Gärten spannender als Wohnungen

Leimenkaute: Ärger geht weiter

Egelsbach - Der Ärger um Ausgleichsflächen für das Neubaugebiet „Leimenkaute“ im Nordosten der Gemeinde ist längst nicht ausgestanden. Das hat die Sitzung des Bau- und Umweltausschusses der Gemeindevertretung am Dienstagabend überdeutlich gezeigt. Von Holger Borchard

Laut Tagesordnung sollte es im Wesentlichen um sozialen Wohnungsbau im Zentrum des Neubaugebiets und die dafür notwendigen „redaktionellen“ Änderungen des Bebauungsplans gehen. Der Teil freilich war schnell erzählt, da sämtliche Parteien dies befürworten. Insofern wenig überraschend war ein weiteres Mal die Bühne frei, um vor den Augen der Eigentümer politisch jenes Fass aufzumachen, das Bürgermeister und Bauamtsleiter am liebsten von vornherein deckeln, zumindest aber auf absoluter Sparflamme halten wollten. Wolfgang Klein ist hartnäckig. Geradezu genüsslich grätscht der Linke-Parlamentarier auf Basis eines von der Sitzung vor den Sommerferien in die aktuelle Parlamentsrunde geschobenen Antrags seiner Partei dem Rathaus-Duo dazwischen, wo er nur kann. So zitiert Klein unter anderem die Stellungnahme des Kreises Offenbach, der der Gemeinde dringend anrate, sich doch auf andere Ausgleichsflächen zu kaprizieren.

Die Sticheleien des Linken-Frontmanns bleiben nicht ohne Wirkung, zumindest bei Stephan Bierling. „Ich bin enttäuscht“, repetiert der Leiter des Bauamts genervt-gebetsmühlenhaft – so lange, bis einem Gartenbesitzer im Publikum der Kragen platzt: „Wir sind auch enttäuscht!“ Damit ist auf den Punkt gebracht, wie die seit Frühjahr schwelende Debatte um den Griff der Gemeinde nach den baurechtlich nicht legitimierten Gartengrundstücken im Bereich der nördlichen Karl-Nahrgang-Straße vorankommt – nämlich gar nicht.

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Der unlängst öffentlich gemachte Kompromissansatz? Aus Sicht der betroffenen Anwohner nicht verhandelbar. Ihnen war vor einiger Zeit seitens der Firma Terramag, die die Leimenkaute im Auftrag der Gemeinde entwickelt, folgender Vorschlag unterbreitet worden: Ein Viertel der planungsrechtlich illegalen Gartenflächen wird legalisiert und somit dauerhaft als Kleingarten gesichert. Die verbleibenden 75 Prozent kauft die Gemeinde auf, um sie wie von ihr gewünscht in Ausgleichsfläche umzuwidmen. Abgesehen davon setzt jegliche Form der Einigung aus Gemeindesicht voraus, dass die Eigentümer von einer Klage absehen.

„Wir haben uns sichtbar bewegt“, stellt der Bauamtsleiter fest und kritisiert mangelndes Echo: „Von der Gegenseite ist bis heute nix groß gekommen“ – für Montag und gestern angebotene individuellen Gesprächsangebote in dieser Angelegenheit seien praktisch nicht wahrgenommen worden. Das Schweigen auf den Zuhörerplätzen zu diesem Vortrag spricht Bände – so wird das nix mit Einigung. „Die Eigentümer haben mittlerweile einen Anwalt konsultiert“, verrät Wolfgang Klein und beweist abermals Gespür für die richtige Spitze zur richtigen Zeit: „Die Besitzer der Schlüsselgrundstücke haben gesagt: ,Unser Land kriegt Ihr nie und enteignen könnt Ihr uns nicht!’"

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„Mir doch wurscht“, könnte man die Mimik des Bürgermeisters an dieser Stelle interpretieren. Dem Gegenvorschlag der Eigentümer, ihre 100 Prozent behalten und stattdessen den Ankauf anderer Ausgleichsflächen in der Größenordnung ihrer Gärten finanzieren zu wollen, mag Jürgen Sieling keinesfalls folgen. Einerseits sei dies allen übrigen Egelsbachern gegenüber nicht fair, andererseits könne die Gemeinde nicht stets den Weg des geringsten Widerstands gehen. „Gerade in diesem Fall ist es geboten, dass auch die Gegenseite zu Zugeständnissen bereit ist.“

Die alles entscheidende Frage „Kann das ungeklärte Thema Ausgleichsflächen den Bebauungsplan zu Fall bringen?“ beantwortet Planungsfachmann Thomas Egel mit einem vor Zuversicht strotzenden „Nein!“. Letztlich erhält die Vorlage zum sozialen Wohnungsbau ebenso breite Zustimmung der Ausschussmitglieder wie das Linken-Papier, das auf saubere Ausgleichsflächenregelung abzielt.

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