Freiwilligendienst auf dem Birkenhof

Wofür vier Tonnen Splitt gut sind

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Geschafft! Auf den frisch gepflasterten Futterplatz kann die Schülergruppe mit Lehrer Sven Roghmans (rechts) und Vereinsvertreterin Annika Eckert (links) zu Recht stolz sei. Das kleine Foto zeigt die Arbeiten an einem neuen Koppel-Zaun. (c)Fotos: Strohfeldt Geschafft! Auf den frisch gepflasterten Futterplatz kann die Schülergruppe mit Lehrer Sven Roghmans (rechts) und Vereinsvertreterin Annika Eckert (links) zu Recht stolz sei. Das kleine Foto zeigt die Arbeiten an einem neuen Koppel-Zaun.

Egelsbach - Sie scheuen keine harte körperliche Arbeit, die Max-Eyth-Schüler aus Dreieich, die jüngst dem Egelsbacher Verein LernOrt Birkenhof ein Segen waren. Von Sina Gebhardt 

Unter Regie von Lehrer Sven Roghmans schnupperten die Jugendlichen hinter die Kulissen eines Freiwilligendienstes und leisteten gleichzeitig handwerkliche Maßarbeit. Schule fertig und was dann? Mit dieser Frage sehen sich die meisten Jugendlichen konfrontiert, wenn das Ende des Schulbank-Drückens in Sicht ist. Ausbildung oder Studium sind die naheliegenden Möglichkeiten, aber es gibt noch andere Alternativen. Die zeigt Sven Roghmans, Lehrer der Max-Eyth-Schule Dreieich, seinen Schülern während der im zweijährigen Turnus stattfindenden Projektwoche auf: 13 Jungen und Mädchen nehmen an seinem Projekt „Bundesfreiwilligendienst / Freiwilliges Soziales Jahr – theoretischer und praktischer Einblick“ teil und verbringen damit drei Tage auf dem Birkenhof in Egelsbach – drei Tage voller anstrengender Arbeit an der frischen Luft. Aber auch drei Tage gemeinnützigen Engagements, denn die 16- bis 19-Jährigen unterstützen in diesem Zeitraum den Verein LernOrt Birkenhof im Bereich der Tiergestützten Ergo- und Phyiotherapie für körperlich und geistig behinderte Kinder.

Seit eineinhalb Jahren gibt es den Verein, auf den Roghmans Wahl nicht zufällig fiel: Er ist Fördermitglied und selbst Vater eines behinderten Kindes, weshalb er das Angebot auf dem Birkenhof nutzt. Dass sein Projekt so schnell ausgebucht war, hat ihn überrascht, aber noch mehr die Arbeitshaltung seiner Schüler. „Obwohl ja eine Teilnahmepflicht besteht, sind sie sehr motiviert und engagiert, sind pünktlich und fleißig und haben freiwillig auch mal länger gearbeitet, weil sie das Tagespensum einfach durchziehen wollten.“ Konkret bedeutete das für die Berufsgymnasiasten: Harte handwerkliche Arbeiten übernehmen wie das Pflastern einer Futterstelle für die Pferde oder das Einzäunen einer Pferdekoppel.

„Die Schüler haben hervorragende Arbeit geleistet und auch ganzheitlich mitgemacht“, ist Annika Eckert vom Verein LernOrt Birkenhof zufrieden. Tatsächlich sind die Jugendlichen sehr angetan davon, in eine handwerkliche Tätigkeit hineinzuschnuppern, der aktuellen Freiwilligendienstlerin, auf dem Birkenhof bei ihrem Tagwerk über die Schulter zu schauen und auch mal etwas Uneigennütziges zu machen: „Sonst ist man eher egoistisch, hier kann man etwas für andere machen. Die Arbeit hat Spaß gemacht, es war Teamwork gefragt und wir hatten viel Freiraum“, resümiert die 16-Jährige Steffanie.

Fest auf dem Birkenhof: Bilder

Obwohl sie unter anderem vier Tonnen Splitt schaufeln mussten, hat die Schüler der Ehrgeiz gepackt: Denn hier sehe man die Ergebnisse von dem, was man selbst gemacht habe – und das wolle man auch fertig machen, sind sich Diana und Jenny einig.

Ab November hat der LernOrt Birkenhof zwei Bfd-Stellen (Bundesfreiwilligendienst) zu besetzen. Ob sich unter den Bewerbern Teilnehmer dieses Projektes finden, wäre möglich, denn die ziehen ein FSJ oder den Bfd, der nach Entfall des Wehrdienstes der Nachfolger des Zivildienstes ist, nach ihrem Abschluss nun als Option in Betracht. „Aber auch wenn sie nach den drei Tagen nur genauer wissen, was sie eben nicht machen möchten, ist das ein Schritt nach vorne“, findet Roghmans.

Deshalb hat der Klassenlehrer für weitere Einblicke auch noch ein Gespräch mit einem Freiwilligendienstler bei der Feuerwehr Egelsbach organisiert, bevor das Projekt mit einem entspannten Grillabend auf dem Birkenhof ausklingt. „Sich selbst ausprobieren, Verantwortung übernehmen, selbstständiger werden und soziales Engagement zeigen“, fasst Roghmans zusammen, um was es bei dem Projekt geht. Und natürlich mehr über das FSJ und den Bfd erfahren. Denn auf die Frage, was die Schüler nach ihrem Abschluss machen wollen, ist die Antwort einstimmig: „Das weiß ich noch nicht.“

Fest auf dem Birkenhof

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