Umstrittene Südosterweiterung des Waldsees

„Bedarf an Sand und Kies ist da“

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Aus der Luft sieht die bereits gerodete Fläche der Südosterweiterung des Waldsees (das „baumfreie“ Dreieck vor dem Wasser) gar nicht mal so groß aus. Dennoch ist das Vorhaben umstritten. Die Egelsbacher SPD informierte sich deshalb vor Ort bei der Firma Sehring.

Langen/Egelsbach - Die Erweiterung der Kiesabbauflächen am Langener Waldsee ist umstritten – Grund genug für die Egelsbacher SPD, die Sehring AG im Rahmen ihrer Sommertour zu besuchen und sich den Ist-Stand sowie die weiteren Pläne erläutern zu lassen. Von Daniel Untch

Auch wenn der eigentliche Ort Egelsbach weit vom Waldsee entfernt ist, das Gemeindegebiet reicht bis an den See heran; das Sehring-Firmengelände liegt zum Teil auch auf Egelsbacher Gemarkung. Für dieses Areal wurde der Pachtvertrag erst kürzlich bis 2025 verlängert, mit Option bis 2035. Aber auch die Erweiterungsvorhaben der Firma interessieren die SPD-Fraktion. „Man schaut immer auf die Pläne, aber es vor Ort mit eigenen Augen zu sehen ist doch etwas anderes“, sagt der neue Fraktionschef der Egelsbacher SPD, Daniel Görich, unter dessen Regie die Genossen erstmals zu einer kleinen Unternehmens-Sommertour starteten. Stefan Sehring, Vorstand der Sehring AG, freut sich über den Besuch: „Ich begrüße es immer, wenn sich jemand selbst ein Bild der Lage machen und in einen offenen Austausch treten möchte.“ Denn der öffentliche Diskurs verlaufe leider oftmals unter der Gürtellinie und lasse an Sachlichkeit vermissen, stellt Sehring fest. Zu den Erweiterungen sagt Sehring klar: „Die Baubranche boomt, der Bedarf ist da, wenn wir diesen nicht erfüllen, sehe ich in den nächsten Jahren große Probleme für die Infrastruktur.“

Dass Naturschutzverbände wie der BUND die Prioritäten angesichts von Bannwaldrodungen anders setzen, ist wenig überraschend. Vor Kurzem erst hat der Verband beschlossen, seine Klage gegen weitere Rodungen im Bannwald auch in der nächsten Instanz fortzusetzen. Bezüglich der Bedenken der Umweltschützer betont Sehring, dass es auch ganz andere Sichtweisen gäbe: „Die Ornithologen etwa sind begeistert. Denn ohne den Waldsee wären die umliegende Flora und Fauna weniger vielfältig.“ Viele Vogelarten würden sich ohne den See niemals in diesem Gebiet ansiedeln. „Es ist interessant, dass verschiedene Naturschützer zu unterschiedlichen Einschätzungen kommen. Das zeigt, wie differenziert die Lage hier betrachtet werden muss“, so Görich.

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Bei einer Rundfahrt über das Firmengelände wirft die Fraktion einen Blick auf den Egelsbacher See sowie die neue Südosterweiterung. Bezüglich Rekultivierung und der Schaffung von Ausgleichsflächen fragen die Politiker ebenfalls nach. „Wir müssen sowohl vor Ort rekultivieren als auch andernorts Ausgleichsflächen schaffen“, sagt Sehring. Er betont auch die strengen Vorgaben bei der Rekultivierung: „Wir dürfen lediglich industriell unvorbelastetes Material verwenden, auch wenn öffentlich oft etwas anderes behauptet wird.“ Görich fragt nach, wie stark derlei Kiesvorkommen wie das rund um Langen verbreitet seien. Stefan Sehring hebt die Ortsabhängigkeit seines Unternehmens hervor, denn die Kiesvorkommen seien von Ort zu Ort sehr unterschiedlich. „Langen ist unser Hauptstandort“, sagt er und erklärt, dass seiner Meinung nach die Mitarbeiter der Firma im öffentlichen Diskurs viel zu wenig Platz fänden. „Der Elektriker oder der Maschinenschlosser mit Frau und zwei Kindern, was sollen die machen, wenn wir hier zu machen müssen?“, fragt er.

Bilder: Bannwald erhalten oder Kies abbauen?

Auch die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Behörden interessiert die Sozialdemokraten. „Mit wem sitzen Sie am Verhandlungstisch?“, will Görich wissen. Naturschutz- und Forstbehörde, Bergamt und Regierungspräsidium, da kämen viele Akteure mit unterschiedlichen Vorgaben und Interessen zusammen. So habe etwa das Forstamt andere Vorgaben bezüglich der Kultivierung als die Naturschutzbehörden. Da der Rechtsstreit um die Genehmigungen mittlerweile seit vielen Jahren läuft, gibt Sehring den Politikern mit auf den Weg: „Genehmigungstechnisch muss sich etwas tun. Eine Firma mit so hohem Investitionsaufwand wie unsere braucht einfach Rechtssicherheit.“ Görich sagt seinerseits: „Ich denke immer, Vorschriften machen nur Sinn, solange sie das Ziel im Auge behalten und nicht zum Selbstzweck werden.“

Das Resumee des SPD-Fraktionsvorsitzenden nach der Tour: „Ich habe den Eindruck, dass man sich bei Sehring auch der umweltpolitischen Verantwortung bewusst ist.“

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