Bei Zeitungstermin ließ sich Daniel Untch einst typisieren

Leben retten kostet nur etwas Zeit

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Daniel Untch

Egelsbach - Was eine Stammzellspende ist und was auf einen Spender zukommt, weiß kaum einer im Detail. Doch wenn man nach einer Typisierung plötzlich Post bekommt, die offenbart, dass man als Stammzellenspender in Frage kommt, ist das Thema mit einem mal ganz nah.

Unserem Mitarbeiter Daniel Untch – vielen auch bekannt als Chef der Egelsbacher Kerbgemeinschaft – ist das passiert. Er ist bereit, seine Erlebnisse zu teilen – und schickt vorneweg: „Es ist alles halb so wild!“.

Ich habe mich vor einigen Jahren typisieren lassen, um genauer zu sein am 29. Oktober 2012, als ich im Auftrag unserer Zeitung über die große Typisierungsaktion für die junge Langenerin Jenny berichtet habe. „Wenn ich sowieso schon hier bin, kann ich mich auch registrieren lassen“, dachte ich mir. Das ist schließlich keine große Sache, ein kurzer Pieks, um etwas Blut abzunehmen und dann passiert in den meisten Fällen: nichts. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass man innerhalb der nächsten zehn Jahre tatsächlich als Stammzellspender für einen Leukämiepatienten in Frage kommt, liegt laut der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) bei etwa fünf Prozent.

Aller Wahrscheinlichkeit zum Trotz klingelt bei mir Anfang des Jahres das Telefon. Mir wird erklärt, dass ich womöglich als Spender in Frage käme, dass die Wahrscheinlichkeit aber immer noch bei nur 15 Prozent läge und weitere Voruntersuchungen nötig seien. Der Hausarzt nimmt mir etwas Blut ab. Entscheidend ist dabei, dass bestimmte Gewebemerkmale von Spender und Patient übereinstimmen. Nach einigen Wochen meldet sich die DKMS erneut bei mir und teilt mit, dass ich tatsächlich als Spender ausgesucht worden sei. Langsam wird es nun doch spannend und die Frage geistert in meinem Kopf herum, auf was ich mich da eigentlich eingelassen habe.

Was folgt, ist eine weitere Voruntersuchung, diesmal beim Blutspendedienst in Frankfurt. Einen halben Tag sollte man dafür einplanen. Es wird wieder mal etwas Blut abgenommen, außerdem werden die Oberbauchorgane im Ultraschall vermessen. Das ist nötig, da sich die Milz durch Wachstumshormone, die man im Vorfeld der Spende nehmen muss, etwas vergrößern kann, daher sollte sie beobachtet werden. Zum Abschluss gibt es noch ein Gespräch mit einem Arzt, der alle Fragen beantwortet, die nun offen sind. Einige Tage später kommt ein Brief, der endgültig bestätigt, dass ich zugelassen bin, doch da der Empfänger meiner Stammzellen noch weitere Behandlungen benötigt, verzögert sich die Spende um weitere Wochen. Noch einmal muss ich zum Blutabnehmen nach Frankfurt, was im Normalfall nicht notwendig ist. Dann gibt es schließlich für beide Seiten grünes Licht.

In den Tagen vor der Spende ist es nötig, sich Granocyte zu spritzen. Das Medikament regt die Stammzellproduktion an, damit bei der Spende genügend zur Verfügung stehen. Zwei Spritzen täglich sind notwendig, können aber bequem zu Hause verabreicht werden. Die Nebenwirkungen will ich nicht verschweigen: Ich habe Kopf- und Gliederschmerzen, außerdem tut mir der Rücken weh. Doch dafür, dass man einem Leukämiepatienten neue Hoffnung geben kann, ist das nun wirklich zu verkraften.

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Am Montagmorgen, 7 Uhr, stehe ich schließlich wieder beim Blutspendedienst auf der Matte. Dort schließen die Ärzte mich an ein EKG-Gerät und den Zellseparator an. Durch eine Nadel im Arm fließt das Blut in das Gerät. Dort werden die Stammzellen und das Blutplasma herausgefiltert. Dann fließt das Blut über den anderen Arm wieder zurück in den Körper. Binnen zwei Wochen bildet mein Körper wieder dieselbe Menge Stammzellen wie vor der Entnahme. Der ganze Vorgang dauert zwischen drei und fünf Stunden. In dieser Zeit ist man gut versorgt: Wer will, kann essen und trinken, fernsehen oder DVD gucken. Ich habe die Prozedur bereits nach drei Stunden und 15 Minuten hinter mir. Nach einem letzten ärztlichen Check bin ich am frühen Nachmittag wieder zu Hause. Bis auf einen blauen Fleck am Arm treten keinerlei Nachwirkungen der Stammzellspende auf. Daher kann ich jedem nur empfehlen, sich den kleinen Aufwand zu machen und sich typisieren zu lassen. Denn eine Stammzellspende kann dem Empfänger das Leben retten, während sie den Spender lediglich etwas Zeit kostet.

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