Namensgeberin starb vor über 60 Jahren

Eppertshäuser feiern Fest im „Pägelche“

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Das Berta-Pägelche-Fest wurde 2016 erneut mit einem großen Zuspruch gefeiert.

Eppertshausen - Früher gab es zahlreiche Straßenfeste in Eppertshausen. 2016 ist nur noch das „Berta-Pägelche-Fest“ übrig geblieben. Jetzt wurde es zum 36. Mal unter Beteiligung aller Anlieger und weiterer Besucher aus dem Ort gefeiert. Von Michael Just 

„Wer war Berta Müller?“ – diese Frage stellt sich jedes Jahr im Juli, wenn im Veranstaltungskalender das „Berta-Pägelche-Fest“ auftaucht. Die Antwort kann Karl-Heinz Kraus (69) geben, der als Kind mit seinen Eltern im gleichen Haus wie Berta lebte: „Sie war ein Eppertshäuser Original, das einen Tante-Emma-Laden besaß und sich großer Beliebtheit erfreute.“ In der Folge haben Menschen den kleinen Verbindungsweg von der Friedhofs- zur Nieder-Röder-Straße, an dem Berta einst wohnte, nach ihr benannt. Und nicht nur das: Da sich alle Anlieger bestens verstehen, entstand zudem ein Straßenfest, das ebenfalls als Berta-Pägelche-Fest ihren Namen trägt (das „Pägelche“ steht umgangssprachlich für „Pfad“).

Erstaunen ruft jedesmal die lange Tradition hervor: Schon seit 1981 wird eingeladen. Gab es früher noch andere Straßenfeste in Eppertshausen, haben die Berta-Fans als einzige überlebt und das lustige Beisammensein, zu dem auch Nichtanlieger ins „Pägelche“ oder „Gängelche“ (für „Gang“) eingeladen sind, stetig weiterentwickelt. Mittlerweile erleichtert ein großer Bierwagen das Zapfen. Beim Fleisch holt man sich die Unterstützung von einem Caterer. In zwei Abständen fuhr dieser am Wochenende mit Spießbraten vor. „Das Fest ist im Lauf der Zeit immer größer geworden. Bei mittlerweile 300 Besuchern wäre der Aufwand für die Fleischzubereitung einfach zu groß“, sagt Lutz Murmann, einer der treibenden Köpfe im Orga-Team. Die Anwohner steuern lediglich einen Salat bei und übernehmen einen Dienst. Der Auftrag an einen Caterer passt schon deshalb, da ein Gewinn nebensächlich ist. Alles was übrig bleibt, wird für einem guten Zweck gespendet.

Insgesamt grenzen rund zehn bis zwölf Häuser mit rund 40 Bewohnern (Alter: vier bis 77 Jahre) direkt oder indirekt an das „Pägelche“. 2006 wurden zum 25-jährigen Bestehen der Veranstaltung hellblaue Polo-Shirts angeschafft, die die Jubiläumszahl auf dem Rücken tragen. Im Jahr 2016 werden sie immer noch angezogen, was wenig verwundert: Bei lediglich einem Einsatz pro Jahr ist die Abnutzung gering.

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Die Musik beim Fest kommt stets aus der Konserve, am Abend warten zur Gaudi ein paar Spiele. Ein weiterer Höhepunkt ist die Eröffnung der Bar „Zur lustigen Berta“, in der es ab 21 Uhr alle bekannten Cocktails gibt. Fremde müssen beim Bestellen meist zweimal auf die Liste gucken, denn alle Drinks sind in irgendeiner Form nach Berta benannt. So versteckt sich beispielsweise hinter „Berta Libre“ ein „Cuba Libre“. „Die Veranstaltung macht mittlerweile so einen Spaß, dass wir uns schon das ganze Jahr drauf freuen“, verrät Murmann. Sogar einen „Straßenbürgermeister“ hat das Fest mit Kurt Filipp bereits hervorgebracht. „Es braucht für eine gute Sache immer eine Autorität“, heißt es dazu mit einem Augenzwinkern von der Straßengemeinschaft.

Wie alle bedauert auch Kurt Filipp, dass es keine Nachfahren der vor über 60 Jahren gestorbenen Berta gibt. Peter Müller hieß der einzige Sohn, den sie mit ihrem Mann Gottfried hatte. Dessen drei Söhne fielen im Zweiten Weltkrieg. Nur ein Stammbaum der Müllers existiert noch in einem alten Glasrahmen. Er wird von Karl-Heinz Kraus, der als Kind mit Berta im gleichen Haus wohnte, aufbewahrt. In den letzten Jahren holt er ihn besonders gerne heraus, denn mit jedem Berta-Pägelche-Fest steigt sein ideeller Wert.

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