Täter und Opfer halten vor Gericht zusammen

Streit im Berliner Ring: Freundin mit Fäusten attackiert

Sprendlingen - Es kommt nicht oft vor, dass Täter und Opfer ein Stoßgebet gen Himmel senden, auf dass das Urteil nicht zu hart ausfallen möge. Es sei denn, die beiden sind ein Paar – so wie bei der Verhandlung einer vorsätzlichen Körperverletzung gestern am Amtsgericht Langen. Von Cora Werwitzke 

Dafür, dass der Angeklagte aus Sprendlingen seine Freundin geschlagen hat, bekommt er acht Monate auf Bewährung. Täter und Opfer atmen auf, dass sich die viermonatige Haftstrafe, die der 28-Jährige gerade in einer anderen Sache verbüßt, nicht verlängert. Im Fokus der Gerichtsverhandlung steht ein November-Abend 2015. Das Paar wohnt in getrennten Wohnungen – erst streiten sie bei ihr, dann läuft er heim, wo sie kurz darauf mit ihrem Auto hält, um ihm einige seiner Sachen vor die Tür zu stellen. Der Streit, der sich daraufhin am Auto entzündet, ist im Berliner Ring weithin hörbar. Das Wortgefecht eskaliert, als der Angeklagte seine Freundin attackiert. Mit Prellungen im Gesicht rettet sie sich ins Auto und fährt davon.

Richter Johann Sebastian Michels gegenüber gibt sich der 28-Jährige geläutert. Er sei betrunken gewesen, habe sich provozieren lassen. Streit gab es nach seinen Worten häufiger, aber nie in diesem Ausmaß. Das bestätigt seine Freundin, die sich redlich bemüht, das Ganze als „echt dumm gelaufen“ herunterzuspielen. Die Anzeige, die sie nach der Tat gegen ihren Partner erstattet, zieht sie ein paar Tage später zurück. Die Staatsanwaltschaft verfolgt den Vorfall dennoch im Interesse der Öffentlichkeit. Grund für den Streit ist nach den Worten von Täter und Opfer eine Nichtigkeit gewesen. Häufig gebe es Konflikte wegen „seinem Alkoholproblem“, wie es die Sprendlingerin formuliert. An jenem Abend sei sie gegen seinen Willen noch mal zu ihm gefahren, sie habe ihn provoziert und sei auf ihn losgegangen, als er anfing, gegen ihr Auto zu treten.

Zu Wort kommt auch eine Zeugin, die die Handgreiflichkeiten mitbekommt, weil sie zu ihrem geparkten Auto will, „das ungünstigerweise genau neben dem der jungen Frau stand, wo sich das Ganze abspielte“. So sieht sie, wie der Angeklagte auf die Frau einprügelt, „die sich kaum wehrte“. Sie habe sich nicht getraut einzugreifen, der Mann sei ihr hochaggressiv vorgekommen. Der Polizist, der seinerzeit die Anzeige aufnimmt, zitiert aus seinen Aufzeichnungen, dass die Geschädigte an jenem Abend Schluss machen wollte.

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„Ich habe ihm verziehen“, lässt sie wissen. Sie wollen sich demnächst verloben. Zurzeit büßt der Angeklagte jedoch eine Haftstrafe wegen versäumter Bewährungsauflagen ab. Neben einer lange zurückliegenden Verurteilung wegen Sachbeschädigung fiel der Sprendlinger durch jahrelanges Schwarzfahren auf. Er sei in Frankfurt obdachlos gewesen und habe lieber in der Bahn geschlafen als draußen, erklärt er. Inzwischen habe er eine Arbeit am Flughafen, die er auch nach der Haftstrafe wieder aufnehmen könne.

Während die Staatsanwältin Gefängnis ohne Bewährung fordert, belässt es Richter Michels bei acht Monten auf Bewährung samt Therapie und 500 Euro Geldstrafe. „Ich glaube Ihnen die Reue – und sie wissen ja jetzt, was passiert, wenn man gegen Bewährungsauflagen verstößt.“

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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