Darauf erst mal einen Rembrandt

Unterwegs mit FFH-„Dummfrager“ Boris Meinzer

Dreieich/Neu-Isenburg - 90 Prozent aller Hessen kennen ihn angeblich. Jedenfalls vom Hören. Wer ihn sieht und von ihm angesprochen wird, sollte aufpassen. Boris Meinzer ist der „Dummfrager“ von Hitradio FFH. Von Manuel Schubert 

Wenn Sie diesem Mann begegnen, ist Vorsicht geboten. Boris Meinzer führt Passanten nur allzu gerne aufs Glatteis. Am 6. Oktober ist der „Dummfrager“ im Bürgerhaus zu Gast.

Mehr als 20.000 Menschen hat er im Laufe der Jahre mit seinen Fangfragen konfrontiert – aus den witzigsten Sequenzen hat der Comedian ein Bühnenprogramm gestrickt, mit dem er nächste Woche in Dreieich Premiere feiert. Vorab hat ihn ein Mitarbeiter unserer Redaktion bei der Arbeit begleitet. Der junge Mann mit dem Zopf und den tätowierten Unterarmen überlegt nicht lang. Genau das ist sein Fehler. Was er davon halte, dass laut einer Studie fünf von vier Leuten nicht mehr rechnen können? „Das glaube ich gerne“, betont er, „ich nehme auch immer den Taschenrechner.“ Und wohin das noch führen solle? Vielleicht dazu, dass kommendes Jahr sechs oder sieben von vier Deutschen nicht mehr rechnen können? „Ja, das könnte ich mir vorstellen“, sagt der Jugendliche. Dass die Frage völliger Humbug ist, merkt er nicht. Boris Meinzer bedankt sich artig für das Gespräch, dann grinst er schelmisch. Er hat bekommen, was er wollte.

Wenn der 42-Jährige einem sein dünnes, silbernes Mikrofon unter die Nase hält, sollte man besser aufpassen, was man sagt – sonst könnte es vorkommen, dass man seine eigene Stimme am nächsten Morgen im Radio hört. Boris Meinzer ist der „Dummfrager“ von Hitradio FFH. Seit 2005 lockt er die Hessen mit Fangfragen in die Falle, die lustigsten Antworten gibt es jeden Tag in der Morningshow des Senders zu hören. Rund 20.000 Leute hat Meinzer im Lauf der Jahre schon befragt. Auch bei seinem Streifzug durch das Isenburg- Zentrum gehen ihm einige Passanten auf den Leim. Meinzer, blaue Brille, weiße Turnschuhe, läuft zügigen Schrittes durch den Shopping-Tempel. Immer wieder bleibt er stehen und lässt seinen konzentrierten Blick durch die Gänge schweifen, stets auf der Suche nach potenziellen Gesprächspartnern. Der gebürtige Karlsruher wählt seine Gegenüber sorgsam aus. Wenn es um Fußball geht, pickt er sich Frauen heraus, bei Technikfragen ältere Leute, bei Märchen oder Sprichwörtern Jugendliche. Vor eine Schule für Lernschwache beispielsweise würde er sich aber nie stellen, betont Meinzer, „das wäre unfair“. Auch wenn die Antwortgeber sehr alt oder noch sehr jung sind, lässt er sie in Frieden, ebenso wenn sie nicht gut Deutsch sprechen. „Ich will ganz sicher niemanden bloßstellen“, stellt Meinzer klar.

„Leute wie du und ich“ sucht sich der Mann mit dem unverkennbaren badischen Dialekt für sein Frage-Antwort-Spiel aus. Und dabei ist eine Menge Geduld gefragt. Eine Minute dauert ein morgendlicher „Dummfrager“-Beitrag, dahinter stecken viele Stunden Arbeit. Längst nicht jeder, den der Wahl-Altenstädter anspricht, will auch etwas sagen. Keine Zeit, keine Lust, keine Ahnung. Und auch längst nicht jede Antwort entpuppt sich als lustig. „95 Prozent sind völlig langweilig und landen im Mülleimer“, verrät Meinzer. „Was man dann im Radio hört, sind die ein, zwei Highlights.“ Die entstehen oft aus der Nervosität heraus, ein Mikrofon vor dem Mund überfordert offenbar manch einen. „Das spielt mir in die Karten“, sagt der „Dummfrager“ und grinst. Und so hält der eine Rembrandt plötzlich für einen Schnaps und der andere das Brandenburger Tor für einen großen Moment des Sports.

