Anwohner sind sauer auf Stadtwerke

Sudentenring: Mit Rollator durchs Schotterbett

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Holpriger Übergang: Um zu ihren Häusern mit den Nummern 46 bis 52 zu gelangen, müssen die älteren Bewohner mit Rollator und Gehstock über Schotter und eine Laufbrücke (hinten links zu sehen) gehen. Das hält Anwohner Alfed Würges für unzumutbar.  

Dreieich - Aufgerissene Gehwege, wackelige Laufbrücken und blockierte Parkplätze: Der Austausch von Versorgungsleitungen ist für eine Reihe betagter Anwohner im Sudetenring eine Qual. Die Baustelle vor ihren Häusern existiert schon fast drei Monate. In der Prioritätenliste der Stadtwerke ist das Projekt nach unten gerutscht. Von Julia Radgen 

„Das grenzt schon an Schikane“, klagt Leser Alfred Würges über die Bauarbeiten vor seiner Haustür, einem Stichweg mit den Hausnummern 46 bis 52, der vom Sudetenring abgeht. Die Stadtwerke wollen dort nach und nach die Strom-, Wasser- und Gasleitungen austauschen. Als die Bauarbeiten Anfang Mai begannen, teilte der Energieversorger Würges und dessen Nachbarn mit, die Arbeiten sollten binnen vier bis sechs Wochen abgeschlossen sein. Jetzt, fast drei Monate später, neigt sich die Geduld der Sudentenring-Bewohner dem Ende zu. In den vier betroffenen Häusern seines Stichwegs leiden laut Würges sechs Anwohner täglich unter den andauernden Bauarbeiten. „Keiner von uns ist jünger als 75 Jahre“, sagt er.

Weil die Straße für die Bauarbeiten aufgerissen sei, liege Schotter auf dem Gehweg, über den sich seine 90-jährige Nachbarin mit dem Rollator quälen müsse. Laut Würges sei deren Haus zudem dasjenige, an dem die Arbeiten als letztes abgeschlossen werden sollen. Der Anwohner erklärt, bisher seien erst die Arbeiten an zweien der vier Häuser beendet. Eine andere Nachbarin, Mitte 80 und am Stock gehend, müsse zwei Laufbrücken mit wackeligen Geländern passieren, um ihr Haus zu verlassen. Laut Würges sei eine total unnütz: „Sie liegt nur so da.“ An einer anderen Stelle hat der Anwohner beobachtet, wie die betreffenden Leitungen bereits ausgetauscht wurden. „Da könnte man die Straße wieder zuschütten und den Schotter vom Gehweg entfernen“.

Zum weiteren Ärger der Anwohner gibt es auch seit Wochen weniger Parkplätze in der Siedlung als ohnehin schon. „Vier Parkplätze vor der Tür sind durch Baumaschinen und ein Halteverbotsschild blockiert.“ So lange die Arbeiten ruhten, müsse man dieses „unsinnige“ Parkverbot aufheben. „Es gab keine Zwischenmeldung darüber, dass sich die Arbeiten verzögerten“, sagt der echauffierte Anwohner. Auf sein Schreiben an die Stadtwerke habe er keine Antwort erhalten.

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Volker Kreuzer, Technischer Leiter der Stadtwerke, bestätigt unserer Zeitung gegenüber: „Die Anwohner wurden von uns nicht schriftlich unterrichtet.“ Als Grund dafür, dass sich die Arbeiten am Sudetenring in die Länge ziehen, nennt er andere Baumaßnahmen, darunter im Baugebiet „Nördlich der Albert-Schweitzer-Straße“, um die sich die Stadtwerke vorrangig gekümmert hätten. „Da gab es Störungen, die konnten nicht warten“, erklärt Kreuzer und führt unter anderem einen Wasserrohrbruch an. Folglich musste Personal abgezogen, mussten Projekte verschoben werden. „Deshalb hat es am Sudetenring länger gedauert.“

Auf die Frage, ob man während der ruhenden Arbeiten nicht zumindest die Situation für die betagten Anwohner hätte verbessern können, sagt Kreuzer. „Das hätten wir machen können, doch mit so einer Verzögerung haben wir nicht gerechnet“. Im Normalfall seien die Stadtwerke nicht mehr als ein bis zwei Wochen hinter dem Plan. „Wir versuchen, Baumaßnahmen so schnell wie möglich abzuschließen.“ Laut Kreuzer sollen die Arbeiten am Sudetenring nun zügig beendet werden, so dass Alfred Würges und seine Nachbarn in Kürze ihre Häuser wieder gefahrlos verlassen können. „Wenn es keine größeren Störungen gibt, noch im Laufe dieser oder der nächsten Woche“, so der Stadtwerke-Sprecher.

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