Ex-SPD-Bundestagsabgeordnete wird morgen 75 Jahre alt

Uta Zapf: „Die Politik liegt mir im Blut“

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Uta Zapf ist auch seit ihrem Ausscheiden aus dem Bundestag weiterhin politisch aktiv. Daneben bleibt ihr mehr Zeit für Privates. Gerne besucht sie Museen und Ausstellungen.

Dreieich - Es ist ein wenig ruhiger um sie geworden, nachdem Uta Zapf bei der Wahl 2013 nicht mehr für den Bundestag kandidierte. Doch die SPD-Politikerin ist weiterhin auf verschiedenen Ebenen aktiv. Am morgigen Sonntag wird sie 75 Jahre alt. Von Holger Klemm 

„Ich mache so viel ich kann“, erzählt die Sprendlingerin, die von 1990 bis 2013 den Wahlkreis 142 (Offenbach) im Bundestag vertrat und zweimal direkt gewählt wurde. Es sei wichtig gewesen, „nicht in den Ruhestand abzusinken“. Uta Zapf engagiert sich vor allem in dem Bereich, der auch in ihrer Zeit als Abgeordnete ein Schwerpunkt war. Als Expertin für Abrüstung, Rüstungskontrolle sowie zivile Krisenprävention ist sie weiterhin gefragt. So steht beispielsweise eine Fahrt zu einer Abrüstungskonferenz nach Astana in Kasachstan an. „Es wäre schade, meine Erfahrungen brach liegen zu lassen.“

Im Bezirk Hessen-Süd ihrer Partei ist die ehemalige Abgeordnete im Forum Eine Welt und in der Arbeitsgruppe Migration und Vielfalt aktiv. „Für uns war es schon immer ein Anliegen, die Ursachen von Flucht zu bekämpfen und nicht die Flüchtlinge.“ Die Bundesrepublik müsse endlich ihre Handelspolitik ändern, um den Entwicklungsländern mehr Luft zum Atmen zu geben. Regelmäßig gibt es Treffen und Veranstaltungen, Uta Zapf geht zu Vorträgen in die Ortsvereine, zu den Jusos oder zur Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen. Die politische Betätigung liege ihr einfach im Blut, sagt sie.

Auf die Frage, ob ihr der Abschied aus dem Bundestag leicht gefallen ist, kommt die Antwort: „Jein“. Uta Zapf hatte 2009 angekündigt, das letzte Mal zu kandidieren. „Mit 72 muss man nicht mehr weitermachen.“ Zudem sei sie nach mehreren Wirbelsäulen-Operationen gesundheitlich eingeschränkt. Und doch räumt die ehemalige Abgeordnete eine gewisse Wehmut ein. „Ich hatte mir fest vorgenommen, den Nachfolgern in meinem Schwerpunktthema nicht reinzureden und mich nicht einzumischen.“ Das sei ihr schwer gefallen, räumt sie unumwunden ein.

Die Situation ihrer Partei beschreibt Uta Zapf als schwierig. „Ich begreife es nicht so ganz.“ Früher habe sie an der Partei öfter etwas zu mäkeln gehabt, habe aber immer solidarisch zu ihr gestanden. Momentan gebe es nicht viel auszusetzen.

Besorgniserregend findet die Politikerin den Aufschwung der Rechtspopulisten. Es gebe aber nicht nur Donald Trump in den USA oder Marine Le Pen in Frankreich, sondern hierzulande die AfD, die auf dem Weg zu einer rechtspopulistischen Partei sei. Deshalb ärgert sie sich über die aktuellen Sicherheitsvorschläge, mit denen die CDU-Innenminister der Länder der AfD auf den Leim gingen. Dadurch bekäme diese mehr Stimmen, ohne dass das Land sicherer werde. Der Vorschlag, die doppelte Staatsbürgerschaft abzuschaffen, helfe nicht im Kampf gegen Terrorismus. Dagegen würden viele Migranten unter Druck gesetzt.

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Uta Zapf steht in der Flüchtlingspolitik zu dem „Wir schaffen das“ der Bundeskanzlerin, wenn man in diesem Sinne weitermachen würde. Doch aktuell werde eher auf Abschottung gesetzt mit erheblichen Konsequenzen für die Flüchtlinge im Land und die Migranten.

Neben ihrer politischen Betätigung hat sie aber auch viel Zeit für Privates. „Ich bin eine passionierte Museumsgängerin und schaue mir gerne Ausstellungen an.“ Anfang September fährt sie mit ihrem Mann nach Madrid zur Schau mit Werken von Hieronymus Bosch. „Als die Ausstellung in Holland lief, haben wir es nicht geschafft.“ Später steht eine Reise zu einer Aufführung der Oper „Lulu“ in Hamburg mit einer fantastischen Sängerin an. Längere Reisen lasse ihr Gesundheitszustand nicht zu. „Ich kann nicht so gut laufen.“ Sie mache aber viel, um wieder richtig auf die Beine zu kommen. Und doch zieht sie ein positives Fazit zu ihrem 75.: „Ich bin zufrieden und fröhlich und habe meine Balance gefunden.“ Ihren Geburtstag feiert Uta Zapf im kleinen Kreis mit Verwandten und engen Freunden.

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