Stolperstein-Premiere in Egelsbach

Stolpersteine Seligenstadt
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Am 15. Oktober werden in Egelsbach die ersten Stolperstein verlegt. Diese bereits ins Pflaster eingesetzten Stolpersteine haben wir in Seligenstadt fotografiert.

Egelsbach - (hob) Es ist nie zu spät, eine gute Sache zu beginnen. Frei nach diesem Grundsatz erlebt nun auch die Gemeinde die erste Verlegung von Stolpersteinen im Gedenken an Egelsbacher Juden, die vom nationalsozialistischen Terror-Regime gequält und getötet wurden.

Am Donnerstag, 15. Oktober, um 15 Uhr wird der Künstler Gunter Demnig die ersten Stolpersteine verlegen. Sie erinnern an die Familien Bacharach, Eisemann, Katz und Reis, die einst in der Ernst-Ludwig-Straße 39 beziehungsweise in der Woogstraße 5 gewohnt haben. Dabei werden Mitglieder der Egelsbacher Stolpersteine-Arbeitsgemeinschaft Geschichte und Schicksal der ehemaligen Mitbürger in Erinnerung rufen.

Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, sagt Gunter Demnig. Der Künstler lässt die mit einer beschrifteten Messingplatte versehenen Steine vor den ehemaligen Wohnhäusern der NS-Opfer in den Bürgersteig ein. Mittlerweile halten Stolpersteine in mehr als 480 Orten Deutschlands die Erinnerung wach, ebenso in Österreich, Ungarn und den Niederlanden. In Langen wird das Stolperstein-Projekt nächsten Freitag (16.) fortgeführt. Dann werden nach fünf Verlege-Aktionen 85 Gedenksteine an alle jüdischen Nazi-Opfer in Langen erinnern.

Der Arbeitskreis freut sich über weitere Mitarbeiter und über Paten, die bereit sind, 95 Euro für einen Stolperstein zu übernehmen.

Spenden unter dem Stichwort Stolpersteine können aufs Konto 33 002 5 93 bei der Sparkasse Langen-Seligenstadt, BLZ 506 521 24, überwiesen werden.

Bis dieses Ziel für die zirka 60 Egelsbacher Opfer jüdischer Abstammung erreicht ist, wird noch viel Zeit vergehen. Aber schließlich zieht sich die Aktion in Langen auch bereits über dreieinhalb Jahre hin. „Immerhin ist der Anfang gemacht“, freut sich Gaby Melk im Namen jener 20 Egelsbacher, die dem im April 2008 gegründeten Arbeitskreis angehören. Sie ist die „Zentrale“ der Recherchegruppe, die Monate intensiver Nachforschungen hinter sich hat. „Einerseits haben wir längst nicht alle Fakten und Geschichten über das Schicksal jüdischer Familien in der Nazizeit zusammen. Andererseits haben wir wertvolle Erkenntnisse erhalten und bereits Bekanntes ergänzt oder korrigiert“, fasst Gaby Melk zusammen.

Infoabend mit Laurence Sherr

Kontakt zum Arbeitskreis über das evangelische Gemeindebüro, Tel.: 49076.

Die Egelsbacher Stolperstein-Premiere leitet der Arbeitskreis mit einem Informationsabend am Mittwoch, 14. Oktober, ein. Besonderer Gast der Veranstaltung, die um 20 Uhr in der Kultur-Scheuer, Ernst-Ludwig-Straße 65, beginnt, wird Laurence Sherr sein. Er ist der Sohn von Alice Bacharach und wird über seine Familie erzählen. Gaby Melk wird über die Familien Eisemann und Katz berichten. Mit von der Partie werden zudem Schüler der Adolf-Reichwein-Schule Langen sein. „Sie haben sich in einem viel beachteten Projekt mit der Familie Reis beschäftigt und werden ihre Arbeit vorstellen“, so Melk.

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