Stadtwerke starten Smart-Meter-Projekt

Energiewende weiter voranbringen

Dreieich - Die Energiewende bleibt eine der drängendsten Aufgaben der kommenden Jahre. Die Stadtwerke möchten auf dem weiteren Weg die Dreieicher mitnehmen und starten das Smart-Meter-Projekt. Ziel ist die Steigerung der Energieeffizienz. Von Holger Klemm 

„Der Strommarkt hat sich stark verändert“, erzählt Stadtwerke-Geschäftsführer Steffen Arta. Gab es vor 15 Jahren deutschlandweit lediglich wenige 100 Kraftwerke, die den Strom lieferten, so sind es mittlerweile mehr als 1,5 Millionen. Dazu zählen Photovoltaikanlagen wie der Buchschlager Sonnenhügel ebenso wie Offshore-Windparks – mit dem Ergebnis, dass im vergangenen Jahr ein Drittel des Stroms aus erneuerbarer Energie stammte. Damit verbunden sind aber auch ganz neue Herausforderungen der Steuerung, da die Erzeugung weniger planbar sei.

Genau da sollen Smart Meter helfen. Hinter dem Begriff verbergen sich intelligente Stromzähler, mit denen jeder seinen Verbrauch kontrollieren und so Einsparpotenziale erschließen kann. „Smart Meter machen den Umgang mit Energieressourcen sichtbar und planbar“, erklärt Arta. Noch vor einer gesetzlichen Regelung ab 2017 haben sich die Stadtwerke für ein Pilotprojekt entschieden, um von Anfang an die Kunden zu beteiligen und von ihren Erfahrungen zu lernen.

Dafür suchte das Versorgungsunternehmen Anfang des Jahres 100 Interessierte, die sich ein Smart Meter einbauen lassen. Die Resonanz überraschte und begeisterte Arta. „Bereits nach wenigen Stunden hatten wir die 100 Kunden zusammen.“ Als Anreiz verlosten die Stadtwerke ein Tablet, das Petra Lomb aus Offenthal gewann. Dass das so kommen würde, hatte ihre Mutter vorausgesagt: „Das gewinnen wir.“

Nun gab es die Kick-Off-Veranstaltung, bei der der Umgang mit dem Smart Meter erklärt wurde. In einem speziellen Online-Portal können die Teilnehmer das eigene Energieverbrauchsverhalten besser durchschauen und optimieren. „Man kann die Waschmaschine auch nachts laufen lassen“, nannte Arta ein Beispiel.

Energiewende: Diese Probleme sind noch zu lösen

Fragen gab es bei der Veranstaltung zum Datenschutz und zur IT-Sicherheit. Der Geschäftsführer sicherte einen vertrauensvollen Umgang mit den Daten zu. Dieses Thema habe zu einer Verzögerung der Einführung der neuen Stromzähler in Deutschland geführt, die in anderen Ländern wie Skandinavien oder Italien schon die Regel seien.

Aktuell erfolgt der Einbau der Geräte in die Häuser der 100 Testpersonen. Die Stadtwerke setzen auf einen kontinuierlichen Austausch der Erfahrungen und hoffen auf jede Menge Anregungen und Ideen, aber auch Kritikpunkte. Diese sollen eine wichtige Rolle bei der weiteren Entwicklung des Konzeptes, der Geräte und des Online-Portals spielen, bevor 2017 die offizielle Runde eingeläutet wird. Voraussichtlich Anfang Juli sind alle Pilotkunden aufgerufen, den Stadtwerken ein erstes Feedback zu geben. Eine zweite Runde ist für den Dezember vorgesehen. Projektleiterin Marvie Hornung hilft den Testpersonen bei Fragen. Aber auch weitere Personen, die sich für den Smart Meter interessieren, können sich bei den Stadtwerken informieren. Hornung ist unter der Nummer 06103/602-275 oder per E-Mail unter marvie.hornung@stadtwerke-dreieich.de zu erreichen.

Bis alle 23.000 Stromzähler in der Stadt ausgetauscht sind, wird noch einige Zeit ins Land gehen. Die Stadtwerke möchten die alten Geräte durch Smart Meter ersetzen, wenn die Eichfrist von 16 Jahren abgelaufen ist. Ab 2017 sind sie bei Großkunden mit einem Verbrauch von jährlich mehr als 10.000 Kilowattstunden vorgesehen, ab 2020 bei Kunden ab 6 000 Kilowattstunden. Aber auch Interessierte möchte Arta damit ausstatten. Für die Stadtwerke wird das Ganze eine kostspielige Angelegenheit, da ein Smart Meter momentan noch 400 Euro kostet. Doch der Geschäftsführer hofft auf fallende Preise, wenn die Geräte in größerer Stückzahl produziert werden.

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