Befragte gehen ihm voll auf den Leim

Auch in der Hugenottenstadt wird Meinzer fündig, viele der Befragten gehen ihm voll auf den Leim. Er fährt mit der Rolltreppe in den ersten Stock und erspäht eine junge Frau, die auf einer Bank sitzt und gerade eine Karotte isst. Meinzer pirscht sich heran. „Entschuldigung, ich mache eine kleine Umfrage fürs Radio“, säuselt er. Unscheinbar anfangen, so macht er es immer. Ob die Dame gerne Fußball schaue, will er wissen. Und ob sie immer zur deutschen Mannschaft halte? Dann legt er los. „Wie viele Mannschaften spielen in einem Achtelfinale?“ „Acht.“ „Und im Viertelfinale?“ „Vier.“ „Im Halbfinale?“ „Zwei.“ „Und im Finale?“ „Eine. Ach nee.“ Meinzer ist zufrieden: „Eine sehr gute Sequenz.“

Seit 2002 arbeitet er als Comedy-Redakteur beim Privatsender aus Bad Vilbel. Neben dem „Dummfrager“ rief er andere bekannte Serien wie „Marie aus Paris“ oder die „DFB-Kantine“ ins Leben, dazu schreibt er Witze für die Moderatoren. Den großen Erfolg seines „Dummfragers“ sieht er in der Schadenfreude der Menschen begründet. „Wenn einer auf einer Bananenschale ausrutscht, wird man auch in hundert Jahren noch darüber lachen“, glaubt Meinzer. Die meisten seiner Gesprächspartner können hinterher aber über sich selbst schmunzeln, berichtet er. „Und wenn einer gar nicht will, dass das gesendet wird - kein Ding.“

Dein Freund, das Netz: Medien dominieren die Freizeit

Bei seinem Beutezug durchs IZ erwähnt Meinzer kein einziges Mal, für welchen Sender er arbeitet, geschweige denn, dass er der „Dummfrager“ ist. Dafür ist er mittlerweile zu bekannt, seine Fragen zu gefürchtet, weshalb er für seine Recherchen mittlerweile bis an die hessische Grenze fahren muss – manchmal auch darüber hinaus. Zweimal die Woche steigt Meinzer ins Auto und zieht mit seinem Aufnahmegerät durch die Lande, an einem Tag entstehen zwei bis drei Beiträge. Erkannt wird er trotzdem manchmal. Als er vor einer Bäckerei einen Teenager anspricht, ahnt der zunächst nichts. Doch bei der Frage, was der junge Mann denn lieber esse – Kiwi oder Adamsapfel – klingelt es. „Sind Sie der Dummfrager?“, platzt es aus dem jungen Mann heraus. Bingo.

In den kommenden Monaten wird Meinzer noch mehr auf Achse sein, denn am Donnerstag, 6. Oktober, feiert sein erstes eigenes Bühnenprogramm Premiere – und zwar im Sprendlinger Bürgerhaus (20 Uhr). Zwei Stunden lang präsentiert er die besten Antworten aus elf Jahren als „Dummfrager“ und verziert das Ganze mit Anekdoten aus seinem eigenen Leben, etwa von seiner Schwiegermutter, die mal bei Starbucks einen „Coffee to go“ bestellte – „aber bitte zum Mitnehmen“! Angst müssen seine Zuschauer aber keine mitbringen. Dass er mit dem Mikrofon durch die Reihen gehe, beschwichtigt Meinzer augenzwinkernd, davor brauche sich niemand fürchten.

Rubriklistenbild: © Schubert

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