Energiewende voranbringen

 Stadtwerke legen „Solarpur“ für Hausbesitzer auf

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Dennis Koži´c (links) und Myra Myhalnyuk betreuen das „Solarpur“-Programm für die Stadtwerke. Geschäftsführer Steffen Arta spricht von einem Rundum-sorglos-Paket.

Dreieich - Mit einem neuen Konzept möchten die Stadtwerke einen weiteren Beitrag zur Energiewende leisten. Von Holger Klemm

Mit „Solarpur“ können die Eigentümer von Ein- und Zwei-Familienhäusern in den Genuss einer Photovoltaik-Anlage kommen, ohne dafür Eigenkapital in die Hand nehmen zu müssen. Außerdem freut sich das Versorgungsunternehmen über die Auszeichnung „Top-Lokalversorger“. „Viele Kunden der Stadtwerke haben den Wunsch, sich an der Energiewende zu beteiligen“, hat Stadtwerke-Mitarbeiterin Myra Myhalnyuk festgestellt. Bislang hätten sie für sich keine Möglichkeit gesehen. Das wollen die Stadtwerke nun ändern – mit einem Rundum-sorglos-Paket, wie Geschäftsführer Steffen Arta verspricht.

Und so funktioniert „Solarpur“: Die Kunden pachten eine Photovoltaik-Anlage mit einer Leistung von vier Kilowatt Peak (kWp) von den Stadtwerken, die sich um den Einbau, die Wartung und eventuelle Reparaturen kümmern. Die Montage übernehmen regionale Handwerker. Verwendet werden ausschließlich Produkte namhafter deutscher Hersteller, die den hohen Anforderungen entsprechen, wie Arta unterstreicht. Die Vertragslaufzeit beträgt 20 Jahre. Schon ab einer monatlichen Pacht von 60 Euro ist „Solarpur“ möglich. Abhängig ist der Betrag jedoch von der Lage und den Gegebenheiten des Hauses. Denis Kožic, der mit Myra Myhalnyuk das Programm betreut, sieht in der individuellen Beratung und Planung einen weiteren Vorteil.

Die Nutzer machen sich unabhängig von Preiserhöhungen, da sie den selbst erzeugten Ökostrom nutzen können. Arta nennt als Beispiel, dass eine solche Anlage 3 800 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr produziert. Der Haushalt benötige etwa 30 Prozent davon. Der nicht verbrauchte Anteil wird in das Netz eingespeist – mit entsprechender Vergütung gemäß des Erneuerbaren Energien Gesetzes (EEG). Sollte der Strom nicht ausreichen, liefern die Stadtwerke noch hinzu. Zusätzlich möglich ist auch die Pachtung eines Speichers, um den selbst produzierten Strom besser nutzen zu können.

Auch bei einem Verkauf des Hauses bestehe kein Risiko, dann kann der neue Besitzer den Pachtvertrag übernehmen. Keine Probleme gibt es laut Arta ebenfalls bei einer Einliegerwohnung, da diese über einen eigenen Stromzähler verfügt und nicht beteiligt werden muss.

Nach einer Marktanalyse geht Myra Myhalnyuk von einem Potenzial von 120 bis 150 Ein- und Zwei-Familienhäusern in Dreieich aus. Auf dem ersten Dach haben die Stadtwerke bereits eine Anlage einbauen lassen. Erfahrungen haben sie bereits durch das ähnliche Thermopur-Programm sammeln können. Dabei baut, betreibt und wartet das Versorgungsunternehmen Heizungen. „Solarpur“ kann innerhalb weniger Wochen umgesetzt werden, heißt es. Der Einbau einer Photovoltaikanlage sei in zwei Tagen abzuwickeln. Nähere Informationen gibt es bei Dennis Kožic, 06103/602-216, oder Myra Myhalnyuk, 602-230.

Ab sofort können sich die Stadtwerke „Top-Lokalversorger“ nennen. Erstmals haben sie sich in diesem Jahr an dem Wettbewerb des Energieverbraucherportals beteiligt und gleich Erfolg gehabt. Ausgezeichnet werden Anbieter, die nicht nur durch den Preis, sondern auch durch Umweltengagement, Nachhaltigkeit, regionales Engagement und Servicequalität überzeugen.

Die Stadtwerke können sich über zwei Siegel freuen, für Strom und Gas sowie für Wasser. Bundesweit wurden insgesamt 229 Versorger ausgezeichnet, darunter nur 45 Wasseranbieter. Gepunktet haben die Dreieicher mit ihrem Solarpark in Buchschlag, dem Erdgasförderprogramm sowie dem Engagement für Bildung, Sport und Kultur. Dr. Uwe Pöhls, der gestern die Urkunden übergab, bricht eine Lanze für die „bundesweite Stadtwerke-Landschaft“ die im internationalen Vergleich einzigartig sei: „So ein Engagement können sie von einem Strom-Discounter nicht erwarten.“

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