„Feuer brennt hier anders“

Egelsbacher Brandschützer als „Firefighter“ in den USA

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Mit deutschem Feuerwehr-Wissen aktives Mitglied einer US-Feuerwehr zu sein, ist für Christopher Kappes fast wie ein zweites Studium neben dem eigentlichen an der Virgina-Tech-University. „Ich bin froh, dass ich diese Erfahrung machen darf“, sagt der Egelsbacher.

Egelsbach - Christopher Kappes ist Student und Mitglied der Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Egelsbach. Zurzeit absolviert er einen Teil seines Studiums in den USA – und engagiert sich auch dort bei der Feuerwehr.

Dieser Tage ist Halbzeit; Kappes kehrt für einen kurzen Heimataufenthalt zurück, anschließend folgt die zweite Hälfte des Auslandsaufenthalts. Nach Egelsbach, zu den Feuerwehrkumpels, mit denen er regen E-Mail-Kontakt über den Atlantik hält, hat Kappes schon mal einen Erfahrungsbericht vorausgeschickt. Vom Feuerwehrmann aus Egelsbach zum Firefighter in den USA: von der Feuerwache 9 zum Engine 9.

Seit einem Dreivierteljahr unterstützt Christopher Kappes das Blacksburg Fire Deparment. „Mitte 2015 habe ich die Zusage für mein Master-Studium an der Virginia-Tech-Universität erhalten“, schildert er. „Da ich nicht eineinhalb Jahre lang auf mein Hobby Feuerwehr verzichten wollte, habe ich sofort Kontakt zur örtlichen Feuerwehr, dem Blacksburg Fire Department, geknüpft und engagiere mich dort, wie bei uns in Deutschland, ehrenamtlich.“

Blacksburg liegt im Südosten der USA, im Bundesstaat Virginia und gehört zum Montgomery County. „Mit knapp 50 000 Einwohnern, rund 30 000 von ihnen Studenten, ähnelt die Stadt, was Image und Zugehörigkeitsgefühl der Bewohner zur Virginia Tech angeht, wohl eher einer unserer deutschen Autostädte wie Wolfsburg oder Ingolstadt“, kommentiert der Egelsbacher.

Das Blacksburg Fire Deparment hat über die Stadt verteilt drei Stationen. „Hauptgründe dafür sind, die Anfahrtszeiten zu Einsätzen und vor allem die Versicherungspreise der Anwohner so gering wie möglich zu halten“, hat Kappes herausgefunden. Ein Laie würde sehr wahrscheinlich zwischen dem deutschen und amerikanischen Feuerwehrsystem keine großen Unterschiede erkennen. „Schaut man aber hinter die Kulissen, stellt man schnell fest: Die gibt es sehr wohl“, betont Kappes. „Man mag’s kaum glauben, aber selbst das Feuer brennt hier anders.“ Aufgrund der Betonbauweise in Deutschland seien die Hauptprobleme bei Wohnungsbränden hohe Temperaturen, schlechte Sicht, verwinkelte Räume und das Durchzünden von Rauchgasen. „Da in den USA viel mit Holz gebaut wird, hat man es hier eher mit großen Flammen, massiver Feuerausbreitung und Einsturzgefahr zu tun. Das führt dazu, dass amerikanische Trupps mit einem Vier- bis Fünffachen des in Deutschland üblichen Drucks auf dem Schlauch zum Innenangriff übergehen – ein echter Kraftakt.“

Drei Verletzte bei Feuer in Egelsbacher Wohnhaus

In den ersten Monaten konnte Kappes sich ohne größere Brandereignisse sozusagen eingewöhnen, doch auf Müllcontainer-, Auto und Flächenbrände sind inzwischen auch größere Feuer gefolgt – „der Dachstuhl einer Mittelschule und eine Wohnung standen in Flammen, außerdem gab es mehrere ausgedehnte Waldbrände“.

Mit circa 50 Ehrenamtlern zählt das Blacksburg Fire Department ähnlich viele Aktive wie die Egelsbacher Wehr. Im Durchschnitt alarmiert es freilich mindestens fünfmal so häufig – nämlich gut 1000 Mal pro Jahr. Abgesehen vom Brandschutz ist das Blacksburg Fire Department auch für Brandsicherheitsdienste zuständig. „Die Unterschiede zu Deutschland liegen in der Anerkennung der Bürger demgegenüber und in der Größe der Veranstaltungen“, merkt Kappes durchaus kritisch an. „Die Bürger hier freuen sich darüber, dass die Feuerwehr bei Veranstaltungen für sie da ist. Oft kommen einige sogar persönlich bei einem vorbei, um sich dafür zu bedanken. Aus Deutschland bin ich nur den Unmut der Bürger gewohnt.“ Zu den Dimensionen der Veranstaltungen: „Im Gegensatz zu 1000 Leuten an Kerb im Eigenheim, versammeln sich hier mehr als 70.000 Amerikaner im Uni-eigenen Football Stadion. Aber klar: Kerb in Elschbach ist trotzdem besser!“ (hob)

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