Warten aufs Kreuze-Machtwort

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Das Kreuz des Anstoßes - drei der christlichen Symbole sind in Egelsbach aufgestellt worden.

Egelsbach (hob) - So laut und heftig es in der ersten Erregung öffentlich zuging, so still ist es mittlerweile um die Egelsbacher Kirchenkreuz-Debatte geworden. Die für den 19. März angekündigte Podiumsdiskussion hat die evangelische Gemeinde abgesagt.

„Durch“ ist das Thema freilich noch lange nicht: Der Gemeindevorstand im Rathaus soll eine Entscheidung zur Präsenz der religiösen Symbole auf öffentlichem Gelände treffen – das erwarten sowohl der Egelsbacher Peter M. Radebach-Opitz, der die Diskussion angestoßen hatte, als auch die evangelische Kirchengemeinde.

Drei bunte Holzkreuze – 2,10 Meter hoch und 1,40 Meter breit – hatten Kinder während der kirchlichen Herbstferienspiele 2010 gestaltet. Mit Zustimmung des Gemeindevorstands um Bürgermeister Rudi Moritz wurden sie am Bruchsee, auf dem Rodelberg im Brühl sowie am Fernwanderweg nahe des Lauftreffs aufgestellt. Im Sommer 2011 hatte Radebach-Opitz in einem Brief an den Gemeindevorstand das „einseitig religiöse Markieren öffentlicher Plätze“ kritisiert und Moritz & Co. aufgefordert, die Erlaubnis zu widerrufen. Das sechsköpfige Gremium indes hatte es mit der Entscheidung nicht eilig – nachvollziehbar angesichts der öffentlichen Emotionen. Wie immer die Entscheidung lauten mag: Sie wird unweigerlich die Diskussion aufs Neue entfachen. Dennoch ist der Gemeindevorstand am Zug. Für die Sitzung nächsten Dienstag stehen die Kreuze auf der Tagesordnung.

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Dass die Podiumsdiskussion ins Wasser fällt, hat Gründe, die Pfarrer Martin Diehl benennt: „Erstens hat Herr Radebach-Opitz seine Teilnahme abgesagt. Zweitens habe ich mit ihm ungeachtet unserer höchst gegensätzlichen Positionen sehr angenehme Gespräche geführt. In diesen ist deutlich geworden, dass eine solche Diskussion wenig zielführend erscheint und gar nicht das ist, was beide Seiten wollen.“ Extrem gelegen sei allen an Versachlichung, betont Diehl. „Während Herr Radebach-Opitz, den ich radikal-säkular nenne, seinen Ansprechpartner im Gemeindevorstand sieht, wurden in unserer Gemeinde bei einem intensiven Klausurwochenende erhebliche Zweifel daran laut, dass eine Diskussion die Kirche in Egelsbach lässt. Wir wollen weder dem Papst noch allen Chef-Atheisten dieser Welt ein Forum bieten und wir wollen auch nicht zu Kopftüchern in Berlin oder Kruzifixen in Bayern abdriften.“

Also heißt es: Warten auf den Gemeindevorstand. Der hat im Übrigen ganz frische Post von Radebach-Opitz und der Kirchengemeinde bekommen. „Seit meinem Antrag sind acht Monate vergangen und es ist nichts passiert“, beklagt Radebach-Opitz in einem offenen Brief die „Vogel-Strauß-Strategie“ der Gemeindeverwaltung. Als Konsequenz hat er eine Petition ins Internet gestellt. Unter www.ipetitions.com/petition/egelsbach_crosses/ kann alle Welt die Gemeinde zur Rücknahme der Genehmigung auffordern. Die evangelische Gemeinde indes „hat nicht den Eindruck, dass das der Wille der breiten Mehrheit ist“. Sie verweist auf die in der Verfassung manifestierte Pluralität des Glaubens. „Aus der Position des friedlichen Miteinanders bitten wir Sie, sich für den Verbleib der Kreuze einzusetzen.“

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