Geschäft Müller beugt sich dem geänderten Verhalten ihrer Kundschaft

Institution für Tischkultur schließt

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Die Firma „Müller – Küche, Tischkultur, Geschenke und mehr“ in Eppertshausen schließt Ende September endgültig. Inhaberin Anette Dreher, Vater Josef August Müller sowie die langjährigen Mitarbeiterinnen Hildegard Hartfiel und Edith Kunkel freuen sich bis dahin auf viel Kundschaft, die von den Räumungsangeboten profitieren dürfen.

Eppertshausen - Eine schwerlich hinweg zu denkende Eppertshäuser Institution schließt Ende September für immer seine Türen: Die Firma „Müller – Küche, Tischkultur, Geschenke und mehr“ hört nach 113-jähriger Geschichte auf zu existieren. Von Thomas Meier

Mit einem allumfassenden Räumungsverkauf und tausenden Sonderangeboten endet eine rühmliche Geschichte. Anette Dreher leitet in vierter Generation das alteingesessene Familienunternehmen, ihr an der Seite steht bis zum Schluss ihr mittlerweile 80-jähriger Vater Josef August Müller. Dessen Großvater, Karl Josef Müller I., gründete das Unternehmen 1903 als Schmiede mit angeschlossenem Eisenwarenhandel in der Nieder-Röder-Straße 2/Ecke Hauptstraße. Bis 1951 lief der Betrieb als Schmiede, dann folgte der erste Ausbau zum Landengeschäft auf die Hauptstraße hin. Seit 1973 präsentiert sich die Firma Müller in ihrer jetzigen Form mit einem großzügigen, hellen 350 Quadratmeter großen Verkaufsraum.

Der Firmengründer übergab sein Geschäft 1938 an seinen Sohn Karl Josef Müller V., der es wiederum 1983 an seinen Sohn Josef August Müller übergab. Viele Jahre lang zuvor war der bereits Teilhaber am Geschäft, doch hatte der gelernte Landmaschinen-Mechaniker zuvor bereits ein eigenes Geschäft in Hergershausen eröffnet und seinen Meister gemacht. Bis 1976 existierte dieses Geschäft parallel. 2004 übernahm Tochter Anette Dreher die Firmengeschicke, doch sorgt sich ihr Vater bis heute um die Gartenabteilung, die Rasenmäher und Werkzeuge.

Die gelernte Einzelhandelskauffrau schließt, weil sich alles sehr stark gewandelt hat und die Kundschaft, vor allem die jüngere, immer mehr ausbleibt. Von den Kunden vor Ort allein lebte das einst so florierende Geschäft nie, immer schon zog der Laden auch Kundschaft aus Rödermark, Babenhausen, Münster und Messel an. Doch schon länger ist das Internet der übermächtige Mitbewerber geworden, gegen das der kleine Familienbetrieb chancenlos ist.

Innovative Produkte: Haushaltsgeräte neu gedacht?

Meister Müller erinnert sich gern an die Glanzzeiten des Eisen- und Haushaltswarenladens mit seiner großen Garten- und Landwirtschaftsabteilung: 1992 etwa habe man bei der Inventur 65.000 Artikel im Geschäft gezählt. Damals waren sieben Vollzeitbeschäftigte, zwei Auszubildende und drei Aushilfen bei Müller in Arbeit und Brot. Zuletzt, bei immerhin noch rund 30.000 Artikeln, arbeiten neben Müller und Tochter Dreher noch Hildegard Hartfiel und Edith Kunkel im Verkauf. Beide werden nicht als Angestellte, sondern eher als Familienmitglieder gesehen, sagt Anette Dreher, arbeiten Hartfiel doch weit über 30 und Kunkel über acht Jahre im Geschäft. Beide sind heute im Rentenalter.

Josef August Müller hatte 16 Auszubildende unter seinen Fittichen, acht im Bereich Landmaschinen-Mechanik, acht Einzelhandelskaufleute. Über 20 Jahre versagte er sich Urlaub, war immer mit ganzem Herzblut dem Familienunternehmen verbunden. Doch er geht mit seiner Tochter heute völlig konform: Solch ein Laden trägt sich in Eppertshausen nicht mehr. Das große Eckgeschäft und das dazugehörige Anwesen gegenüber in der Nieder-Röder-Straße 1 sind verkauft. Was aus den Immobilien wird, muss die Zukunft zeigen.

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