Betreuung mündet von Ausnahme- in Regelbetrieb

Flüchtlingshilfe saniert bewohntes Haus

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Es bleibt noch viel zu tun. Das Bild zeigt Stefan Buckendahl (rechts) und Karlheinz Ritschel von der Flüchtlingshilfe in jenem Gebäudeteil, der aktuell saniert wird.

Egelsbach - Gut die Hälfte der Sanierungsarbeiten in der Flüchtlingsunterkunft neben der Feuerwehr sind geschafft. Bei laufendem Betrieb stellt die Modernisierung des in die Jahre gekommenen Gebäudes eine große Herausforderung dar. Von Cora Werwitzke 

Ein Jahr, nachdem die Anzahl von ankommenden Flüchtlingen auch in Egelsbach ad hoc anstieg, sind aktuell 195 Neuankömmlinge dabei, in ihrer neuen Heimat Fuß zu fassen. Es ist nicht mehr der Ausnahmezustand wie im Winterhalbjahr, der Stefan Buckendahl lange Arbeitstage beschert. Inzwischen heißt die Aufgabe, „System reinbringen“, wie es der Geschäftsführer der Christlichen Flüchtlingshilfe Egelsbach/Erzhausen (CFEE) formuliert. 195 Menschen sind in Egelsbach gestrandet, etliche haben noch nicht einmal einen Termin für ihr erstes Interview in Gießen. Vielen Ehrenamtlichen ist es zu verdanken, dass den Neuankömmlingen die Warterei nicht zu sehr aufs Gemüt schlägt. „Inzwischen haben wir auch die Kapazitäten, uns um die Betreuung und Koordination der Ehrenamtlichen zu kümmern, ohne die ginge nichts“, betont Buckendahl.

Regelmäßig ist der Geschäftsführer in diesen Wochen zur Baubesprechung in der größten Flüchtlingsunterkunft in der Dresdener Straße anzutreffen. „Wir sind aktuell im zweiten von drei Bauabschnitten“, schildert er. Zu Zeiten der kommunalen Altenwohnanlage waren knapp 70 Prozent des Gebäudes unbewohnt. Wohnungen im desolaten Zustand mussten in der Phase stark steigender Flüchtlingszuweisungen reaktiviert werden. „45 bis 50 Menschen wohnen dort im Moment – Kapazitäten sind aber für mehr“, sagt Buckendahl. Das im Rahmen eines Erbbaurechtsvertrags von der CFEE übernommene Haus wird also im laufenden Betrieb für einen Millionenbetrag saniert. „Deshalb die drei Bauabschnitte“, erläutert der Geschäftsführer. Alle Bewohner müssten im Zuge der Bauarbeiten mindestens einmal innerhalb des Gebäudes umziehen. „Diejenigen, die sich jetzt schon in den sanierten Teil niederlassen konnten, sind aber sehr happy.“

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Die Arbeiten hinken dem Sanierungsfahrplan um etwa drei Wochen hinterher. „Während der Starkregenfälle haben wir das durch die Arbeiten offen gelegte Dach nicht in Gänze dicht bekommen“, begründet Buckendahl. So seien Wasserschäden entstanden, deren Behebung Zeit kostete. Die Verzögerung ziehe seinen Worten zufolge aber keine Konsequenzen hinter sich. Bis spätestens November soll nun alles fertig werden.

Mit rund 45 Personen ist das Container-Quartier in direkter Nachbarschaft des CFEE-Hauses Im Geißbaum die zweitgrößte Unterkunft. „Diese Containerlösung haben wir angesichts der akuten Situation mitgetragen“, sagt Buckendahl. Gleichwohl mit einer gewissen Skepsis, denn das Provisorium widerspricht dem erprobten Konzept der Flüchtlingshilfe. So überrascht es den Geschäftsführer nicht, dass diese Art der Unterbringung „viel Sozialarbeitskraft bindet“, wie es Buckendahl ausdrückt. Die Container waren zuvor als Kita-Provisorium im Einsatz und wurden vergangenes Jahr aufwendig umgebaut. Die weiteren Flüchtlinge sind im CFEE-Haus Im Geißbaum (42) und ansonsten in vielen privaten Wohnungen über die ganze Gemeinde verstreut zu Hause.

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