Fronleichnam in Eppertshausen

Der Blick geht wiederholt nach Leipzig

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Pfarrer Harald Christian Röper kritisierte am Außenaltar am Ende der Straße „Im Bubenstall“ unter anderem die Klimapolitik und verwies dabei auch auf den Otzberger Agrarwissenschaftler, Landwirt und Buchautor Felix Prinz zu Löwenstein.

Eppertshausen - Rund 250 Eppertshäuser Katholiken haben das Fronleichnamsfest an zwei Außenaltaren bei einer Prozession durch ihren Ort gefeiert.

Der Blick von Pfarrer Harald Christian Röper richtete sich während der knapp zweistündigen Veranstaltung der Kirchengemeinde St. Sebastian, zu der auch der Kirchenchor St. Valentin, der Chor St. Sebastian und die Kolpingsfamilie Eppertshausen beitrugen, wiederholt nach Leipzig. Dort fand von Mittwoch bis Sonntag der 100. Deutsche Katholikentag statt.

Röper erwähnte dabei unter anderem, dass nur etwas mehr als vier Prozent der Leipziger Bevölkerung katholisch ist. Über Sinn oder Unsinn, gerade die 100. Ausgabe des Katholikentags in einer Stadt mit derart wenigen Katholiken zu veranstalten, ließ sich Röper nicht aus. Vielmehr forderte er die Gläubigen dazu auf, sich gerade dort, wo man als Katholik klar in der Minderheit sei, den anderen Menschen verstärkt zuzuwenden. Entscheidend sei der stetige Auftrag, die Kirche ins Hier und Jetzt, ins alltägliche Leben hinein zu tragen.

Gemeindereferentin Claudia Schöning schloss die Menschen in Leipzig in ihre Fürbitten ein. Zu ihnen gehörte tags drauf auch Röper selbst, weswegen die ursprünglich für den Freitagabend geplante Eucharistiefeier bereits am Donnerstag am ersten der beiden Außenaltare gehalten wurde. Am Ende der Straße „Im Bubenstall“ und damit in Feldrandlage reichten Röper und die Messdiener den Teilnehmern des Open-Air-Gottesdiensts die Hostie, die Referentin Schöning bei der anschließenden Prozession in der goldenen Monstranz bis zum zweiten Außenaltar an der Kita St. Sebastian und schließlich in die gleichnamige Kirche trug.

Zuvor hatten beim längsten Teil der Feier am Ende vom Bubenstall die Chöre St. Valentin und St. Sebastian die Zeremonie musikalisch begleitet. Röper schlug weltliche Töne nicht nur mit Blick auf die besonders im Osten Deutschlands eher gering vertretenen Katholiken an, sondern spannte den Bogen auch zum wohl wichtigsten aktuellen Thema: der großen Zahl an Menschen, die sich aufgrund von Kriegen, Gewalt, Armut, Perspektivlosigkeit und auch Naturkatastrophen auf die Flucht aus ihrer Heimat gemacht haben.

Gerade dem letztgenannten Aspekt widmete sich der Pfarrer: Unter anderem mit Verweis auf den Otzberger Agrarwissenschaftler, Landwirt und Buchautor Felix Prinz zu Löwenstein, dessen Lesung in der Dieburger „Bücherinsel“ Röper vor einiger Zeit persönlich verfolgt hatte, gab er zu bedenken, dass die Klimapolitik gerade dort, wo Überfluss herrsche, seinen schlimmen Beitrag zu einer noch gar nicht begonnenen Massenwanderung in reichere Regionen der Welt leiste. Der nächste große Flüchtlingsstrom, so Röper, werde sich aus Afrika auf gen Norden machen. (jd)

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