Prozess um Bestechung, Untreue und Steuerhinterziehung

Untreue im Pharma-Geschäft: Haftstrafe für Biotest-Mitarbeiter

Dreieich/Darmstadt - Es flossen Millionensummen - zur Bestechung von Behörden, als dubiose Zahlungen über Briefkastenfirmen, auch in die eigene Tasche. Ein Ehepaar, ehemalige Mitarbeiter der Pharmafirma Biotest in Dreieich, müssen deshalb ins Gefängnis.

Briefkastenfirmen und Scheinrechnungen: Wegen Beihilfe zur Untreue, Bestechung und Steuerhinterziehung im großen Stil ist ein Ehepaar zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Die Darmstädter Richter sahen es heute als erwiesen an, dass die beiden beim Russland-Geschäft der Pharmafirma Biotest aus Dreieich an dubiosen Zahlungen an Offshore-Firmen beteiligt waren. Die Hauptverantwortlichen säßen aber in der Firmenzentrale, sagte der Vorsitzende Richter am Landgericht, Marc Euler. Die 53-Jährige war Leiterin der Firmen-Repräsentanz in Moskau. Mit Millionenbeträgen wurden Verantwortliche in Russland bestochen, damit Biotest-Produkte dort auf den Markt kamen, so das Gericht. Über schwarze Kassen habe die Frau auch in die eigene Tasche gewirtschaftet. Die Beträge seien schwindelerregend gewesen, sagte Euler.

Die Frau wurde zu fünf Jahren und neun Monaten Haft verurteilt, ihr 55 Jahre alter Mann zu vier Jahren und sechs Monaten. Die Verteidiger hatten Freispruch gefordert. Gegen das Urteil kann Revision eingelegt werden. Bei der Vermarktung in Russland seien neben den Importeuren auch Offshore-Firmen beteiligt gewesen, erläuterte Euler. Die seien aber nur dazu da gewesen, damit das Geld über Umwege an die Importeure zurückfließen konnte. Tatsächlich seien diese Offshore-Firmen reine Briefkastenfirmen, die keine tatsächliche Leistung erbracht hätten. "Keine Filialen, keine Mitarbeiter in Russland - wie sollen da tatsächlich Dienstleistungen erbracht worden sein", sagte Euler. Um die dubiosen Geschäfte zu verschleiern, seien Tätigkeitsberichte erfunden worden.

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Russische Altlasten

Die Verteidiger hatten im Prozess dagegen erklärt, der Ablauf der Russland-Geschäfte sei gängige Praxis. Konkurrenten würden genauso handeln. Auch Biotest selbst, bei dem Prozess lediglich Zuschauer, wies die Vorwürfe zurück. "Vertrieb, Vermarktung, Besuch von Ärzten - das kostet Geld", sagte Sprecher Dirk Neumüller der Deutschen Presse-Agentur. Mit Untreue und Bestechung habe das nichts zu tun. Neumüller kritisierte zudem den Ablauf des Prozesses. Zahlreiche Entlastungszeugen seien nicht gehört worden. Das Gericht sah an den Vorwürfen dagegen keine Zweifel - auch daran, dass die Firmenspitze Bescheid wusste. "Jeder in Dreieich hat gewusst, was mit diesen Zahlungen für Zwecke verfolgt wurden - nämlich unlautere", sagte Euler. Deshalb treffe das Ehepaar auch nur Beihilfe. Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit einigen Jahren auch gegen Biotest-Verantwortliche, darunter den Finanzvorstand. Bislang ist eine Anklage aber nicht absehbar.

dpa

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