Kerb in Egelsbach

Dauerlärm, wütende Nachbarn und ein tiefenentspannter Tierarzt

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Egelsbach - Das Feiern, gerade an Kerb, gehört zu Egelsbach wie seine Wahrzeichen. Die diesjährige Auflage der vier tollen Tage Mitte September hat freilich partiell derart viel Nebengeräusch produziert, dass die örtliche Ordnungsbehörde nicht einfach zur Tagesordnung übergehen wird. Von Holger Borchard 

Im Fokus: Das Geschehen auf dem Anwesen von Tierarzt Tilmann Petzel während der Kerbtage und darüber hinaus. Selbiges speist den Ortsfunk – und ist Anlass für einen handfesten Krisengipfel kommende Woche im Rathaus. Der Quell des Unmuts hat eine Adresse: Langener Straße 21. Dort befindet sich das Anwesen des Tierarztes Tilmann Petzel. Jener hat nicht nur an Kerb kräftig Remmidemmi in seiner Scheune gemacht, dort ging es schon wochenlang zuvor und offensichtlich bis heute hoch her bis in die späte Nacht. Mit Kerbtradition und friedlichem Feiern im Einklang mit der Nachbarschaft habe das Ganze null zu tun, klagen Nachbarn. Der Tierarzt und ehemalige Kerbborsch des Jahrgangs 1984 terrorisiere seine Umgebung seit Monaten mit unzumutbarem Lärm.

Anzeigen und nächtliche Polizeieinsätze lassen den Tierarzt offenbar kalt. „Es gab sechs Einsätze wegen Ruhestörung an der genannten Adresse im Zeitraum von August bis September, außerdem einen nächtlichen Einsatz am Kerbsamstag sowie deren zwei in der Nacht von Kerbsonntag auf -montag“, bilanziert Polizei-Pressesprecherin Andrea Ackermann auf Nachfrage der Redaktion. Gleiches Bild bei der örtlichen Ordnungsbehörde: „Es liegen diverse Anzeigen vor – und nicht erst seit Kerb“, bestätigt Bürgermeister Jürgen Sieling. Die letzte sei ganz frisch vom gestrigen Donnerstag – „wegen lauter Musik von Mittwoch auf Donnerstag bis nachts um 2 Uhr“. Die Gemeinde habe den Tierarzt wegen der Ordnungswidrigkeiten zur Stellungnahme aufgefordert und damit nicht genug: „Da glaubt jemand, sich über alle Regeln hinwegsetzen zu können und wird böse erwachen, wenn er so weitermacht.“ Vom Ordnungsamt über die Polizei bis hin zum Kreis mit Veterinär-, Umwelt- und Baubehörde und sogar zum Regierungspräsidium ziehe das Ärgernis bereits Kreise. „Nächste Woche sitzen Vertreter aller Behörden in zwei Runden hier bei mir, um Maßnahmen zu besprechen, die diesen Spuk beenden.“

Und Tilmann Petzel? Der Tierarzt gibt sich im Telefonat mit der Redaktion hochgradig tiefenentspannt: „Ein paar Leute aus der Nachbarschaft schlagen Wellen, ausgerechnet die, die am weitesten weg wohnen. Die sollen sich locker machen. Es gibt ja auch die anderen, die mit ein paar Kisten Bier zu mir rüberkommen.“

Bilder: Kerb in Egelsbach

Gestern hatte Petzel einen weiteren Schlichtungstermin beim Ortsgericht mit einem der genervten Nachbarn. Der erste am Donnerstag voriger Woche war dem Hörensagen nach „eher unglücklich“ verlaufen, da der Tierarzt sich als „beratungsresistent“ und das Ganze sichtbar nicht ernst nehmend präsentiert habe. „Ja gut, ich hatte einen weißen Minirock an und die Fußnägel lackiert“, erzählt Petzel. „Aber wir sind doch trotzdem mit einem befriedigenden Ergebnis auseinander gegangen“, fügt er treuherzig an. „Mein Nachbar darf zu mir kommen und mit einem Edding einen Strich auf dem Lautstärkeregler markieren, über den hinaus nicht aufgedreht werden darf, damit er die gewünschten maximal 35 Dezibel in seinem Schlafzimmer hat.“ Weil aber der Nachbar noch keinen Edding und er selbst noch keine Lärmmess-App für sein Handy habe, sei der Ortstermin in Scheune und Schlafzimmer leider noch nicht zustande gekommen, bedauert Petzel.

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