Gemietetes Gartenglück

Saisongärtner gehen am Birkenhof ans Werk

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Landwirt Arno Eckert gibt den mehr oder weniger erfahrenen Saisongärtnern bei der Übergabe ihrer Parzellen letzte Tipps. Von nun an bis in den Herbst hinein können sie nach Herzenslust anbauen und hoffentlich den Sommer über viel ernten.  

Egelsbach - Was gibt es im Frühjahr Schöneres, als dem eigenen Garten beim Ergrünen zuzusehen? Für alle ohne eigenes Fleckchen Erde kommt da der Saisongarten-Trend gerade recht. Von Timo Kurth 

Auch in Egelsbach lassen sich auf dem Birkenhof gegen kleines Geld größere Flächen anmieten, um bis in den Oktober hinein einen grünen Daumen zu beweisen. Ursprünglich sollten die fruchtbaren Parzellen bereits vor gut zwei Wochen an ihre Saisonpächter übergeben werden. Doch angesichts des frostigen Wetters verzögerte sich die Aussaat. Inzwischen entwickelt sich zartes Grün, das Startsignal für rund 30 Gärtner, die nun bei strahlendem Sonnenschein über ihre eigenen Ernte- und Anbaubereiche blicken. „Bitte sprühen Sie nicht mit synthetischen Düngern“, bittet Bio-Landwirt Arno Eckert die versammelte Gruppe auf dem Feld vor seinem Hof. Mehr Spielregeln gibt der Birkenhof-Chef nicht vor. Es ist schließlich nicht das erste Mal, dass er ein Stück Land in die Hände mehr oder weniger erfahrener Saisongärtner gibt, die bis zum Herbst für den Eigenbedarf anbauen und ernten dürfen. „Bisher gab es nie größere Probleme mit den Gärtnern hier. Man hilft sich gegenseitig.“ Bei der offiziellen Übergabe der Saisongärten werden letzte Fragen geklärt: Wie viel sollte man gießen? Und wie viel vom Dünger tut den verschiedenen Gewächsen gut? Arno Eckert gibt gerne Nachhilfe und liefert obendrauf erstaunliche Zusatzinformationen: „In einem Fingerhut voll gut kompostierter Erde, befinden sich rund eine Billion lebendige Organismen“, erklärt Eckert. „Je lebendiger die Erde, desto mehr lebendiges Material kann letztendlich auch entstehen.“

Die Gruppe setzt sich aus neuen Gesichtern und „Wiederholungsgärtnern“ zusammen. „Viele unserer ehemaligen Saisongärtner haben mittlerweile aber auch eigene Gärten“, berichtet Tochter Annika Eckert stolz, die den Saisongarten-Betrieb koordiniert. „Für sie war das hier wohl ein motivierender Einstieg.“ Die Beweggründe, um Saisongärtner zu werden, sind durchaus unterschiedlich: „Die meisten nutzen unsere Gärten quasi zur Meditation. Herauskommen aus dem Berufsalltag und die Akkus unter freiem Himmel aufladen“, meint ihr Vater.

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Akkus laden oder aber auch entladen. Denn ein paar der Saisongärtner gehen ambitioniert zu Werke. „Am Ende zählt, was auf dem Tisch ist“, meint Saisongärtnerin Astrid mit Blick auf ihr Feld. Im Sommer gehe es ihr besonders darum, den kleinen Ertrag des Vorjahrs zu steigern. Auf dem Nachbarfeld geht man da schon deutlich gelassener vor: „Das Ganze ist ein großes Experiment für mich“, berichtet Natascha Vianden, die in Sachen Gartenbau bisher ein unbeschriebenes Blatt ist. Ihr Credo: „Einfach mal was Neues ausprobieren und noch wichtiger: einfach mal nach draußen kommen.“

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Rauskommen – auch viele Familien kommen genau deshalb und mieten sich einen Saisongarten. Eine Entwicklung die Annika Eckert begrüßt: „Für Kinder ist es doch besonders wichtig zu lernen, dass nicht alles im Supermarkt wächst. Als gelernte Ergotherapeuthin kenne ich viele, besonders junge Patienten, denen es an regelmäßiger Frischluft fehlt.“

Nicht zuletzt deshalb engagiert sich der Birkenhof seit 2013 für die Aktion „Bauernschlau – Hereinspaziert!“, einem Projekt des Amts für den ländlichen Raum Hochtaunus. Der Birkenhof bietet in diesem Zuge jeden zweiten Sonntag im Monat einen Hof-Schnuppertag. „Ziel dabei ist, Kindern aber auch Erwachsenen durch unmittelbares Erleben mit allen Sinnen und angeleitete Mitarbeit auf dem Feld oder im Stall den Ursprung und die Bearbeitung unserer Lebensmittel zu zeigen“, erläutern Eckerts. Wer noch einen Saisongarten am Birkenhof ergattern möchte, sollte sich rasch unter saisongarten@birkenhof-egelsbach.de melden.

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