist. „Wir hatten durch die systematische Umstellung auf Klartextbegriffe am Buchrücken jedes Sachbuch in der Hand und haben veraltete Bücher aussortiert“, erläutert Deißler. Der Nachkauf erfolge nun peu-à-peu, „so dass der Bestand im Laufe der Zeit wieder die alte Stärke erreicht“. Abermals gestiegen ist die Anzahl von E-Medien, die in Dreieich 2015 über den Onleihe-Verbund Hessen bezogen wurden.

Gut jeder zehnte Dreieicher stöberte 2015 in der Stadtbücherei: 4 373 Lese- und Spiel-Fans liehen 2015 im Schnitt 46,22 Medien (2014: 44,12) aus. Für die Aktualisierung des Bestands bekam die Bücherei 2015 wieder 40 000 Euro aus Stadt- und Landesmitteln. Großzügig zeigten sich daneben etliche Private, die der Bücherei Medien schenkten – 1 753 davon wurden in den Bestand übernommen, der Rest an interessierte Kunden verschenkt oder bei den beliebten Bücherflohmärkten verkauft.

Bemerkenswert war 2015, wie sich die Stadtteilbücherei Selbstlernzentrum im HLL zu einem stetig mehr von Migranten und Flüchtlingen genutzten Lernort entwickelt hat. „Das Selbstlernzentrum spielt eine Schlüsselrolle für den Spracherwerb“, ist sich Leiter Mathias Hein sicher. In seiner Filiale gehe es weniger um die Ausleihe als um die Lernpraxis an den 42 Arbeitsplätzen. Zu 84 Prozent wird die vormittags interne und nachmittags öffentliche Einrichtung von Max-Eyth-Schülern genutzt.

Die deutschen Literatur-Nobelpreisträger

Neben dem Tagesgeschäft stemmt das Büchereiteam mehrere Projekte wie die besagte Neubeschriftung der Etiketten auf den Buchrücken, die zu 80 Prozent fortgeschritten ist. Mithilfe von Sponsoren hat das Team inzwischen auch elf „Medienkisten“ für Grundschulen angeschafft, die Themen wie Wasser, Sterne & Planeten oder Haustiere abdecken. Ab Sommer sind sie einsatzbereit, weitere Kisten sollen folgen – „dafür sind wir unseren Sponsoren wirklich sehr dankbar“, betont Deißler. Schließlich arbeitet die Bücherei – teils unterstützt durch Mittel des Dreieicher Weihnachtskalenders – an der Überarbeitung des Bibliothekskatalogs. „Die Optik stammt noch aus den 90er Jahren“, merkt Deißler an. Ab Sommer sollen der Katalog und der Internetauftritt insgesamt auf dem neuesten Stand sein. Auch mit W-LAN will die Sprendlinger Zentrale ab diesem Jahr punkten.

Waren 2015 in einer Lesereihe unter Mitwirkung der Bürgerhäuser, des Frauenbüros und der Bücherstube Sprendlingen Autorengrößen wie Rosa Ribas, Sabine Hofmann und Roger Willemsen zu Gast, so haben sich für dieses Jahr mitunter schon Hochkaräter wie Wladimir Kaminer und Arno Strobel angesagt. Insgesamt verzeichnete die Bücherei 11 536 (2014: 10 277) Gäste bei Veranstaltungen – und das, obwohl sie deren Anzahl von 496 auf 383 reduziert hat. „Damit fahren wir gut“, bemerkt Deißler. Groß aufgezogen worden war unter dem Titel „Checkpoint Q - Botschafter für Freiheit und Demokratie“ unter anderem ein Potpourri aus Ausstellungen, Vorträgen, Filmvorführungen und Zeitzeugengesprächen.

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