Kinderkrabbelgruppe hat ihre Räume umgestaltet

Sicherer durchs Aquarium rutschen

+
Gemütlich Bilderbücher ansehen: Die Leseecke ist durch ein neues Holzgatter abgetrennt vom Tobraum. Seine Räume hat der Verein neu aufgeteilt.

Egelsbach - Rutsche, Bällebad und Leseecke – die Krabbelgruppe Bayerseich hat ihre Räume rundum erneuert. Möglich wurde das durch Zuschüsse, die das Land im Zuge seines U3-Ausbaus gewährte. Von Julia Radgen 

Denn das bisherige Mobiliar des Trägervereins, der seit 21 Jahren im Kurt-Schumacher-Ring Kinder betreut, stammte noch aus Kita-Zeiten. Unscheinbar wirken die bunt beklebten Fensterscheiben im Kurt-Schumacher-Ring 16, doch dahinter geht’s turbulent zu: Täglich – auch die kompletten Sommerferien hindurch – toben bis zu zwölf „Marienkäfer“ vormittags und nachmittags noch einmal so viele „Frösche“ in den Räumen der Egelsbacher Kinderkrabbelgruppe e.V. in Bayerseich. Seit 1995 betreut der gleichnamige Verein als privater Träger in seinen Räumen Ein- bis Dreijährige. In die Trennwand zum Holzplateau im großen Raum, aus deren Mitte einst eine Rutsche lugte, sind nun Fensterscheiben eingesetzt. „So hat man die Kinder auch von hier oben gut im Blick“, sagt Rosemarie Lucas, Betreuerin und Schriftführerin des Vereins. Doch der bessere Blick auf die Schützlinge war nicht Grund für die Veränderung. „Die Rutsche war nicht U3-gerecht“, erklärt Lucas. Zu hoch war sie und die Treppe davor war für die kleinen Krabbler zu schwer zu erklimmen.

Denn das Inventar hat die Kinderkrabbelgruppe größtenteils vom zuvor ansässigen Kindergarten übernommen. Als das Land Hessen den Ausbau der U-3-Betreuungsplätze vorantrieb – bedingt durch den Rechtsanspruch auf Betreuung für unter Dreijährige zum 1. August 2013 – investierte es Millionen in bisher bestehende Einrichtungen, damit diese renovieren oder sich eine neue Ausstattung anschaffen konnten. Davon profitierte auch die Krabbelgruppe in Bayerseich. Sie hat ihre Räume nun neu ausgestattet und anders aufgeteilt. Wo vorher rutschende Kinder wieder auf den Füßen landeten, lädt nun eine große hölzerne Ecke zum Spielen und Bauen ein. Die höhere Ebene wurde niedriger gemacht, am Geländer zur Treppe können sich die Kleinen festhalten. Oben stehen Tische mit Stühlen, an denen Kinder malen und basteln können. Das Land finanziert zwar, schreibt abergleichzeitig die „U-3-gerechte“ Einrichtung vor.

Die gravierendsten Mängel in deutschen Kitas

Das Herzstück ist der andere große Raum. „Das ist unser Tobraum“, sagt Lucas, „alles außer der großen Matte ist hier neu“. Die 63-Jährige wacht aushilfsweise über die Spielgruppe am Nachmittag. Hier findet sich die neue Rutsche, schöner, größer und kindgerechter. „Alles ist abgerundet, die Möbel haben keine Kanten mehr“. Das mindere die Verletzungsgefahr. Und das Spielgerät verfügt sogar über ein „Aquarium“. So nennen die Kinder den mit blauem transparentem Plastik verkleideten Mittelteil des Rutsch-Paradieses, hinter dem fröhlich Fische baumeln. „Ein Kind hat uns gefragt, ob es seine Taucherbrille mitbringen darf“, so Lucas.

Im Bällebad laden bunte Plastikkugeln in einem knallgrünen Schaumstoff-Pool mit aufgemalten Blumen und Gräsern zum Untertauchen ein. „Der Raum zum Toben ist vorgeschrieben, denn wir haben kein Außengelände“, sagt Lucas. Raus geht’s trotzdem regelmäßig: Auf den angrenzenden Spielplatz oder mit dem stattlichen Bobbycar-Fuhrpark auf Ausflüge. Ein niedriges hölzernes Gatter unterteilt den Raum. „Das ist unsere Lese- und Puzzle-Ecke“, erklärt Lucas. Kinder und Betreuerinnen können es sich auf neongrünen Schaumstoffquadern gemütlich machen.

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Doch es wird nicht nur gespielt, seit der Landes-Offensive 2013 stehen in der Vormittagsgruppe Pädagogik und Bildung im Vordergrund. Erzieherin und pädagogische Leiterin Felicia Weiler fördert die Kinder mit ihren Kollegen individuell und dokumentiert ihre Entwicklung. Das habe die Spielgruppe nicht leisten können. Der Verein ist mit der Neuerung sehr zufrieden. Eltern zahlen dieselbe Gebühr wie für eine städtische Einrichtung, sind aber Vereinsmitglied. „Bei uns ist alles sehr familiär und wir haben ein enges Verhältnis zu den Eltern“, so Lucas. Zwölf Kinder pro Gruppe sind das Maximum, leere Plätze darf’s nicht geben. „Sonst fallen die Zuschüsse weg.“ Das Problem hat die Krabbelgruppe derzeit nicht, sie führt Wartelisten. Lucas ermuntert interessierte Eltern aber: „Oft geht’s schneller als man denkt.“

Kommentare