Das ist Treue: Zum sechsten Mal dabei

Ukulele Orchestra: Begnadete Komödianten

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Das Ukulele Orchestra of Great Britain.

Dreieichenhain - Wenn das nicht Treue ist! Schon zum sechsten Mal gastierte das Ukulele Orchestra of Great Britain bei den Burgfestspielen in Dreieichenhain und versprach auch gleich, nächstes Jahr wiederzukommen. Von Eva Schumann

Auch wenn es jedesmal feststellt, dass die Burg Hayn immer noch nicht fertig gebaut wurde. Dass aber die zwei Damen und sechs Herren mit ihren Mini-Saiteninstrumenten, ihrem Querbeet-Repertoire und ihrem britischen Humor noch immer die Alten geblieben sind, das freut nicht nur die Fans der Band.  Denn auch die sind treu, wie man an den Dauer-Beifallsstürmen hörte. Sie galten nicht nur den wohlbekannten Hits aus Pop und Rock, Folk und Filmmusik, sondern der Art und Weise, wie sie serviert wurden. Sowohl bei den schlitzohrigen Ansagen, als auch beim süffisant verfremdenden Umgang mit musikalischen Vorlagen offenbarten sich die Acht als ebenso begabte Komödianten wie als virtuose Musiker. Zumal sie gleichzeitig in die Saiten greifen und im Chor oder solistisch singen mussten. Und seien es nur begleitende Vokalisen, rhythmische Verstärkung, unterstützende Tonmalerei oder Tierstimmenimitation. Wie überzeugend erst wusste der Chor in Morricones „The Good, The Bad And The Ugly“ die Hörer in Western-Atmosphäre zu versetzen!

Verheißungsvoll begann das Programm mit „On The Beach At Waikiki“ – gar nicht gemütvoll, sondern schon so peppig gespielt, dass kaum eine Steigerung vorstellbar war. Die gab es natürlich doch. Opulent und effektvoll zitierte der Chor aus einem Quentin-Tarantino-Film. Köstlich war Peter Brooke-Turners Demonstration seines Bassvolumens und eines beängstigend langen Atems beim Tom-Jones-Imitat aus dem Film „Thunderball“. Jedes Bandmitglied demonstrierte seine stilistische Vorliebe. Die Damen mochten es lyrisch, wie in einem Liebeslied von Joni Mitchell, oder verwandelten sich wie Leisa Rea in „Just A Teenie“. Hester Goodman konnte aber auch mit einem hinreißenden Patti-Smith-Plagiat glänzen.

Auch die Männer gaben sich durchaus gefühlvoll. Der Irishman unter den Engländern konnte erst durch den „Happy“-Song von Pharrell Williams aufgeheitert werden. Heiter war auch der chorisch unterstützte Song „Kiss“ von Prince. Der langhaarige Dave Suich legte eine perfekte Nirvana-Parodie aufs Parkett. Sanfter war die neue deutsche Welle mit dem „Model“ von Kraftwerk, und R. Kellys „I Believe I Can Fly“ wirkte seelisch aufbauend. Ein besonderes Talent bewies der Jüngste der Truppe. Bass-Ukulele-Spieler Jonty pfiff virtuos die Flötenpartie aus Bachs h-Moll-Suite. Will Grove-White tat sich mit seinem allerkleinsten Instrument hervor, auf der er ebenso „Le Freak“ von Chic zum Klingen brachte wie auf der „erwachsenen“ Ukulele.

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Ab und zu gerieten die Musiker in Streit wegen stilistischer Fragen. Aber jeglicher Konflikt wurde friedlich bereinigt, selbst die Meinungsverschiedenheit über die Zugabe. Die gänzlich vernachlässigte Klassik sollte endlich mit einer Händel-Suite zum Zuge kommen, aber die Mehrheit der Truppe war dagegen. Ein Quodlibet aus acht verschiedenen Musikstücken war die geniale Lösung und klang überraschenderweise gar nicht schräg.

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