Elf Stunden Musikmix bei „Raus ausm Keller“

Festivalstimmung vom Feinsten

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Der Frontsänger der Band Burning Fight eroberte die Bühne noch bei schwüler Sommerhitze vor dem Regenschauer.

Egelsbach - Tolle Musik, ausgelassene Stimmung und „nur“ ein heftiger Regen zwischendurch – die Bilanz von „Raus ausm Keller“ hinterlässt bei den Veranstaltern zufriedene Gesichter. Von Daniel Untch

Die zweite Auflage des elfstündigen Konzertmarathons zog rund 350 allen voran junge Besucher auf die Bürgerhauswiese nach Egelsbach. „Die langen Wochen und Monate der Vorbereitung haben sich wirklich gelohnt, wenn man sich das hier so anschaut“, sagt Florian Guntrum vom veranstaltenden Verein für Jugendsozialarbeit und Jugendkulturförderung. Ab kurz nach Mittag bis spät in die Nacht wird die Bürgerhauswiese wenige Schritte vom Souterrain-Juz zur Festivalzone. Im Laufe des Nachmittags sind die ersten 100 Gäste schnell erreicht, am Ende des Abends ist die Marke von insgesamt 350 Fans geknackt.

Zehn Bands und Interpreten haben ihr Kommen angesagt – von Debütanten bis zu verhältnismäßig alten Hasen, von Lokalmatadoren bis zu Bühnengästen aus Ostdeutschland. Den musikalischen Auftakt übernimmt Domi Bade. Er liefert mit seinem entspannten Akustikauftritt die richtige Einstimmung und hat schnell einen Großteil des Publikums vor der großen überdachten Bühne versammelt.

Zwischendurch amüsieren sich die Besucher immer wieder bei allerlei Aktivitäten auf der Bürgerhauswiese – etwa bei einer Sperrholzwand, an der sie sich mit Spraydosen austoben dürfen. Der Fahrradladen Three Oaks aus Dreieich trägt ein paar Schritte weiter mit seinem Rennsimulator zur Unterhaltung bei. Immer zwei Personen können sich darin ein Wettrennen liefern. Etliche Duellanten lassen sich nicht lange bitten und treten, was das Zeug hält. Um die Ecke verpflegen sich Jugendliche mit Getränken, Falafel, Pommes und Würstchen. Binnen weniger Stunden entwickelt sich Festivalstimmung vom Feinsten.

Als erste elektrisch verstärkte Gruppe erobern fünf Egelsbacher Debütanten die Bühne. Die Gruppe Machsfensterzu, die bisher lediglich im Proberaum des Jugendzentrums unter Ausschluss der Öffentlichkeit geprobt hat, macht den Namen des Festivals zu ihrem Motto und kommt zum ersten Mal raus aus dem Keller auf die große Bühne. Ihre Musik wird wie folgt angekündigt: „Ihre Songs widmen sich gesellschaftlich wichtigen Themen.“ So singen die Fünf etwa über die gefährliche Pistenraupe, vor der man sich hüten sollte, bevor sie einen platt walzt, oder über ihre Abneigung gegen die Modeerscheinung der Crocs-Schuhe. Die witzigen und intelligenten Texte sorgen immer wieder für Lacher im Publikum.

Bilder: Musikfestival „Raus ausm Keller“

Mit Wortblind und FEW wird es dann deutlich lauter auf der Bühne und auch die fünf Jungs von Burning Fight aus Darmstadt heizen dem Publikum mit ihrer Mischung aus Hardcore und Groove mächtig ein. Heavy Pleasure servieren eine Extraportion Indie-Pop und ihre Kollegen von Forgotten Chapter ihren ganz eigenen Mix aus Metal und Hardcore. Vom Regen, der während des Auftritts von 8kids hereinbricht, lässt sich das hart gesottene Publikum kaum beeindrucken. Einige suchen Schutz unter Pavillons oder im Bürgerhaus. Andere bleiben aber auch vor der Bühne und rocken im Regen weiter zur Musik.

Mit Alaska Pirates stehen dann bekannte Gesichter unter neuem Namen auf der Bühne. Die fünf Jungs aus Langen machen schon lange gemeinsam Musik und stellen sich nun nach einer Pause unter neuer Flagge und natürlich mit neuen Songs vor. Mit denen sind sie seit März wieder in der Region und deutschlandweit unterwegs. Ihr melodischer Rock kommt auch in Egelsbach bestens an. Als Headliner erobern schließlich Annisokay die Bühne. Mit Rock und Metalcore sorgt die Combo aus Halle und Leipzig für einen gelungenen Abschluss. Nachdem auch das letzte Gitarrenriff verklungen ist, fällt von den Veranstaltern viel Anspannung ab. „Auf den Regen hätten wir natürlich verzichten können, aber die Leute sind geblieben und hatten Spaß“, freut sich Mitveranstalter Robert Hoppe. Die zweite Festivalauflage geht als voller Erfolg in die Juz-Geschichte ein. Frei nach dem Motto „Nach dem Festival ist vor dem Festival“ dürfte die Erholungspause mit Blick auf eine durchaus angestrebte dritte Auflage wohl klein ausfallen.

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