Insolvenzplan soll in zwei Wochen stehen

Aufwind für den Neubeginn bei Röder Präzision

Egelsbach - Das Insolvenzverfahren bei Röder Präzision steht unter neuen Vorzeichen: Die am Flugplatz ansässige Firma hat beim Amtsgericht Offenbach die Aufhebung des Verfahrens in Eigenverwaltung beantragt und den Gang in die sogenannte Regelinsolvenz angetreten. Von Holger Borchard

Ziel dieser formaljuristischen Änderung: beschleunigte Restrukturierung im Zuge des Insolvenzplans. Röder Präzision stehen wegweisende Tage und Monate bevor. In zwei Wochen wollen Insolvenzverwalter und Geschäftsführung der Gläubigerversammlung auf Basis aktueller Zahlen (Stand 30. Juni) den Insolvenzplan vorlegen und dann gilt es: Über die Zahlen und Daten zum bisherigen Verlauf des Verfahrens hinaus werden sich die Gläubiger vor allem für die Insolvenzquote interessieren. Jene beziffert, mit wie viel Prozent Rücklauf sie auf die von ihnen angemeldeten Forderungen rechnen können.

„Im besten Fall nehmen die Gläubiger den Plan samt Quote an und die Restrukturierung inklusive parallel zu führender Gespräche mit potenziellen Investoren könnte wie geplant vorangetrieben werden“, teil Insolvenzverwalter Dr. Georg Bernsau (Kanzlei Bernsau, Brockdorff & Partner) mit. „Im schlimmsten Fall würde festgestellt, dass das Unternehmen sich nicht trägt. Dann wären weitere Einschnitte unumgänglich.“

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Soweit werde es nicht kommen, gibt sich der Anwalt optimistisch, der kraft der Verfahrensänderung vom Sachwalter zum Insolvenzverwalter und damit zum „starken Mann“ mit umfänglicher Handlungsbefugnis avanciert ist. „Auftragslage und Ausblick sind sehr gut; sowohl der Gläubiger-Ausschuss als auch der Betriebsrat tragen das Sanierungskonzept mit.“

Rückblende: Ende November hatte das in finanzielle Turbulenzen geratene Instandsetzungsunternehmen der Luftfahrtindustrie, das an den Standorten Egelsbach und Alsfeld rund 320 Mitarbeiter beschäftigte, den Antrag auf das so genannte Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung gestellt. Nach viermonatiger vorläufiger Insolvenz eröffnete das Amtsgericht Offenbach jenes Verfahren, dem Firma und Insolvenzverwalter nun doch die Regelinsolvenz vorziehen. „Abgesehen von den positiven Entwicklungen der vergangenen Wochen hat es sich gezeigt, dass in der Eigenverwaltung die verschiedenen Interessen nur sehr zeitaufwendig unter einen Hut zu bringen sind“, erklärt Röder-Geschäftsführer Erwin Feldhaus den Sinneswandel. Die Gläubiger stimmten am 30. Juni zu.

Der Belegschaft hat Feldhaus die jüngste Entwicklung im Rahmen einer Betriebsversammlung am Freitag dargelegt. „Ich habe unterstrichen, dass wir auf einem sehr guten Weg sind, die Auftragslage ist exzellent, die beste, seit ich hier in Egelsbach bin – und das unter Bedingungen einer Insolvenz“, fasst der Geschäftsführer zusammen. Die Kunden – allen voran die Bundeswehr – hielten Röder die Treue. „Ich habe den Mitarbeitern signalisiert, dass wir unser Schicksal bestimmen, indem wir unsere Aufträge abarbeiten und dafür sorgen, dass Geld in die Kasse kommt.“ Der Insolvenzverwalter formuliert es kurz und bündig: „Es lohnt sich, für diese Firma zu kämpfen.“ Als Ziel geben Feldhaus und Bernsau „nachhaltige Weiterführung der Firma und Joberhalt“ aus; angestrebt werde die Aufhebung des Verfahrens zum Jahresende.

Fakt ist freilich auch: Die Insolvenz hat bereits Arbeitsplätze gekostet. Im Frühjahr wurden 54 Mitarbeiter „freigesetzt“, ein Teil von ihnen über Vertragsablauf und Ruhestandsregelung. Die meisten, circa 30, wurden in eine Transfergesellschaft entlassen. „Der Abbau ist bis auf ein, zwei Härtefälle sozialverträglich abgelaufen; drei Mitarbeiter wurden sogar schon wieder aus der Gesellschaft zurückgeholt“, merkt Betriebsratsvorsitzender Roger Oxé an. Die Signale seien positiv, Verunsicherung herrsche dennoch weiter, die Belegschaft wolle „nicht alleine die Zeche zahlen“. Licht am Horizont verhießen Kundentreue, Auftragslage und „die Gewissheit, dass Flugzeuge nun mal nicht ohne Propeller fliegen und nicht ohne Fahrwerk landen können“.

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