Drama über die große Kraft der Liebe

„Der Glöckner von Notre-Dame“ auf Burggarten-Bühne

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Zu unrecht wird Esmeralda (Leonie Löw) des Mordes bezichtigt. Wird es dem Glöckner gelingen, die junge Frau aus den Fängen ihrer Peiniger zu befreien?

Dreieichenhain - Nach einem Jahr Pause kehrt die Theatergruppe des Geschichts- und Heimatvereins (GHV) in den Burggarten zurück – mit einem Drama über die große Kraft der Liebe und die Ausgrenzung von Menschen, die anders sind. Von Holger Klemm 

Zurzeit laufen die Proben für „Der Glöckner von Notre-Dame“ nach Victor Hugo (1802 - 1885) auf Hochtouren.  „Ich wollte ein Stück, das in die Burg passt“, erzählt Tanja Garlt, die 2015 die Leitung der GHV-Gruppe übernommen hat. Nach ihrem Einstand mit der Collage „Liebe und andere Grausamkeiten“ im Herbst im Burgkeller wagt sie nun den Sprung auf die große Bühne. „Ich habe mich schon immer darauf gefreut, hier zu spielen“, gesteht die Regisseurin und Theaterpädagogin, die vier Ensembles leitet und 2009 mit dem Kulturpreis des Kreises ausgezeichnet wurde. Bei der Suche nach einem geeigneten Sujet stieß sie auf den „Glöckner“, den wohl bedeutendsten historischen Roman der Romantik voller bizarrer Charaktere und feinster psychologischer Figurenzeichnung. „Das kann doch etwas sein“, dachte sich Garlt. Aus den verschiedenen Bühnenfassungen fiel die Wahl auf eine mit einer relativ modernen Sprache. Mit 30 Personen bringt sie nun die Geschichte um den buckligen Quasimodo und die schöne Zigeunerin Esmeralda auf die Bühne. Da die Theatergruppe nicht mehr über so viele Mitglieder verfügte, startete Garlt einen Aufruf – mit Erfolg. Trotz der Ferienzeit meldeten sich auch Jüngere. Zudem kommen einige Mitspieler aus anderen Gruppen der Regisseurin. „Alle verstehen sich gut“, freut sie sich.

Regisseurin Tanja Garlt gibt von ihrem Platz aus Anweisungen. Mit dem Stand der Proben zeigt sie sich zufrieden.

Ursprünglich zog Garlt eine historische Inszenierung in Betracht. „Doch das liegt mir nicht. Ich will keinen Kostümschinken.“ Ihr „Glöckner“ wird modern-abstrakt mit überraschenden Besetzungen. So wird der Außenseiter Quasimodo von dem 19-jährigen Jannek Dreisbusch gespielt, der bei einem Workshop von Garlt mitmachte. „Er wird auch keinen Buckel haben.“ Und die Darstellerin der Esmeralda ist blond. Dabei handelt es sich um Leonie Löw aus der Rodgauer Gruppe von Garlt. Die Besetzung mit jungen Leuten erkläre auch die Liebesbeziehung zwischen Quasimodo und Esmeralda besser. Charakteristisch für das Stück sei aber, dass es keine wirklichen Hauptrollen gibt. Die Bühnenfassung verteilt den Text auf viele Darsteller. „Lange Monologe wie bei Shakespeare sucht man vergeblich“, berichtet Dieter Krebs von der Theatergruppe.

Eine große Rolle spielen im „Glöckner“ die Konflikte zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen im Paris des Mittelalters. Deshalb legt die Regisseurin auch großen Wert auf die Arbeit mit den Statisten: „Gänge und Bewegungen müssen stimmen.“ So sei es wichtig, dass möglichst alle Beteiligten an jeder Probe teilnehmen. Um die Gruppen der Bürger und Gaukler optisch zu unterscheiden, gibt es rote und schwarze Kostüme. „Die Soldaten tragen Ledermäntel“, berichtet sie. Auch Masken kommen zum Einsatz. Als Kulisse dient allein die Burg, lediglich ergänzt durch ein Stahlgerüst. Die Szenen in Notre-Dame spielen beispielsweise auf der Treppe am Burgturm. „Das passt sehr gut“, versichert Garlt.

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„Ich arbeite kompakt über eine Zeitraum von drei Monaten. Das ist effektiv und da geht in der Probenarbeit auch nicht so viel verloren“, betont sie. Einen Monat vor der Premiere wird jedes Wochenende und dazu drei- bis viermal in der Woche geprobt – zurzeit wegen der Festspiele auch im Sprendlinger Bürgerpark. Die Regisseurin ist sich bewusst, ihren Akteuren einen großen zeitlichen Aufwand abzuverlangen. „Doch alle sind begeistert“, sagt sie. Aktuell stehe die erste Hälfte, das Konzept für den zweiten Teil warte auf die Umsetzung. Da müsse weiter an den Massenszenen gearbeitet werden. Doch bange ist der Regisseurin nicht. „Wir haben ja noch etwas Zeit.“ Und jede Probe bringt die Gruppe ein gutes Stück weiter. Das war auch am Dienstagabend der Fall. Garlt zeigte sich mit den Fortschritten zufrieden. Langfristig hofft sie, für die Theatergruppe des GHV einen festen Stamm auch mit jungen Akteuren aufbauen zu können. Nach den bisherigen Erfahrungen ist sie sehr zuversichtlich.

„Der Glöckner von Notre- Dame“ ist am Freitag und Samstag, 26. und 27. August, jeweils um 20 Uhr, am Sonntag 28., um 18 Uhr zu sehen. Karten für 13 Euro gibt es im Ticketservice des Bürgerhauses, Fichtestraße 50, 06103/60000. An der Abendkasse kosten sie 15 Euro.

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