Erst gequält und dann ermordet

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Vor dem Haus Schulstraße 50 werden fünf Stolpersteine verlegt. Sie erinnern an die Familie Simon und Thekla Lehmann. Am Dienstag gibt es einen Gesprächsabend zur Aktion.

Egelsbach ‐ Die Arbeitsgemeinschaft Stolpersteine erinnert am 13. Oktober mit einer weiteren Aktion ans Schicksal ehemaliger jüdischer Bürger während der Nazizeit. Von Holger Borchard

Das Haus in der Schulstraße 50 kennen viele Egelsbacher – während der Kerb vor Kurzem beherbergte es den „Schoppepetzer-Hof“. Die Geschichte des Gebäudes und seiner Bewohner dürfte freilich nur den Wenigsten geläufig sein. Am Mittwoch, 13. Oktober, um 14 Uhr werden vor dem Haus Schulstraße 50 fünf Stolpersteine in den Gehweg eingesetzt. Sie erinnern an die Familie Simon sowie an Thekla Lehmann.

Erbaut wurde das Haus in der Schulstraße 50 anno 1703 von einer Familie Simon – fromme Juden, bei denen sich die übrigen Egelsbacher Juden zum Gottesdienst trafen. „Es war sozusagen die erste Egelsbacher Synagoge“, sagt Gaby Melk vom Arbeitskreis. Das Ensemble blieb durchweg Heim jüdischer Familien – bis 1938.

Zuletzt hatte der Metzger Isaak Simon dort eine koschere Metzgerei, seine Frau Dina, geborene Lehmann, einen kleinen Laden. Als während des Nazi-Regimes die Judenfeindlichkeit immer katastrophaler wurde, erkannte die Familie, dass Egelsbach längst nicht mehr sichere Heimat war. Erst gelang es, die beiden Söhne Erich und Siegfried in die USA zu schicken; die Eltern folgten 1938. Anders erging es Thekla Lehmann. Sie war wohl Dina Simons Nichte und lebte eine Zeit in der Schulstraße 50, da ihre Familie nach Palästina emigriert war. Ihr Lebensweg endete 1942 nach der Deportation in die polnische Kleinstadt Piasik.

Zur Stolpersteine-Verlegung gibt es am Dienstag, 12., einen Gesprächsabend, bei dem Angehörige der Familie Simon anwesend sein werden. Beginn ist um 20 Uhr im Gemeindehaus, Ernst-Ludwig-Straße 56, Gäste sind willkommen.

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