Auszeichnung nach schwerem Unfall vor zwei Jahren

Am rabenschwarzen Badetag goldrichtig reagiert

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Besonnene Unfallhelfer: Bürgermeister Jürgen Sieling (Mitte) ehrte die DLRGler Dirk Wiegand, Hans Jürgen Schmitt, Tatjana Schmitt und Sebastian Deußer (von links).

Egelsbach - Als im Juni 2014 ein damals 15-jähriger Badegast beim Tauchen das Bewusstsein verliert, sind schnelles Eingreifen und Erste Hilfe nötig, um ein Leben zu retten. Von Timo Kurth 

Der junge Mann, der bereits Minuten am Grund des Egelsbacher Springerbeckens lag, wird vom Bademeister an die Oberfläche geholt. Herzstillstand. Eine Reanimation des Jugendlichen ist nötig. Diese wird unverzüglich vorgenommen – durch ein zufällig anwesendes Arztehepaar, das Mitglied der DLRG Egelsbach ist. Heute lässt sich erleichtert aufatmen, denn zwei Jahre nach dem Unfall ist der Betroffene ohne Folgeschäden wohlauf. Nachdem die beiden Ärzte und der Bademeister bereits vor einigen Wochen vom Land Hessen für ihr vorbildliches Verhalten geehrt wurden, ließ Bürgermeister Jürgen Sieling es sich nicht nehmen, auch den DLRG-Rettern dieses rabenschwarzen Badetages mit glücklichem Ausgang in Form einer Ehrenurkunde der Gemeinde zu danken. Die Ausgezeichneten sind: Dirk Wiegand, Sebastian Deußer sowie Hans-Jürgen und Tatjana Schmitt.

„Der junge Mann hatte mehr Schutzengel als Sterne am Himmel“, sagt Martin Kremser vom DLRG-Vorstand. Zahlreiche Mitglieder des Vereins waren an jenem 12. Juni 2014 nur deshalb anwesend, weil das wöchentliche Training anstand. „Die kleine Tochter des Arztehepaars war in einem unserer Kurse zum Schwimmtraining, ansonsten wären sie wahrscheinlich nicht hier gewesen“, fügt Vorsitzende Heike Zimmermann hinzu. All diese Umstände wirkten auf den glücklichen Ausgang der Geschichte ein. Die vier DLRG-Mitglieder nehmen die Ehrung gerne entgegen – allerdings nur stellvertretend für den gesamten Ortsverband. Die Vier haben sich in besonderem Maße bei der Rettung hervorgetan, allerdings gab es neben der Betreuung des lebensbedrohten Patienten auch für andere DLRG-Helfer viel zu tun. „So etwas habe ich in 30 Jahren DLRG noch nicht erlebt“, sagt Zimmermann. Es galt für sie und ihre Helfer, schnellstmöglich den Notruf zu alarmieren und im gleichen Zug die Einfahrt des Krankenwagens in das prall gefüllte Schwimmbad zu ermöglichen. „Es war immerhin ein unfassbar heißer Sommertag, das Schwimmbad war rappelvoll“, ruft der Bürgermeister in seiner Ansprache ins Gedächtnis. Von der Absperrung des Springerbeckens bis zum Starten der Absaugpumpe, die das Wasser aus den Lungen des jugendlichen Opfers entfernte – die DLRG war am Ort des Geschehens hellwach, bis schier endlose acht bis zehn Minuten später der Rettungswagen eintraf „Mein Respekt und meine Anerkennung für die Einsatzkräfte unseres DLRG-Ortsvereins“, lobt Sieling und gesteht: „Ich habe vor zwei Jahren immer wieder darüber sinniert, ob dieser Vorfall zu verhindern gewesen wäre.“

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Damit derartige Unglücksfälle absoluten Seltenheitswert behalten, klärt die DLRG stets auf und möchte, dass Schwimmer sich nicht in Gefahr bringen. „Etwa die Hälfte der Kinder der vierten Klasse können aus unserer Erfahrung nicht richtig schwimmen“, sagt Tatjana Schmitt. „Immer wieder höre ich Eltern sagen: ,In einem Spaßbad mit niedriger Wasserhöhe kann man doch sowieso stehen’“, schildert sie sichtlich entgeistert erlebte Gleichgültigkeit.

Überschätzen der eigenen Fähigkeiten, unterschätzen der Kräfte, die im Wasser wirken – ein Verhalten, das beim Unfall vor zwei Jahren auch den jungen Egelsbacher ins Krankenhaus brachte. „Er wollte gleich mehrmals das Springerbecken durchtauchen, bis schließlich sein Trommelfell platzte und er ohnmächtig wurde“, schildert der geehrte Sebastian Deußer kopfschüttelnd die Hintergründe.

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Die Ehrung fand im Zuge des DLRG-Sommerfestes statt, das erneut regen Zulauf fand. Schnuppertauchen, Schlauchbootpaddeln und verschiedene Vorführungen, etwa zur Strömungsrettung, sorgten bei den Badegästen und den rund 250 Vereinsmitgliedern für Begeisterung. Dass nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene bereit sind, das Schwimmen zu lernen, zeigt ein Kurs, der seit drei Jahren im Angebot und stets gefragt ist. „Erwachsene empfinden häufig Scham, wenn sie im fortgeschrittenen Alter nicht richtig schwimmen können“, weiß Schmitt. Eine Angst, die das DLRG-Team mit viel Feingefühl und Verständnis zu nehmen versucht – mit Erfolg. „Eine Frau über 70 hat bei uns erst vor Kurzem Schwimmen gelernt. Jetzt ist sie kaum noch zu bremsen und will gleich weitermachen mit Rückenschwimmen, Kraulen und Schmetterling“, freut sich die Kursleiterin über die Ambitionen ihrer wohl ältesten Schwimmschülerin.

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