Baugebiet Leimenkaute

Konflikt um illegal hergerichtete Gärten

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Das Luftbild zeigt im Vordergrund Egelsbach mit Blick in nördliche Richtung (im Hintergrund Langen). Angrenzend an die bestehende Bebauung soll das Wohngebiet Leimenkaute entstehen.

Egelsbach - Die Auseinandersetzung um illegal hergerichtete Gärten in der Karl-Nahrgang-Straße schwelt seit mehreren Monaten. Hinter den Kulissen sondieren Hauseigentümer und die Gemeinde die Lage. Von Cora Werwitzke 

Beide Akteure sind inzwischen kompromissbereit – allerdings bisher nicht zu übereinstimmenden Konditionen. Bekanntlich haben die Hausbesitzer in der Karl-Nahrgang-Straße den Planunterlagen zum Baugebiet Leimenkaute entnommen, dass ihre Gärten als kommunale Ausgleichsflächen für den Naturschutz ausgewiesen sind. Da die Verwaltung diesen Teil der Planung nicht kommunizierte, gingen die Eigentümer im Juni auf die Barrikade. Auch in der Gemeindevertretung kam das Thema daraufhin auf – vor allem auf Initiative der Linken und der Grünen.

Die betroffenen Anwohner haben nun jüngst ein Schreiben von Terramag im Briefkasten gehabt. Darin unterbreitet der Bebauungsplanentwickler im Auftrag der Gemeinde den Kompromissvorschlag, 25 Prozent der bis dato illegalen Gärten planungsrechtlich in ein Kleingartengebiet umzuwandeln und damit dauerhaft zu sichern. Die restlichen 75 Prozent sollen gegen Bares der Gemeinde überlassen und zur Ausgleichsfläche umgewidmet werden. Zudem erwartet die Gemeinde, dass die Anwohner in diesem Fall einen Klageverzicht erklären.

Matthias Mann ist einer der Anwohner, die dieses Schreiben bekommen haben. Der Vorschlag könne von den Eigentümern nicht akzeptiert werden, sagt der praktizierende Anwalt. Entsprechend kontrovers ging es Ende August bei einem Termin zwischen der Firma Terramag, Vertretern der Gemeinde und den Eigentümern zu. Bürgermeister Jürgen Sieling (SPD) und Bauamtsleiter Stephan Bierling bekräftigten dort nochmals das Angebot. Angesichts der diffusen Lage und der Emotionen, die hochschlugen, sieht man im Rathaus nach dieser Erfahrung aber vorerst von Gruppentreffen ab und setzt stattdessen auf Einzelgespräche. „Es ist so gut wie unmöglich, eine Globalvereinbarung mit allen zu treffen“, sagt Sieling. Insofern seien die 25 Prozent auch nicht festgeklopft, sondern könnten eine Verhandlungsbasis darstellen. Nach den Worten des Bürgermeisters werde angestrebt, mit jedem Eigentümer individuell einen Konsens zu erreichen. „Es liegt ja in unser aller Interesse, Klarheit zu schaffen.“ Von der Forderung, 100 Prozent ihrer Flächen als Garten zu behalten, müssten die Eigentümer aber abrücken. „Beide Seiten müssen Schritte aufeinander zu machen“, so Sieling. Es hätten in seinen Augen inzwischen alle Beteiligten verstanden, dass die rechtlichen Grundlagen gegen die Eigentümer sprächen. Ihnen die Flächen zu lassen, entspräche einer automatischen Wertsteigerung ihrer Grundstücke, so der Bürgermeister. „Zu ungunsten der Steuerzahler – das entspricht alles andere als Recht und Ordnung.“

Fotos zur Einschulung 2016 in Langen und Egelsbach

Bei den Eigentümern ist durchaus angekommen, dass ein Kompromissvorschlag her muss. Matthias Mann und zwei weitere Familien bieten etwa an, dass sie den Erwerb von Ersatzgelände in der Größenordnung ihrer Gärten finanzieren würden, wenn im Gegenzug ihre Flächen am Haus vollständig zu Kleingartengelände umgewidmet werden. „Zwischenzeitlich ist bekannt geworden, dass der Gemeinde von dritter Seite innerhalb der Gemarkungsgrenzen ein Gelände zum Verkauf angeboten wurde, welches gegebenenfalls auch als Ausgleichsfläche ausgewiesen werden könnte“, bekräftigt Mann die Bereitschaft, sich finanziell zu beteiligen.

Sieling sieht den Vorschlag vonseiten der Anwohner skeptisch. Die Gemeinde bekomme regelmäßig Ausgleichsflächen angeboten, die sich in Größe und Qualität sehr unterscheiden und die ihrerseits oftmals erstmal umgewidmet werden müssten. Es wird nach Ansicht des Bürgermeisters einige Zeit in Anspruch nehmen, bis die Einzelgespräche getätigt sind. In der bevorstehenden Gremienrunde will Sieling im Bauausschuss am Dienstag, 20. September, den Stand der Dinge mitteilen. Mit belastbaren Erkenntnissen aus den Gesprächen wird das Thema im politischen Kreis aber erst Ende November wieder besprochen.

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