Kühle Temperaturen halten nicht vom Stadtfest-Besuch ab

Dreieicher sind ein zähes Völkchen

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Bitte Platz nehmen auf dem „Honeymobil“. Auch der Bienenzuchtverein rührte die Werbetrommel und verkaufte jede Menge Süßes.

Dreieich - Es begann alles andere als verheißungsvoll. Beim Aufbau der Stände für das Stadtfest am gestrigen Tag der Deutschen Einheit mussten die Mitwirkenden eine ordentliche Dusche über sich ergehen lassen. Doch mit Beginn der Open-Air-Sause besserte sich das Wetter. Von Frank Mahn 

Zwar blieb’s kühl, aber auf der Flaniermeile ging es zu wie in einem Taubenschlag. Als Bürgermeister Dieter Zimmer die 26. Auflage eröffnet, richten sich die Blicke noch ängstlich nach oben. Aber die Dreieicher lassen sich nicht beeindrucken, sie kommen langsam, aber stetig. Und gegen zwei ist es brechend voll auf der Frankfurter Straße. Auf der Bühne an der Ostendstraße führen Kinder der Sprendlinger Turngemeinde zu fetziger Musik vor, wie Capoeira geht. Die brasilianische Kampfkunst findet in Deutschland zunehmend mehr Anhänger.

Musik, Tanz, Akrobatik – wie in den Vorjahren ist auf drei Bühnen Action angesagt. Action ist auch das Stichwort für die Stadtradler. Sie haben in diesem Jahr Herausragendes geleistet. Wie immer sind die Bekanntgabe der Ergebnisse und die Verleihung der Preise an die fleißigsten Radler ins Festprogramm eingebettet. Sensationelle 139 000 Kilometer haben die 865 Radler im dreiwöchigen Aktionszeitraum zurückgelegt. Die Erfolgsformel: Zahl der Teilnehmer verdoppelt, Zahl der Kilometer verdoppelt – und damit fast 20 Tonnen CO2 vermieden. „Das ist ein Superergebnis“, sagt ADFC-Vorsitzender Bernd Kiefer. Die Dreieicher sind kreisweit Spitzenreiter, hessenweit auf Rang sieben und auf Bundesebene immerhin 68. von 496 Kommunen.

Wie immer nutzen etliche Vereine das Stadtfest, um Werbung für sich zu machen. Die Freunde Sprendlingens erinnern mit einer kleinen Schau an die Geschichte des Landguts Mariahall, das als Gestüt zur Zucht von Trabrennpferden in die Geschichte einging. „Das Thema interessiert die Leute“, sagt Vorsitzender Dr. Wilhelm Ott, um dann hinterherzuschicken: „Neue Mitglieder gewinnen wir hier leider nicht.“ Der Verein für Heimatkunde teilt ein Schicksal mit vielen anderen Traditionsvereinen: Die Mitglieder sterben weg, der Nachwuchs bleibt aus.

Bilder: Stadtfest in Dreieich

Anders bei den Dreieichhörnchen, die ihren Stand direkt nebendran haben. Dort fällt der Startschuss für eine Spendenaktion. Der Verein will auf der Farm eine Jugendhütte bauen. Die haben sich acht Jugendliche zwischen 14 und 16 Jahren gewünscht. Sie haben als Kinder die Dreieichhörnchen besucht und mochten das Freizeitangebot nach der Grundschulzeit nicht mehr missen. „Sie helfen mit beim Versorgen der Tiere oder auch als Betreuer bei den Ferienspielen“, berichtet der stellvertretende Vorsitzende Konrad Dorenkamp. Nur allzu gern ist der Verein deshalb bereit, den Wunsch nach einer eigenen Hütte zu erfüllen. Der Verkauf von Waffeln legt den Grundstein.

Die Vereine sind das eine, der örtliche Einzelhandel das zweite entscheidende Standbein des Festes. Das ist wieder mit einem verkaufsoffenen Feiertag verbunden. Nicht nur in der Innenstadt, auch im Gewerbegebiet gibt es das eine oder andere Schnäppchen. Nicht zu übersehen – in knalligem Orange – ist der Stand von Tegut. Das Handelsunternehmen ist als Hauptsponsor mit von der Partie und bewirbt schon mal die Eröffnung seines Markts am 17. November. Im Gebäude an der Ecke Frankfurter Straße/Ecke Fichtestraße tut sich aber noch mehr. Zwei Wochen nach Tegut geht obendrüber ein Fitnessstudio an den Start. Auch dessen Betreiber stellt sein Angebot schon mal vor.

Stadtfest 2013 in Sprendlingen

Wer zum Stadtfest kommt, der weiß: Es ist auch ein kulinarischer Festtag. Gestern ist die Auswahl wieder dermaßen breit gefächert, dass die Entscheidung schwer fällt. Alle paar Meter duftet es verführerisch nach irgendeiner Leckerei, es ist definitiv kein Tag, um auf Kalorien zu achten.

Später am Nachmittag blitzt es dann auch ein paar mal blau durch die Wolkendecke. Die vorläufige Bilanz fällt positiv aus. An die Besucherzahl des Jubiläums 2015 wird die gestrige Auflage zwar nicht heranreichen, aber sie ist erheblich besser als am Morgen erwartet. Ein bisschen spärlich ist die Bestückung zwischen Volksbank und Altem Rathaus. „Da haben wegen des Wetters spontan einige Aussteller abgesagt“, bedauert Dominik Stotzem von der Agentur 12 Löwen, die das Event im Auftrag der Stadt organisiert. „Der Abschnitt ist ein bisschen unser Sorgenkind“, räumt er ein. Die Lücken dort zu schließen, sollte ein Ziel für das kommende Jahr sein.

Stadtfest lockt viele Besucher

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