Aktuell 585 Flüchtlinge in der Stadt

Wohnraum im Container als „Puffer“ für Flüchtlinge

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Vom Büro- zum Wohncontainer: Hinter dem Juz Benzstraße hat die Stadt Platz für 44 Flüchtlinge geschaffen.

Dreieich - Im Rathaus bleibt den Flüchtlingskoordinatoren erstmals ein wenig Zeit zum Luft holen. Es kommen dieser Tage beträchtlich weniger Asylsuchende an. Von Cora Werwitzke 

Die Mammutaufgabe verlagert sich freilich nur – von der Notunterbringung zur geordneten Wohnungssuche, von der Erstversorgung zur Integration. Als „Puffer“ hat die Stadt von nun an die fertiggestellte Containeranlage neben dem Juz Benzstraße in der Hinterhand. Als im Oktober die Arbeiten an den ehemaligen Bürocontainern begannen, war der wöchentliche Zuwachs an Flüchtlingen in Dreieich noch alarmierend. „20 bis 30 Menschen pro Woche“, ruft Bürgermeister Dieter Zimmer in Erinnerung. „Die wurden uns stets donnerstags vom Kreis angekündigt und standen montags vor der Tür.“ Auf allen Beteiligten lastete im Rathaus ein immenser Druck – „um ehrlich zu sein: die Nerven lagen blank“, blickt Zimmer zurück. Das Ernüchterndste sei, dass sich überhaupt keine Prognose machen ließ – und bis heute machen lässt. Inzwischen werden Dreieich wöchentlich nur noch zwei bis drei Flüchtlinge zugeordnet. Im Kreis Offenbach sind freie Kapazitäten entstanden. Auch die nun fertige Containeranlage bleibt vorerst leer. Sie wurde für 900.000 Euro umgebaut und eingerichtet. Zimmer bezeichnet sie als willkommenen „Puffer“.

Am Dienstagabend konnten sich Bürger einen Eindruck von dem zweistöckigen Gebäude auf dem Hof des Jugendzentrums verschaffen. Im Erdgeschoss finden sich zwei Gemeinschaftsräume und eine großzügige Küche mit viel verschließbarem Stauraum, im ersten Stock die Sanitärräume. Die Zimmer für ein bis vier Personen sind hell und funktional eingerichtet, ohne „nackt“ zu wirken. „Die Gardinen aufzuhängen war für unsere Hausmeister zum Beispiel eine Herzensangelegenheit“, erzählt Citymanagerin Karen Kremer. Rund 60 Besucher nehmen die Gelegenheit wahr, sich die Unterkunft anzusehen, ehe die Mitglieder des Sozialausschusses in einem der beiden Gemeinschaftsräume den Stand der Dinge zur Flüchtlingssituation hören.

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Die Zahlen lesen sich wie folgt: Dreieich beherbergt aktuell 585 Flüchtlinge, darunter rund 150 bereits anerkannte Asylberechtigte, alle anderen sind nach den Worten von Integrationsbeauftragter Karin Scholl Asylbewerber, wobei darunter einige sind, deren Anträge bisher noch nicht erfasst wurden. Die Unterbringung ist weitgehend dezentral in 80 Wohnobjekten gelungen – 348 Flüchtlinge wohnen in Sprendlingen, 142 in Dreieichenhain, 43 in Offenthal, 32 in Götzenhain und 20 in Buchschlag. „Bei aller Skepsis einiger Nachbarn sind gravierende Beschwerden im Nachhinein ausgeblieben“, berichtet Zimmer. Im Gegenteil: Die Rückmeldungen seien überwiegend positiv.

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Die größte Unterkunft findet sich unter Kreis-Regie in der Damaschkestraße in Sprendlingen. Dort sind aktuell gut 80 der maximal 140 Plätze besetzt, der Umbau des ehemaligen Mattel-Gebäudes zur Flüchtlingsunterkunft liegt auf Eis (wir berichteten). Nur noch eine Frage der Zeit ist darüber hinaus laut Karin Scholl, wann die 14 jugendlichen Flüchtlinge aus dem abgetrennten Teil des Juz Benzstraße ausziehen müssen. Im Gegensatz zu der Unterkunft Am Schäferpfad (15 Bewohner) bekommt das Juz keine Genehmigung als Dauereinrichtung für unbegleitete minderjährige Jugendliche.

Nach wie vor sucht die Stadt Wohnungen für (anerkannte) Flüchtlinge – insbesondere für drei- bis vierköpfige Familien. Kontakt: 601684 oder karen.kremer1@dreieich.de.

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