Frankfurter Verein für Luftfahrt wirbt beim Tag der offenen Tür um neue Mitglieder

„Fliegen macht süchtig“

Egelsbach - Vereinsheim sei ja eigentlich ein furchtbares Wort, findet Rudy C. Meidl. In diesem Fall aber sei „Heim“ gar nicht schlecht, denn: „Fliegen macht süchtig!“ Und so könnte an dem Gebäude am Flugplatz Egelsbach auch „Anonyme Piloten“ stehen. Von Markus Schaible

Noch steht aber Frankfurter Verein für Luftfahrt (FVL) dran – und anonym sind die Mitglieder ganz und gar nicht. Im Gegenteil: Mit ihren hellblauen T-Shirts gut zu erkennen, helfen sie jedem weiter, der eine Frage hat beim „Open Sky Day“, wie sie ihren Tag der offenen Tür nennen. Das Ziel ist klar: Der FVL möchte mit der Veranstaltung neue Mitglieder gewinnen. Speziell über Frauen würde sich der Verein freuen: „Es gab so viele Pionierinnen in der Geschichte der Luftfahrt“, sagt Meidl. Doch leider sei das weibliche Geschlecht im FVL deutlich in der Unterzahl, bedauert der Vorsitzende. „Fliegen zum Anfassen“ ist das Motto der Veranstaltung am Vatertag, wobei das mit dem Anfassen so eine Sache ist: Früher fanden solche Feste in einem Hangar statt, doch der Flugplatzbetreiber will neuerdings Geld dafür. Und weil der Verein dann drauflegen müsste, wird eben im und ums Vereinsheim gefeiert. Aber wer möchte, wird von Mitgliedern aufs Vorfeld geführt und kann sich anhand einer zweisitzigen Cessna die Details eines Flugzeugs zeigen und die Unterschiede zwischen Bugrad- und Spornradflieger oder Schulter- und Tiefdecker erklären lassen. Und natürlich können Schnupperflüge gebucht werden, was die Besucher auch eifrig tun.

Im Schulungsraum ist derweil Rudy Meidl in seinem Element. Der Vorsitzende, im Berufsleben Mediziner und Moderator, berichtet von etlichen Reisen mit den kleinen Maschinen. Unter dem Titel „Gletscher, Gnome und Geysire“ beispielsweise über einen Trip mit einer 235 PS starken Cessna von Egelsbach nach Island. Wie lange das dauert, möchte eine Besucherin wissen. Die Antwort („Ungefähr 20 Minuten“) sorgt für Verwunderung – Meidl meint den Vortrag, die Dame wollte die Reisezeit wissen. „Zwölf Stunden“, sagt der Pilot lachend. Und wie er dann so erzählt, weckt er bei etlichen Zuhörern tatsächlich den Wunsch, es ihm gleichzutun und die Welt öfter mal von oben zu betrachten.

Lernen kann jeder das Fliegen komplett beim FVL. Fast 20 vereinseigene Fluglehrer vermitteln zum einen die Theorie: Navigation, Aerodynamik und Meteorologie stehen auf dem Lehrplan, aber auch das „menschliche Leistungsvermögen“. Zum anderen können die Flugschüler in den vereinseigenen Maschinen die Praxis lernen. Sieben hat der Verein aktuell, zwei weitere sollen demnächst dazukommen. Ganz billig ist das Vergnügen nicht. Aber Meidl betont: „Wir sind nicht elitär. Draußen auf dem Parkplatz steht zwar ein Maserati, aber der gehört keinem von uns.“ Knapp 1000 Euro beträgt die Jahresgebühr beim FVL (Aufnahmegebühr: 250), insgesamt schlage der Flugschein mit 6000 bis 7000 Euro zu Buche. Doch dies verteile sich über einen längeren Zeitraum, da in etwa eineinhalb Jahre zu veranschlagen seien.

Wer über einen „normalen“ Rundflug hinaus mal testen will, ob ihm das Piloten-Dasein Spaß machen könnte, hat dazu die Möglichkeit bei einem fünfstündigen Pinch-Hitter-Kurs, wie ihn der FVL demnächst wieder anbietet. „Im Verein macht das Fliegen auf jeden Fall mehr Spaß“, sind sich Meidl und Co. einig. „Alle sind mit großem Enthusiasmus dabei“, sagt der Vorsitzende. Mehr als 300 Mitglieder hat der Verein, der auch über eine große Modellflugabteilung (mit Gelände in Weilbach) verfügt.

Open Sky: Fliegen zum Anfassen

Vor Ort in Egelsbach öffnet Meidl derweil die Tür zur kleinen Pilotenlounge, in der zum Tagesabschluss das „Landungsbier“ getrunken werden kann. „Eine schöne Tradition“, sagt der Vorsitzende und berichtet von einem Flug in zehn Tagen einmal rund um Deutschland – mit den jeweils regionalen Biersorten nach der Landung. Aber die sind bestimmt nicht (nur) der Grund, warum Rudy Meidl derzeit eine Weltumrundung im Kleinflieger plant.

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