Tierarzt päppelt Jungvögel auf

Karton mit geschützten Eulen-Küken vor der Tür

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Ungewöhnlicher Gast beim Tierarzt. Klaus Sperling hat die junge Zwergohreule und ihren Artgenossen, die mittlerweile Federkleid tragen, leidlich „erzogen“. Überleben können die eingeschleppten Vögel aus mediterranen Gefilden freilich nur in ihrem natürlichen Winterquartier.

Egelsbach - Sie stehen unter Artensschutz, ihr Besitz ist streng verboten – und doch hat jemand die Vögel nach Deutschland geschafft, um sie schließlich bei Klaus Sperling loszuwerden. Von Leo F. Postl 

Der Egelsbacher Tierarzt hat zwei Zwergohreulen aufgepäppelt und braucht nun Unterstützung, um den Tieren das artgerechte Überwintern in Nordafrika zu ermöglichen. Wie kommen zwei Zwergohreulen aus mediterranen Gefilden nach Egelsbach? Und vor allem: Wie kommen sie jetzt in ihr Winterquartier in der Nord-Sahara? Vor dieser Frage steht Klaus Sperling, Tierarzt und Vorsitzender des Vogelschutz- und Zuchtverein Egelsbach. Vor einiger Zeit fand er einen Karton vor seiner Praxis, als er jenen öffnete, drängten sich zwei verängstigte „Wollknäuel“ in einer Ecke. Bei genauerer Begutachtung stellten sie sich als Zwergohreulen (Otus scops) heraus.

Und damit begannen die Probleme. „Einerseits musste ich die besonders geschützten Tiere, die mir so unverhofft untergekommen sind, dem zuständigen Regierungspräsidium in Darmstadt melden“, erzählt der Tierarzt,. „Andererseits fehlte mir die artgerechte Nahrung für die Jungtiere.“ Zwergohreulen ernähren sich in ihrem Habitat, dem südlichen Europa, hauptsächlich von Zikaden, Heuschrecken und Käfern. Also musste Sperling eben jene Kost auftreiben.

Und wie kommen diese Vögel nun in hiesige Gefilde? Das wird wohl ein Geheimnis bleiben. „Für mich ist das ein Paradebeispiel falsch verstandener Tierliebe oder Fürsorge“, wagt Sperling sich an eine Erklärung, die letztlich darauf hinausläuft, dass irgendjemand die Jungtiere ins Land gebracht haben muss. „Vorsatz wäre schon sehr rücksichtslos, da Zwergohreulen einem strengen Besitzverbot unterliegen. Zuwiderhandlung kann mit einer Geldbuße bis zu 50. 000 Euro belegt werden“, betont der Tierarzt.

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Wenn die Jungvögel schlüpfen, sind sie erst mal sogenannte Nestlinge und werden im Nest gefüttert. Später halten sie sich als Ästlinge zusammengekuschelt auf Ästen auf, bis sie flügge werden und selbst auf Nahrungssuche gehen. „Als ich die Tiere im Karton vorgefunden habe, waren sie noch im Stadium der Nestlinge“, sagt Sperling. Mittlerweile ist es ihm gelungen, das gefiederte Duo zu fast erwachsen Tieren zu erziehen. „Geblieben ist freilich die Fehlprägung, dass sie sich kaum selbst Futter erbeuten können“, bedauert Sperling.

Gemäß Naturschutzgesetz – und das ist zugleich Auflage des Regierungspräsidiums – müssen die Zwergohreulen wieder in die Natur entlassen werden. „Das geht aber nicht hier bei uns“, betont Sperling. „Hier würden sie ziemlich sicher verhungern, weil das Nahrungsangebot fehlt und sie auch noch nicht fähig sind, längere Strecke im Flug zurückzulegen.“ Eine echte Überlebenschance hätten die Tiere nur in einer Umgebung mit ausreichendem Nahrungsangebot und Gelegenheit zum Trainieren der Flugeigenschaften. Die Ideallösung – die Jungvögel ins Winterquartier nach Nordafrika zu bringen – bietet sich somit nur per Transport im Flugzeug. Wer in dieser Hinsicht helfen kann, kontaktiert Sperling und den Vogelschutz- und Zuchtverein unter der Nummer 06103/204171.

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