Militärdekan Engel berichtet von Afghanistan

Sinnfragen in Kundus

Bei älteren Afghanen gibt es kaum Hoffnung auf Frieden nach 35 Jahren Krieg. Kinder dürfen Erwartungen in die Zukunft haben. Auch davon berichtete Militärdekan Hans-Richard Engel. - Foto: Panknin

Eppertshausen - Über seinen viermonatigen Aufenthalt in Kundus, einer Provinz in Afghanistan, berichtete Militärdekan Hans-Richard Engel auf Einladung der Kolpingsfamilie Eppertshausen. Er beschrieb das Lagerleben und berichtete von traumatisierten Soldaten. Von Peter Panknin 

Von Anfang Februar 2003 bis Mitte 2008 war er Pfarrer von St. Michael in Münster, dann folgte er dem Ruf des Bistums Mainz und wurde Militärseelsorger. Als solcher begleitete Militärdekan Hans-Richard Engel Soldaten der Bundeswehr, die als deutsches Kontingent in Afghanistan zum Einsatz kamen.

Sehr zahlreich erschienen interessierte Zuhörer, der Platz im Jugendheim reichte kaum aus. Mit Fotos vom Lagerleben und den darin befindlichen Menschen untermalte er seinen spannenden Vortrag über ein eigentlich langweiliges Lagerleben. Eigentlich, denn da war immer die angespannte Sicherheitslage.

Während Engels Zeit in Kundus gab es keine Angriffe, aber ein Kollege von ihm hatte während seiner 120 Tage dauernden Mission an 90 Tagen Raketenbeschuss auf das Lager erlebt, überwiegend nachts. Wenn es die Sicherheitslage erlaubte, durfte auf dem Lagergelände Sport getrieben werden, auch gab es einen Markt, betrieben von Einheimischen.

Toleranz steigt durch Zusammenarbeit 

Afghanen wurden auch im Lager beschäftigt, diente ihr Lohn doch dem Unterhalt zahlreicher Familien in der Umgebung der Militärcamps und steigerte somit die Akzeptanz der ausländischen Truppen im Land. Ausgenommen waren Tätigkeiten in der Küche, denn allzu leicht kann mit verdorbenem Essen die Kampfkraft der Truppe reduziert oder auf „Doppel-Null“ (00) gebracht werden. Die Verpflegung war gut, wurden doch alle Nahrungsmittel aus Deutschland herbeigeschafft und von deutschen Köchen zubereitet.

Ständige Anspannung, große räumliche Distanz zu Familienangehörigen oder Freunden, das Wissen, bei Problemen daheim nicht unmittelbar helfen zu können schafften Raum für existenzielle Sinnfragen. Gespräche darüber konnten mit dem Pfarrer in abendlicher Runde zwanglos geführt werden, auch die Gottesdienste waren gut besucht. Menschen, die normalerweise nicht in den Gottesdienst gehen, waren hier anzutreffen, sogar ein Kirchenchor hatte sich in Kundus etabliert.

Gespräche über die Zukunft der Bundeswehr

Diese Provinz und Afghanistan sind inzwischen Geschichte. Es bleibt aber das Gespräch über Auslandseinsätze der Bundeswehr in der Zukunft. Innerhalb der deutschen Bevölkerung scheint die Akzeptanz und Anerkennung der Bundeswehr zu schwanken – bis hin zum Desinteresse. Traumatisierte oder körperlich versehrte Soldaten haben derzeit in der Öffentlichkeit kaum eine Präsenz.

Die Militärseelsorge steht in engem Kontakt zu den Betroffenen, ist Ansprechpartner und Stütze. Die Erfahrungen aus vergangenen Auslandseinsätzen sollen dazu dienen, Soldaten für künftige Einsätze im Ausland besser vorzubereiten, nicht nur auf technischer, sondern insbesondere auf menschlicher Ebene.

Während des Vortrags und auch danach wurden zahlreiche Fragen aus dem aufmerksam zuhörenden Publikum gestellt und auch beantwortet. An manchen Stellen wäre mehr Zeit für ausführlichere Erläuterungen wünschenswert gewesen, jedoch hätte dies den Rahmen eines abendlichen Vortrages gesprengt.

Top-Terrorristen der Al-Kaida

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